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Dr. Doris Wolf beantwortet Leserbriefe zum Thema Umgang mit Problemen in der Familie

Wie bewege ich meinen erwachsenen Sohn zur Mithilfe im Haushalt?
Unser Sohn, 28 Jahre studiert und lebt noch in unserer Wohnung. Er richtet sich nicht im geringsten nach unseren Interessen, sondern tyrannisiert die ganze Familie. Was können wir tun?

In den letzten Jahren zeigt sich die Entwicklung, dass junge Erwachsene zu "Nesthockern" werden. Sie leben wie die Made im Speck, nehmen den Service der Eltern in Anspruch, fühlen sich aber in keinster Weise verpflichtet, dafür auch etwas zu geben. Die Eltern wollen keinen Streit, stellen deshalb keine Forderungen oder resignieren. Es ist an der Zeit, die Regie in Ihrem Hause wieder zu übernehmen. Ohne Streit geht das wahrscheinlich nicht ab, doch in Ihrem Inneren ist schon lange kein Frieden mehr. Von alleine wird Ihr Sohn in diesem Alter sein Verhalten nicht ändern. Teilen Sie Ihrem Sohn klar und deutlich mit, was Sie von ihm erwarten und was Sie ihm dafür geben. Er hat die Wahl. Lässt er sich nicht auf die Absprachen ein, dann reduzieren Sie auch Ihren Service. Kochen, waschen, Zimmer aufräumen oder der stetig gefüllte Kühlschrank sind Dienstleistungen, die Sie einstellen können. Ihr Sohn ist erwachsen und muss lernen, auch die Interessen der anderen zu berücksichtigen.

Meine Schwiegereltern sind gegen mich.
Ich lebe seit 18 Monaten mit meinem Freund zusammen. Wenn die Schwiegereltern anrufen, verlangen sie sofort nach ihremSohn. Bei Besuchen lassen sie mich links liegen. Wie kann ich ein herzlicheres Verhältnis zu ihnen bekommen?

Versuchen Sie zu ergründen, weshalb die Schwiegereltern sich Ihnen gegenüber so reserviert verhalten. Vielleicht brauchen sie etwas länger, um Vertrauen zu einem neuen Familienmitglied aufzubauen. Vielleicht sind sie eifersüchtig darauf, dass ihr Sohn jetzt mehr Zeit mit Ihnen verbringt und Sie wichtiger für ihn sind als seine Eltern. Vielleicht haben sie sich eine ganz bestimmte Vorstellung von ihrer zukünftigen Schwiegertochter gemacht und müssen erst akzeptieren, dass Sie dieser Vorstellung nicht entsprechen. Geben Sie den Schwiegereltern noch ein wenig Zeit. Ziehen Sie sich auf keinen Fall von ihnen zurück, indem Sie denken "Wenn die nicht wollen, will ich auch nicht". Bleiben Sie höflich und bemüht. Sprechen Sie mit Ihrem Partner darüber, dass Sie sich von seinen Eltern nicht angenommen fühlen. Sollte sich Ihr Verhältnis nicht bessern, muss er Stellung beziehen. Er muss seinen Eltern gegenüber deutlich zu machen, dass sie ihn verlieren, wenn sie seine Lebensgefährtin nicht akzeptieren.

Unser Sohn will nicht mehr in die Schule gehen.
Unser 9-jähriger Sohn weint seit 2 Wochen jeden Morgen, wenn er in die Schule gehen soll. Ich konnte ihn bisher immer überreden, habe aber Angst, daß er irgendwann gar nicht mehr in die Schule geht. Wie kann ich ihm helfen?

Unterschiedliche Ursachen können zur Schulunlust Ihres Sohnes führen. Es kann sich um eine vorübergehende Unlust handeln, die jedes Kind gelegentlich erlebt und die dann bald vorübergehen wird. Dahinter können sich jedoch auch ernste Ursachen verbergen. Ihr Sohn könnte Angst vor einem Lehrer oder vor anderen Kindern haben. Er könnte sich überfordert fühlen, die Leistungsanforderungen zu erfüllen. Vielleicht belasten ihn auch Sorgen, die nichts mit der Schule zu tun haben, wie etwa Streit mit Geschwistern oder Eltern. Versuchen Sie vorsichtig zu ergründen, wovor Ihr Sohn Angst haben könnte. Nehmen Sie mit seinen Lehrern, den Eltern der Mitschüler und Klassenkameraden Kontakt auf. Fühlt sich Ihr Sohn von einem Lehrer oder Mitschüler eingeschüchtert, besprechen Sie mit ihm, wie er sich wehren und behaupten kann. Kann er die Klassenleistungen nicht erbringen, erkundigen Sie sich nach speziellen Stützkursen oder erwägen einen Klassenwechsel.

Meine Mutter redet mir in die Erziehung meines Sohnes rein.
Ich habe einen Sohn mit 12 Jahren. Wenn wir bei meiner Mutter zu Besuch sind, macht sie mir regelmäßig Vorwürfe, wie ich meinen Sohn mit solchem Aussehen rumlaufen lassen könne.

Für die Erziehung sind Sie zuständig. Unsere Eltern haben meist ein bestimmtes Bild, wie die Enkel aussehen sollten und was aus ihnen werden sollte. Sie glauben, schon mit uns genug Erfahrung in der Erziehung gesammelt zu haben, um mitreden zu können, und glauben, uns helfen zu müssen bei der Erziehung unserer Kinder. Teilen Sie Ihrer Mutter in ruhigem, aber bestimmtem Ton mit, dass Sie es respektieren, wenn sie sich um den Enkel Sorgen mache, dass Sie jedoch beruhigt sein könne, da Sie sich sorgfältig überlegen, was gut für ihn ist. Wenn die Mutter das Thema erneut anspricht, verweisen Sie lediglich darauf, dass Sie ihre Meinung dazu kennen.

