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Dein Bild vom Leben entscheidet, wie du das Leben empfindest

© Autorin: Dr. Doris Wolf, Diplom Psychologin

Ein Bild sagt mehr als 1000 Worte. Wenn wir etwas sehen, dann hat das eine sehr viel stärkere Wirkung auf unsere Gefühle und unser Verhalten, als wenn wir etwas nur hören.

Hören wir im Radio von einem Unfall mit vielen Verletzten und Toten, dann nehmen wir das zur Kenntnis, aber es berührt uns nicht weiter. Sehen wir jedoch die Verletzten und Toten, das Blut und die zerbeulten Autos, dann sind wir emotional berührt.

Bilder haben eine 1000 Mal stärkere Wirkung auf uns als Worte. Das trifft auch auf die Bilder zu, die wir uns vom Leben, von anderen Menschen oder unserer Arbeit machen.

Welches Bild hast du vom Leben? Wie empfindest du dein Leben? Ist das Leben für dich ein Kampf, ein Test, ein Geschenk, eine Party, ein Tanz, ein Spiel, eine Prüfung, die Hölle, ein Jammertal, ein Wunder, eine Achterbahn, ein Karussel oder eine Last?

Macht es einen Unterschied, ob wir das Leben als Kampf oder als Wunder ansehen? Natürlich.

Wie verhält man sich, wenn man das Leben als Kampf ansieht? Dann ist man ständig auf der Hut vor möglichen Feinden und Angreifern, dann wittert man hinter jeder Biegung einen Hinterhalt, dann muss man sein Leben und seine Rechte ständig verteidigen.

Und wie fühlt man sich dabei? Man ist ständig angespannt und unruhig, man lebt in der Angst, jemand könnte einen verletzen oder gar töten, man fühlt sich ständig angegriffen und verletzt.

Und wie fühlt und verhält man sich, wenn man das Leben als Wunder ansieht? Man steht staunend und andächtig davor. Man begreift das Leben als etwas Kostbares und Einmaliges.

Und wie geht man mit etwas Kostbarem und Einmaligen um? Man behandelt es sorgsam, achtet darauf, dass man sich und anderen keinen Schaden zufügt. Man hält das Leben in Ehren.

Wir fühlen und verhalten uns in Abhängigkeit von den Bildern, mit denen wir etwas beschreiben.

Wenn wir sehr starke negative Gefühle verspüren, dann verwenden wir immer auch sehr starke negative Bilder, um unsere Situation zu beschreiben. Wenn wir sehr starke positive Gefühle verspüren, dann verwenden wir auch sehr positive Bilder.

Fühlst du dich manchmal hilflos und verzweifelt? Dann vielleicht deshalb, weil du Bilder und Metaphern der folgendem Art verwendest:
Ich bin in einer ausweglosen Situation.
Ich bin mit meinem Latein am Ende.
Ich fühle mich wie in einem tiefen Loch.
Vor mir tut sich ein Abgrund auf.
Ich stehe am Abgrund.
Meine Arbeit ist die Hölle.
Ich stehe vor einem Scherbenhaufen.
Mir zerreist es mein Herz.
Ich bin auf dem Abstellgleis.
Ich sitze zwischen zwei Stühlen.
Ich tappe völlig im Dunkeln.
Mein Job ist eine Tretmühle.
Das Leben ist ein Kampf.
Mein Kind ist eine Nervensäge.
Ich bin eine graue Maus.
Mein Leben ist ruiniert.
Ich dreh gleich durch.
Dieses Chaos macht mich krank.


Übung
Ergänze die folgenden Sätze. Werde dir darüber klar, welche Bilder du hast.

Ich bin .... (Versager, Trottel)

Meine Arbeit ist ... (Tretmühle, Sprungbrett, Herausforderung)

Mein Partner ist ... (mein Alter, mein Mitstreiter, mein Liebster, ein Geschenk des Himmels, die große Liebe, mein Goldfasan, meine bessere Hälfte)

Das Leben ist ... (Kampf, Fest, Spiel, Drahtseilakt, Achterbahnfahrt)

Kinder sind ... (Quälgeister, Ungeheuer, Blutegel, Monster, Erben dieser Welt, Geschenke)

Mein Körper ist ... (Tempel, Wunder, Maschine, Last)

Die Menschen sind ... (eine große Familie, ein Haufen Verrückter)

Überlege dir, ob deine Beschreibungen in dir die Gefühle hervorrufen, die du gerne verspüren willst und ob sie dein Verhalten positiv oder negativ beeinflussen.

Lautet deine Antwort Nein, dann suche eine andere Beschreibung dafür, die dir gute Gefühle macht und die du fortan verwenden möchtest.

Alle unsere bildhaften Vergleiche entsprechen nicht den Tatsachen.

Entscheidend ist lediglich, ob sie uns helfen und stärken, oder schaden und schwächen!

Warum entscheidest du dich nicht dafür, solche Bilder und Metaphern zu verwenden, die dir helfen und dich stärken?

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