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Wechseljahre des Mannes

älteres ehepaar

Auch Männer kommen in die Wechseljahre (Andropause). Es kommt bei ihnen zu körperlichen Veränderungen, die Auswirkungen auf die Partnerschaft haben können. Welche das sind, darüber informiert dieser Beitrag. Bild © detailblick - Fotolia.com

© Autorin: Dr. Doris Wolf Psychotherapeutin

Während es in den Medien seit Jahrzehnten Berichte über die Wechseljahre von Frauen gibt, finden wir erst in den letzten Jahren auch Artikel zu den männlichen Wechseljahren.

Bei Männern fällt uns beim Gedanken an Wechseljahre eher der Begriff Midlife Crisis ein.

Gleichgültig ob wir von Wechseljahren oder einer Midlife Crisis sprechen, auch bei Männern macht sich eine Veränderung des Hormonspiegels beginnend um das 40. Lebensjahr bemerkbar.

Es werden weniger Sexualhormone, insbesondere von dem Hormon Testosteron produziert. Dies hat wie bei den Frauen unterschiedlichste Veränderungen in Körper und Psyche zur Folge.

Die Folgen sind zwar nicht so deutlich und heftig wie bei Frauen, aber doch spürbar.

Sind die betroffenen Männer verheiratet, leidet auch die Partnerin ein Stück unter den Wechseljahren des Mannes.

Wie sich die Wechseljahre des Mannes auf die Partnerschaft auswirken

Männer sind es weniger gewöhnt als Frauen, sich mit sich selbst zu befassen, in sich hineinzuhören und mit ihrer Partnerin über ihre körperlichen und seelischen Probleme zu sprechen.

Dies macht sich in der Zeit der Wechseljahre besonders nachteilig bemerkbar.

So können Frauen meist nur spüren, dass sich bei ihrem Partner etwas verändert hat bzw. er unter etwas leidet. Wenn sie ihn aber darauf ansprechen, leugnet er es. So können sie ihn weder beraten, noch gezielt unterstützen.

Folgende Veränderungen oder Beschwerden können bei Männern in den Wechseljahren auftreten und die Partnerschaft belasten.

1. Das Aussehen der Männer verändert sich: Ihre Haare fallen aus. Sie nehmen zu. Die Muskeln schwinden, die Knochen schmerzen.

Die Männer fühlen sich unattraktiv für ihre Partnerin/andere Frauen und gefallen sich selbst nicht mehr. Die Folge kann sein, dass sie sich zurückziehen.

Aber auch das Gegenteil kann die Folge sein. Sie versuchen, ihre „fehlende“ Attraktivität durch äußere Attribute wie einen Sportwagen oder jugendliche Kleidung wettzumachen. Sie treiben manchmal auch exzessiv Sport oder nehmen Muskelaufbaupräparate.

Wenn die Partnerin ihren Wert selbst auch über das Äußere oder ihren Partner definiert, dann fühlt sie sich durch seine körperlichen Veränderungen verunsichert. Sie versucht vielleicht, ihn zu einer Diät oder zu mehr sportlicher Betätigung zu bewegen.

Ist ihr sein Äußeres nicht so wichtig, dann findet sie seinen „Jugendwahn“ möglicherweise lächerlich und überflüssig. Sie verliert die Achtung vor ihm und möchte mit einem solchen Partner nicht zusammen sein.

2. Männer schlafen schlecht und schwitzen nachts. Sie leiden unter Hitzewallungen.

Sie finden diese körperlichen Beschwerden als lästig. Als Folge davon meiden sie vielleicht die Nähe zu ihrer Partnerin. Morgens fühlen sie sich zerschlagen und weniger leistungsfähig.

Die Partnerin fühlt sich abgelehnt, weil er sich zurückzieht oder ihr gegenüber gereizt ist.

3. Männer haben weniger Lust auf Sex und/oder leiden unter Erektionsstörungen.

Sie erleben es als schmerzlich und kränkend, sich nicht mehr auf ihren Körper verlassen zu können. Sie zweifeln an sich, „kein richtiger Mann“ mehr zu sein.