Immer müssen wir mit der Verwandtschaft zusammensein.
Ich bin seit fünf Jahren mit meiner Frau verheiratet. Fast jedes Wochenende und natürlich jeden Festtag verbringen wir mit der Verwandschaft meiner Frau. Mir wird das zuviel.

Sprechen Sie mit Ihrer Frau darüber. Es ist einerseits schön, wenn in der Familie Ihrer Frau ein guter Familienzusammenhalt besteht. Andererseits ist es für Ihre Partnerschaft wichtig, dass Sie beide auch Zeit für sich allein haben. Sprechen Sie mit Ihrer Frau ohne Vorwürfe darüber, dass Sie verstehen, wenn Sie gerne mit ihrer Familie zusammen ist, dass Sie sich jedoch zu kurz gekommen fühlen. Schlagen Sie ihr vor, jedes zweite Wochenende mit ihr allein zu verbringen, das andere mit den Verwandten. Sie selbst können entscheiden, statt mit Ihrer Frau auch mal etwas für sich allein zu machen.

Meiner Frau ist die Karriere wichtiger als die Familie.
Ich bin seit 13 Jahren verheiratet, wir haben zwei Kinder von 9 und 11 Jahren. Seit 2 Jahren arbeitet meine Frau wieder halbtags, möchte nun aber ganztags arbeiten gehen. Wo bleiben dabei ich und die Kinder?

Die Entscheidung Ihrer Frau, wieder ganztags arbeiten zu gehen, erfordert eine grosse Umstellung und die Anstrengung der gesamten Familie. Ich kann gut verstehen, dass Sie gerne an den alten Gewohnheiten festhalten möchten. Doch bedenken Sie dabei, dass Ihre Frau das gleiche Recht wie Sie hat, auch Ihre beruflichen Vorstellungen zu verwirklichen. Sie hat ihren beruflichen Einstieg, bis zur Einschulung ihres jüngsten Kindes zurückgestellt, hat die Familie also keineswegs vernachlässigt. Wenn Sie der Familie wegen zuhause bliebe und dabei mit ihrem Leben vollkommen unzufrieden wäre, würde sich das weder auf Ihre Kinder, noch auf Sie positiv auswirken. Setzen Sie sich mit Ihrer Frau zusammen und überlegen Sie, wie Sie die Haushaltspflichten und die Kinderbetreuung neu aufteilen können. Sprechen Sie über Ihre Befürchtungen. Heutzutage ist es gang und gäbe, dass auch Frauen mit Kindern berufstätig sind und die Männer sich dafür mehr am Haushalt beteiligen. Ausschlaggebend ist jedoch, dass beide Partner sich auf einen Kompromiss einigen.

Meine Kinder akzeptieren meinen neuen Partner nicht.
Ich bin seit zwei Jahren geschieden und lebe seit einem halben Jahr mit meinem achtjährigen Sohn und meinem neuen Partner zusammen. Mein Sohn und mein Partner streiten ununterbrochen.

Ihr Sohn muss sich erst an die neue Situation gewöhnen. Geben Sie Ihrem Sohn und Ihrem Partner Zeit, sich an einander zu gewöhnen. Für Sie alle drei gilt es, neue Regeln für ein Zusammenleben zu formulieren. Wenn Ihr Sohn die Trennung von seinem Vater noch nicht richtig verarbeitet hat, wird er zunächst dem neuen Familienmitglied zu verstehen geben, dass er fehl am Platze ist, und ihn nicht anerkennen. Dann ist es wichtig, dass Ihr Partner sich nicht gleich angegriffen sieht und auf den Kampf eingeht. Er sollte Ihrem Sohn ruhig mitteilen, dass er versteht, wenn es schwierig für ihn ist, sich auf die neue Situation einzustellen, aber dass er jetzt mit Ihnen zusammenlebt. Er soll nicht gleich die Liebe von Ihrem Sohn erwarten, sondern ihm beständig wieder ein Angebot machen.

Muss ich meine alte Mutter bei mir aufnehmen?
Meine Mutter ist 79 Jahre alt und baut körperlich immer mehr ab. Sie wohnt alleine, soll aber vomArzt aus nicht mehr alleine gelassen werden. Ich bin halbtags berufstätig und habe immer ein schlechtes Verhältnis zu ihr gehabt. Muß ich sie bei mir aufnehmen?

Sie spüren einen Konflikt in sich. Einerseits fühlen Sie sich verpflichtet, Ihre Mutter aufzunehmen - zumal Sie nur halbtags arbeiten. Andererseits haben Sie Angst vor der Nähe und den Reibereien, die dadurch entstehen. Sie haben das Recht, Ihre eigenen Bedürfnisse zu berücksichtigen, aber die Verpflichtung, sich um eine geeignete Betreuung der Mutter zu kümmern.

Suchen Sie nach einem Heimplatz in Ihrer Nähe. Dann können Sie Ihre Mutter besuchen, ohne zu eng mit ihr zusammenleben zu müssen.

Zum Weiterlesen:

Häusliche Pflege der Eltern

Für die Eltern im Alter sorgen

Unterbringung der Eltern im Altenheim

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