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von Dr. Doris Wolf, Psychotherapeutin
"Da komm ich nicht mehr mit", "Ich bin schon zu alt", "Das ist nichts mehr für mich" - haben Sie sich auch schon bei solchen Bemerkungen ertappt? Dann sind Sie gefährdet, sich gehörig in Ihren Entwicklungsmöglichkeiten zu begrenzen. Sie entscheiden quasi schon im vorab, wo Ihre Leistungsgrenzen sind - ohne die Probe aufs Exempel zu machen. Neugierde und Interesse - das sind Eigenschaften, die insbesondere Kinder, aber auch Menschen auszeichnet, die auch im Alter noch sehr aktiv und flexibel sind.
Wissenschaftler gehen davon aus, dass uns das Bedürfnis nach Neuem und Aufsuchen von Neuem angeboren ist. Sowohl Tiere als auch Menschen sind neugierig. Während bei den meisten Tierarten das Neugierverhalten mit der Geschlechtsreife erlischt, kann es bei den Menschen ein Leben lang bestehen bleiben. Neben dem Bedürfnis nach Abwechslung haben alle Menschen aber auch ein Bedürfnis nach Sicherheit, Gewohnheit und Vertrautem.
Beide Bedürfnisse sind oftmals im Widerstreit. Vielleicht ist es Ihnen auch schon mal so gegangen, dass Sie im friedlichsten Beisammensein einen Streit vom Zaun gebrochen haben. Bei meinen Klienten habe ich oft beobachtet, dass sie, nachdem sie alle ihre Wünsche erfüllt hatten (Partner, Kinder und Haus) plötzlich begannen, sich unwohl zu fühlen. Sie wollten aus der Idylle ausbrechen. Dahinter steckt das Bedürfnis nach Abwechslung.
Menschen mit einem starken Bedürfnis nach Sicherheit
Menschen mit einem starken Bedürfnis nach Ungewissheit und Abwechslung
Jeder Mensch hat zwar beide Bedürfnisse in sich, jedoch unterscheiden wir uns darin, wie viel Sicherheit bzw. Abwechslung wir benötigen. Wir können uns nicht grundsätzlich umkrempeln, jedoch können wir uns vornehmen, ein wenig risikofreudiger oder stetiger zu sein.
Das ist im Grunde genommen nicht die Frage. Wir selbst können bestimmen, wie wir unseren Alltag gestalten, was uns wichtig und unwichtig ist. Wir dürfen uns ausruhen und in unseren gewohnten Bahnen laufen, unseren Ritualen folgen, wann immer wir es wollen.
Doch ist eines sicher: Wenn wir uns von neuen Entwicklungen abschotten und nur nach unseren alten Regeln und Gewohnheiten leben, dann verlieren wir ein Stück Flexibilität. Unser Gehirn muß ebenso wie unsere Muskeln und Organe trainiert werden, um nicht nachzulassen. Geben wir ihm keine neuen Informationen zur Verarbeitung, wird unsere Fähigkeit, uns auf neue Situationen einzustellen, verkümmern.
Natürlich bedeutet dies nicht, dass wir uns überfordern sollten. Ein gewisses Maß an kritischen Gedanken "Tut dir das körperlich und seelisch gut? Könnte dir dabei etwas passieren?" sind durchaus sinnvoll.
1. Suchen Sie jeden Tag nach einer neuen Erfahrung. Essen Sie mal eine tropische Frucht, die Sie noch nicht kennen. Gehen Sie in ein indisches oder indonesisches Lokal. Kaufen Sie sich eine Zeitung aus einem Bereich, der Ihnen vollkommen fremd ist.
2. Holen Sie sich Informationen zu einer technischen Errungenschaft (Computer, Telefon, neu entwickeltes Küchengerät) oder lassen sich beraten. Fragen Sie Ihre Kinder oder Enkelkinder über Nintendo, Tamagotchi-Spiele etc. aus oder, noch besser, probieren Sie sie selbst einmal aus.
3. Lesen Sie die neuen Romane und Krimis der Bestsellerliste. Sie können diese aus der Bibliothek ausleihen oder auch kaufen.
4. Pflegen Sie den Kontakt zu jüngeren Menschen. Lernen Sie deren Vokabular und informieren Sie sich über deren Musikvorlieben - auch wenn diese Ihrem Geschmack nicht gleichen.
5. Hüten Sie sich vor Sätzen wie "Ich bin zu alt dazu". "Das versteh ich ohnehin nicht mehr", "Das ist nichts mehr für mich". Fügen Sie zumindest noch eine kritische Frage an: Woher weiß ich das? Habe ich es schon ausprobiert?
Geben Sie nicht freiwillig Revier auf, indem Sie sich vorverurteilen und frank und frei behaupten, es nicht zu verstehen. Es mag sein, dass Sie länger benötigen, weil Sie nicht damit aufgewachsen sind, aber das heißt noch lange nicht, dass Sie es nicht erfassen können. Zu vielen Tätigkeiten gehört einfach nur Training und Geduld.
6. Lernen Sie wieder, ein wenig wie die kleinen Kinder vorzugehen, die die Einstellung besitzen: Ich möchte es auch wissen. Ich möchte es auch haben.
Ich wünsche Ihnen den Mut und die Lebendigkeit, immer einmal wieder Dinge auszuprobieren, die aus Ihrem gewohnten Rahmen fallen.
© 2003-2011 Dr. Doris Wolf & Dr. Rolf Merkle - Interesse und Neugierde - Neugierig sein hält jung
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