Die Folge kann sein, dass sie jegliche körperliche Nähe zu ihrer Partnerin vermeiden aus Angst, dass sie mehr wollen könne.

Manchmal versuchen Männer auch, sich ihre sexuelle Attraktivität durch einen Seitensprung zu bestätigen.

Die Partnerin sieht in seinem Rückzug möglicherweise einen Beweis dafür, dass sie für ihn unattraktiv ist. Vielleicht glaubt sie sogar, dass er eine Geliebte besitzt, weil er nicht mehr mit ihr schlafen möchte.

4. Männer sind weniger leistungsfähig und haben Schwierigkeiten, sich zu konzentrieren.

Dies kann Ängste bei ihnen auslösen und an ihrem Selbstwertgefühl nagen. Insbesondere Männer, die ihren Selbstwert hauptsächlich aus ihrer Leistung und ihrem Erfolg beziehen, fühlen sich nun bedroht. Sie quält die Frage: „Wer bin ich, wenn ich nicht mehr ... kann?“

Sie vergleichen sich mit jüngeren Männern und befürchten, nicht mehr mithalten zu können. Wenn sie beruflich noch nicht die Position erreicht haben, die sie gerne erreichen möchten, müssen sie nun vielleicht erkennen, dass sie diese nie mehr erreichen zu können.

Die Partnerin ist es nicht gewohnt, ihren Mann schwach zu sehen. Sie macht ihm vielleicht Vorwürfe, er solle sich nicht so gehen lassen, bzw. fordert von ihm, sich mehr anzustrengen.

5. Männer ziehen eine Lebensbilanz. Sie stellen sich die Frage nach dem Sinn ihres Lebens.

Ihre Kinder haben zum Zeitpunkt der Wechseljahre das Haus bereits verlassen. Über die Jahre und die Erziehung der Kinder ist die Partnerschaft mehr oder weniger eingeschlafen.

Beruflich gibt es auch keine großen Herausforderungen mehr. Sportlich können sie nicht mehr so mithalten. So stellen sich die Männer die Frage, ob das schon alles gewesen sein soll.

Die Partnerin bemerkt an ihrem Mann, dass er unzufrieden und gereizt, vielleicht auch depressiv ist. Durch Gespräche versucht sie, herauszufinden, was in ihm abläuft. Sie sieht ihre Partnerschaft in Gefahr, weil er sich ihr nicht mitteilt und die alten gemeinsamen Werte in Frage stellt.

6. Männer sind empfindlicher und gereizter.

Durch ihre körperlichen und seelischen Veränderungen stellen Männer ihr gesamtes Lebenskonzept in Frage, was dann schließlich in Depressionen oder eine Angststörung münden kann.

Die Partnerin fühlt sich hilflos, ihrem Mann nicht helfen zu können, wenn er nicht über seine Problem spricht.

Manchmal ist sie auch wütend, so schlecht von ihm behandelt zu werden. Sie ist enttäuscht, jetzt, nachdem die Kinder aus dem Haus sind, so wenig Harmonie mit ihm erleben zu können.

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Was Frau tun kann, um als Paar besser durch die Wechseljahre zu kommen.

1. Informieren Sie sich darüber, welche Veränderungen die Wechseljahre von Männern begleiten können.

So können Sie toleranter auf Ihren Partner reagieren.

2. Sprechen Sie mit Ihrem Partner darüber, welche Beschwerden die Wechseljahre bei Ihnen bewirken.

Das kann ein kleiner Trost für ihn sein und sie beide näher zusammenbringen.

3. Beziehen Sie das veränderte Verhalten Ihres Partners nicht gleich auf sich.

Ihr Mann ist mit sich selbst unglücklich. Deshalb kann er im Augenblick wenig Liebe und Verständnis für Sie aufbringen.

