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Alles-oder-Nichts-Denken - Schwarz-Weiß-Denken

© Autor: Dr. Rolf Merkle Psychotherapeut

Ihr Kritiker liebt es über alles, in Extremen zu denken. Für ihn ist etwas entweder gut oder schlecht, schön oder häßlich, wertvoll oder wertlos, schwarz oder weiß.

Er kennt das Wort Mittelmaß oder Durchschnitt nicht. Für ihn besteht die Welt nur aus Extremen ohne jegliche Grautöne oder Farben.

Für ihn sind Sie entweder ein Heiliger oder der Satan in Person, entweder ein Versager oder ein Sieger, ein Held oder eine Memme.

In seinen Augen haben Sie entweder einen athletischen Körperbau oder sehen wie ein Pudding aus, sehen entweder jugendlich oder uralt aus, sind Sie entweder modisch gekleidet oder total altmodisch.

Ihr Kritiker kennt also nur gut und böse, und er beurteilt Ihr Verhalten nur in diesen beiden Extremen.

Für ihn gibt es kein lauwarmes Wasser, nur kaltes und heißes Wasser; keinen zweiten oder dritten Platz, nur einen ersten und letzten Platz.

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Wenn Sie eine falsche Entscheidung treffen, dann bezeichnet er Sie als Versager ohne Rücksicht darauf, wieviele richtige Entscheidungen Sie in der Vergangenheit getroffen haben.

Er will Ihnen weismachen, daß es nur einen richtigen Weg gibt, eine Sache anzupacken und zu erledigen. Wählen Sie einen anderen Weg, dann kann dieser nur falsch sein.

Er redet Ihnen ein: "Entweder du bestehst die Prüfung oder deine Zukunft ist ruiniert”, "Entweder du bekommst diesen Job oder du bekommst nie mehr einen”, "Wenn du dieses Mal versagst, dann wirst du es nie zu etwas bringen”, "Du hast nur diese eine Chance. Wenn du sie nicht nutzt, dann kannst du dich gleich begraben lassen”, "Du hast nur einen Anlauf. Wenn du die Sache verpatzt, dann wirst du nie mehr eine solche Chance bekommen”.

Er will Ihnen also suggerieren, daß es um Alles oder Nichts, um Leben und Tod geht.

Da wir Menschen nicht perfekt sind und Fehler machen, hat unser Kritiker viele Gelegenheiten, uns als Versager hinzustellen.

Andererseits versetzt uns unser Kritiker durch seine Schwarz-Weiß-Malerei in große Angst. Er läßt ein Panikorchester aufspielen, das Ihnen in den schrillsten Tönen die Katastrophe ausmalt, in die Sie geraten, wenn Sie versagen.

Wenn wir ihm glauben, daß es nur einen richtigen Weg gibt, eine Sache anzupacken, oder daß wir nur einen Versuch haben, daß es also um Alles oder Nichts geht, dann geraten wir in große Bedrängnis, da wir wissen, daß wir nicht unfehlbar sind.

Je größer unsere Angst jedoch ist, auf der Verliererseite zu stehen, umso wahrscheinlicher ist es, daß wir versagen.

Aus lauter Angst, das Falsche zu tun oder zu versagen, sind wir so nervös und unkonzentriert, daß wir erst recht einen Fehler machen.

Das Alles-oder-Nichts-Denken unseres Kritikers ist ein guter Trick, um in uns kein gutes Selbstwertgefühl aufkommen zu lassen und uns ständig in der Angst leben zu lassen, daß wir morgen auf der Verliererseite des Lebens stehen könnten und dann keine Chance mehr hätten, auf die Gewinnerseite zu gelangen.

Diese Art des negativen Denkens läßt sich sehr schön an einem Beispiel verdeutlichen, das der amerikanische Psychologe Tom Miller das 100 Cent-Spiel nennt.

In diesem Spiel sind Sie nur dann ein wertvoller Mensch, wenn Sie stets 100 Cent bei sich tragen. Sobald Sie auch nur einen Cent weniger in der Tasche haben, sind Sie ein minderwertiger und wertloser Mensch. Was ist die Folge davon?

Sie versuchen krampfhaft, immer 100 Cent bei sich zu tragen, und tun alles, daß Ihnen das gelingt. Selbst aber wenn Sie die 100 Cent haben, kommen Sie nicht zur Ruhe. Sie müssen nämlich befürchten, daß Sie sie verlieren. Sie leben ständig in der Angst, eines Tages einen Cent zu verlieren.

Sie haben also keine Chance, ruhig und in Frieden leben zu können. Haben Sie weniger als 100 Cent in der Tasche, dann fühlen Sie sich minderwertig und leben in der Angst, daß sich nie etwas an dieser Situation ändert. Haben Sie diese Summe endlich zusammen, dann leben Sie in der Angst, sie wieder verlieren zu können.

Diese 100 Cent stehen für Ihre Ideale und Forderungen, die Sie an sich haben. Wenn etwas nicht perfekt ist, Sie also weniger als 100 Cent in der Tasche haben, dann fühlen Sie sich minderwertig.

Machen Sie Ihre Sache gut, dann müssen Sie befürchten, beim nächsten Mal zu versagen.

Was Sie gegen das Alles-oder-Nichts-Denken tun können

Wenn Sie sich bei der Schwarz-Weiß-Malerei erwischen, dann stellen Sie sich die Frage: "Entspricht das den Tatsachen?”, "Ist das wahr?”

Wenn Sie sich z.B. sagen, daß Sie ein Versager sind, dann fragen Sie sich: "Entspricht das den Tatsachen, daß ich ein Versager bin?”

Wenn Sie ehrlich sind, dann müssen Sie diese Frage mit Nein beantworten. Sie haben vielleicht in dieser einen Sache oder bei mehreren oder gar vielen Dingen versagt, aber deshalb sind Sie kein Versager.

Ein Versager ist nämlich ein Mensch, der sein ganzes Leben lang immer nur bei allem versagt.

Ich habe noch keinen Menschen getroffen, auf den das zutrifft. Außerdem begehen Sie den Fehler, daß Ihr Verhalten mit Ihrer Person gleichzusetzen.

Wie sind nicht dasselbe wie unser Verhalten. Man ist nicht, was man tut. Wenn man sich idiotisch verhält, ist man kein Idiot.

Wenn Sie zu sich ehrlich sind, dann werden Sie feststellen, daß Ihnen gewisse Dinge gelingen und Sie diese erfolgreich meistern. Halten Sie sich das vor Augen.

Sagen Sie sich: "Ich bin nur ein Mensch, der von Zeit zu Zeit einen Fehler macht. Jeder macht mal einen Fehler. Ich werde noch viele Chancen haben, auch wenn ich diese eine Chance verpatzt habe.”

Ersetzen Sie Ihr Alles-oder-Nichts-Denken also durch realistische Gedanken.

Weitere Arten negativen Denkens

Übertriebene Verallgemeinerung

Eingeengte Wahrnehmung

Leugnung des Positiven

Übertreibung von Fehlern

Mit zweierlei Maß messen


Dr. Rolf Merkle
Rolf Merkle (Autor)

Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Ich arbeite seit 35 Jahren mit Begeisterung als Psychotherapeut. In meiner Freizeit koche ich leidenschaftlich gerne, spiele Squash und interessiere mich für Kunst.

Was ich für das Wichtigste im Leben halte? Sein Leben so erfüllt zu leben, wie nur möglich. Denn nur wer mit sich zufrieden ist, kann mit anderen Menschen positive Beziehungen haben.


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