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Das ABC der Gefühle

Hier finden ein Beispiel für ein ABC der Gefühle meiner Klientin Frau Schmitt

Frau Schmitt: "Als ich zum ersten Mal in die Therapie kam, war ich sehr aufgeregt, aber gleichzeitig auch froh, mich mal aussprechen zu können. Seit einiger Zeit konnte ich nachts kaum mehr schlafen. Tagsüber fühlte ich mich wie gerädert und schaffte es kaum, meinen Haushalt zu erledigen. Ich hatte schon alles Mögliche probiert. ich hatte Schlaftabletten zum Einschlafen genommen, sie aber wieder abgesetzt, weil ich Angst hatte, abhängig zu werden. Mir war einfach alles zu viel. mein Mann war tagsüber im Geschäft. Abends war er zu müde, um sich noch mit mir zu unterhalten, oder aber er schnauzte mich an, weil ich dieses oder jenes nicht erledigt hatte.

Ich hatte mir schon immer alles sehr zu Herzen genommen und hatte niemanden, mit dem ich mich mal hätte aussprechen können. In der Therapie wusste ich deshalb gar nicht, wo ich mit dem Erzählen anfangen und aufhören sollte. Da fragte mich mein Therapeut, ob ich nicht eine Situation schildern könnte, wo es mir besonders schlecht gegangen ist. Ich erinnerte mich an eine Szene vor ein paar Tagen, die mit meinem Mann zu tun hatte. Folgendes war passiert:
Ich war mit meinem Mann auf der Fahrt von einer Party nach Hause und mein Mann fuhr mich an: "Heute Abend hast du dich mal wieder unmöglich benommen. Ich muss mich ja schämen für dich."

Meine Reaktion können Sie sich ja vorstellen. Ich war völlig fertig und deprimiert. Ich fing zu weinen an und redete die ganze Fahrt über nicht mehr mit meinem Mann. Als ich mit meiner Schilderung fertig war, bat mich mein Therapeut, das Ganze in das ABC-Schema der Gefühle, das er mir kurz zuvor erklärt hatte, zu bringen.

Am leichtesten fiel es mir, meine Gefühle und meine Handlung bei C einzuordnen.

C meine Gefühle und meine Handlung waren:
Ich fühlte mich minderwertig und deprimiert, weinte und sagte auf der ganzen Fahrt nichts mehr.

Auch das Ereignis konnte ich finden:

A Ereignis
Ich fahre mit meinem Mann von einer Party nach Hause. Mein Mann fährt mich an: "Heute Abend hast du dich mal wieder unmöglich benommen. Ich muss mich ja schämen für dich."

Aber als er mich fragte, was mir während des Vorfalls durch den Kopf gegangen ist, wusste ich nicht, was ich sagen sollte. Ich glaubte, dass mir gar nichts durch den Kopf gegangen ist. Ja, ich war so fest davon überzeugt, dass mein Mann an meinen depressiven Gefühlen schuld war, dass ich meinen Therapeuten fragte, ob er sich nicht auch schlecht fühlen würde, wenn sein Partner so etwas zu ihm sagen würde. ich konnte mir einfach nicht vorstellen, dass jemand, dem das Gleiche passiert, sich besser oder anders fühlen wurde als ich.

Mein Therapeut fragte mich nach ähnlichen Situationen, die ich früher erlebt hatte, und es zeigte sich, dass ich nicht immer so empfindlich reagiert hatte wie in letzter Zeit. Außerdem fielen mir auch ähnliche Situationen ein, in denen ich erstaunt war, dass andere so ganz anders wie ich reagiert hatten.

Zusammen mit meinem Therapeuten versuchte ich herauszufinden, was ich in letzter Zeit anders machte, und wir kamen darauf, dass ich mir starke negative Gedanken machte. Ich erkannte, dass ich mich ohne diese negativen Gedanken nie so schlecht fühlen würde. Als ich mir jetzt das Ereignis nach der Party nochmals vor Augen führte, kamen mir folgende zwei Gedanken in den Sinn:

1. Nie kann ich es ihm recht machen.
2. Ich mache immer alles verkehrt.

Mein vollständiges ABC sah also so aus:

A Ereignis
Ich fahre mit meinem Mann von einer Party nach Hause. Mein Mann fährt mich an: "Heute Abend hast du dich mal wieder unmöglich benommen. Ich muss mich ja schämen für dich."

B meine Gedanken
1. Nie kann ich es ihm recht machen.
2. Ich mache immer alles verkehrt.

C meine Gefühle und meine Handlungen
Ich fühle mich minderwertig und deprimiert, ich weine und sage auf der ganzen Fahrt nichts mehr.

Heute weiß ich, dass meine depressive Reaktion ganz verständlich war. Jeder, der so negativ über sich denkt, wird sich zwangsläufig so depressiv fühlen wie ich. Wie mir mein Therapeut dann weiter erklärte, könne ich mich nur besser fühlen und anders in einer solchen Situation reagieren, wenn ich meine Sicht der Dinge, also meine Gedanken ändern würde.

© 2003-2010 Dr. Doris Wolf & Dr. Rolf Merkle - Gedanken, wie sie unsere Gefühle beeinflussen
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