4. Bieten Sie Ihrem Partner immer wieder ein Gespräch an, aber insistieren Sie nicht.

Es kostet Ihren Partner große Überwindung, über seine Probleme zu sprechen.

Es nagt an seinem Selbstwertgefühl, nicht mehr so leistungsfähig und attraktiv zu sein. Er muss sich erst ein neues Selbstkonzept erarbeiten, um sich wieder akzeptieren zu können.

Teilen Sie ihm mit, dass Sie wünschen, dass es ihm gut geht, aber nicht wissen, wie Sie ihn dabei unterstützen können.

5. Lassen Sie Ihrem Partner Zeit, sich mit den körperlichen und seelischen Veränderungen zu arrangieren.

Er wurde vermutlich im Gegensatz zu Ihnen bisher viel weniger mit Veränderungen konfrontiert. Frauen müssen sich durch die monatliche Blutung und auch eine Schwangerschaft viel stärker mit ihrem Körper auseinandersetzen.

6. Ermuntern Sie Ihren Partner, sich mit seinen Freunden zu treffen und auszutauschen.

Manchmal fällt es Männern leichter, sich mit Männern in ähnlicher Lage auszusprechen.

7. Bestärken Sie Ihren Partner immer wieder darin, was er schon geleistet hat.

So können Sie seinen Blickwinkel von seinen „Mängeln“ auf seine Erfolge lenken und sein Selbstwertgefühl stärken.

8. Machen Sie Ihrem Partner Komplimente zu seinem Aussehen.

Natürlich müssen diese ehrlich gemeint sein. Sie können aber ganz sicher einige Aspekte an ihm entdecken, die Sie lieben und attraktiv finden.

9. Betonen Sie beim Sex den Spaß statt den Leistungsaspekt.

Wenn Ihr Partner sich aus Angst vor dem Versagen ganz von Ihnen zurückgezogen hat, können Sie ihm auch vorschlagen, einfach nur zu kuscheln und keinen Sex zu haben. Mehr darüber in dem Beitrag über Sexblockaden.

10. Entwickeln Sie mit Ihrem Partner neue Rituale.

Suchen sie nach gemeinsamen Aktivitäten, die ihnen Spaß machen und sie auch entspannen.

11. Bitten Sie Ihren Partner, sich psychotherapeutische Unterstützung zu holen, wenn er unter starken Ängsten oder Depressionen leidet.

Dann sind Sie wahrscheinlich selbst überfordert. Außerdem nimmt Ihr Partner die Hilfe von einem Experten vielleicht leichter an.

Was Mann tun kann, um als Paar besser durch die Wechseljahre zu kommen.

Als Mann stehen in den Wechseljahren zwei „Projekte“ für Sie an: Sie müssen sich selbst mit den Veränderungen arrangieren, um wieder Zufriedenheit zu verspüren. Dies können Sie ganz für sich alleine tun oder Ihre Partnerin oder einen anderen Berater mit ins Boot holen.

Wenn Sie für sich selbst eine neue Einstellung und Rolle gefunden haben, dann müssen Sie mit Ihrer Partnerin zusammen ausloten, ob und wie Ihre Vorstellungen mit denen Ihrer Partnerin zusammenpassen. Sie müssen eine neue Basis des Zusammenlebens finden.

Hier einige Vorschläge, was Sie für sich und Ihre Partnerschaft tun können:

1. Informieren Sie sich darüber, welche Veränderungen Männer in den Wechseljahren erleben können.

So können Sie Ihre Beschwerden leichter verstehen und richtig einordnen. Sie können auch erkennen, dass es Ihnen nicht alleine so geht.

2. Sprechen Sie mit einem guten Freund über Ihre Sorgen und Gefühle.

Sie können dabei die Entdeckung machen, dass es Sie erleichtert, darüber zu sprechen. Möglicherweise steht er gerade an einem ähnlichen Punkt wie Sie.

3. Akzeptieren Sie, dass Ihr Körper sich mit dem Älterwerden verändert.

Es gehört dazu, dass die Leistungsfähigkeit und die Körperkonturen sich verändern.

Überlegen Sie, wie Sie Ihren Körper unterstützen können - beispielsweise durch Bewegung und gesunde Ernährung. Vergleichbar mit einem Oldtimer benötigt Ihr Körper nun mehr Pflege und Wartung, um seine Dienste gut verrichten zu können.

4. Gönnen Sie sich mehr Ruhephasen.

Sie haben es verdient, es geruhsamer angehen zu lassen. Leisten Sie sich diesen Luxus, statt mit den Jungen mithalten zu wollen und Erfolgsdruck auf sich auszuüben.

5. Stärken Sie Ihr Selbstwertgefühl.

Sie sind wertvoll und wichtig, unabhängig davon, ob Sie Leistung zeigen und Erfolge verbuchen oder nicht.

Davon abgesehen gibt es bestimmt auch Erfolge aus der Vergangenheit, auf die Sie stolz zurückschauen können. Rufen Sie sich diese immer wieder in Erinnerung.

6. Suchen Sie ganz gezielt nach den Vorteilen, die sich durch die Veränderungen der Wechseljahre für Sie ergeben.

Welche neuen Freiheiten tun sich für Sie auf?

7. Geben Sie alte Ziele auf und wählen sich neue Ziele.

Nutzen Sie ganz bewusst diese Zeit, um Bilanz zu ziehen:

Welche Ihrer bisherigen Ziele haben Sie verwirklicht? Beruflich, familiär und für Sie selbst (Gesundheit, Weiterentwicklung, ...)?

Von welchen Zielen möchten Sie Abschied nehmen?

Welche neuen Ziele möchten Sie sich vornehmen?

Welchen neuen Interessen und Aktivitäten könnten Sie nachgehen?

Wodurch könnten Sie sich jetzt Zufriedenheit und Wohlbefinden verschaffen?

8. Sprechen Sie mit Ihrer Partnerin.

Am besten wäre es, wenn Sie darüber sprechen können, worunter Sie leiden und was Sie bewegt.

Wenn Sie sich schwer damit tun, dann wäre es schon ein guter Schritt, ihr zu sagen, dass Sie im Augenblick mit sich selbst zu tun hätten, aber nicht darüber reden wollen.

So können Sie vermeiden, dass Ihre Partnerin an sich zweifelt und sich für Ihre Probleme verantwortlich fühlt.

9. Betonen Sie beim Sex den Spaß statt den Leistungsaspekt.

Gewinnen Sie Ihre Freude am Sex zurück. Sex muss nicht im „Endsieg“ enden und beginnt bereits mit der ersten körperlichen Berührung.

Überlassen Sie Ihrem Körper die Regie. Lassen Sie es auf sich zukommen, ob heute der Tag für einen Orgasmus ist. Ihrer Partnerin können Sie auch per Hand oder Mund etwas Gutes tun.

10. Entwickeln Sie mit Ihrer Partnerin zusammen neue Rituale.

Suchen sie nach gemeinsamen Aktivitäten, die ihnen Spaß machen und bei denen sie sich wohlfühlen.

Holen sich psychotherapeutische Hilfe, wenn Sie unter schweren Ängsten oder Depressionen leiden. Sie können auch Kontakt zu einem Urologen aufnehmen, um mögliche Erektionsprobleme abklären zu lassen.

Sie können entscheiden, die Wechseljahre als Belastung und Abschied oder als Neufang und Chance zu sehen.

Sie können für Sie der Beginn einer neuen Ära sein, in der Sie mehr nach Ihren Vorstellungen leben bzw. sich mehr Zeit für Ihre Partnerin nehmen.


Dr. Doris Wolf
Dr. Doris Wolf

Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Schon immer hatte ich ein offenes Ohr für die Sorgen anderer. Deshalb war es mein Herzenswunsch, als Psychotherapeutin zu arbeiten.

Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich im Nordic Walking, dem Jin Shin Jyutsu, in täglicher Meditation und der Kuchenbäckerei.


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