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Was ist eine Führungspersönlichkeit?

© Autorin: Dr. Doris Wolf Psychotherapeutin

Während man früher von Führungskraft sprach, setzt sich heute der Begriff Führungspersönlichkeit durch. Von Menschen, die führen, erwartet man, dass sie ihr Verhalten bewusst reflektieren, sich weiterentwickeln und in der Lage sind, sich in andere Menschen hineinzuversetzen, Rückmeldung zu geben und zu motivieren.

Früher genügten in großen Unternehmen eine langjährige Betriebszugehörigkeit und das männliche Geschlecht, um eine Führungsposition zu erlangen. Der Chef musste sich nicht darum bemühen, Mitarbeiter zu verstehen und zu unterstützen, es genügten seine Anweisungen.

Heute wird von einer Führungspersönlichkeit die Fähigkeit erwartet, flexibel und der Situation angemessen zu reagieren. Die Diskussion darüber, ob Männer oder Frauen besser führen können, ist zumindest theoretisch vom Tisch. Männer und Frauen haben ihre Stärken und ihre Schwächen in unterschiedlichen Qualifikationen.

Eine Führungspersönlichkeit benötigt sowohl logisches, klar und eindeutig strukturiertes Vorgehen, Risiko- und Konfliktbereitschaft (eher männliche Stärken), als auch die Stärken von Frauen wie z.B. Intuition, Einfühlsamkeit, vernetztes Denken, Kooperation und Teamfähigkeit.

In welchen Bereichen benötigen Sie Kompetenzen, um erfolgreich führen zu können?

Drei Bereiche sind für Sie von Bedeutung:
1. Ihre eigene Persönlichkeit
2. soziale und methodische Kompetenzen im Umgang mit anderen
3. fachliche Kompetenzen

1. Ihre eigene Persönlichkeit

Dreh- und Angelpunkt eines erfolgreichen Führungsstils ist die eigene Persönlichkeit. Sie brauchen die innere Überzeugung, führen zu können und zu dürfen. Sie brauchen eine positive Einstellung zur Macht.

Zweifel daran, ob es Ihnen zusteht, zu kritisieren, zu delegieren, Verantwortung abzugeben, Grenzen zu setzen, lähmen Sie in Ihrem Verhalten. Wenn Sie sich abhängig von der Harmonie und der Zuwendung anderer machen, schränkt dies Ihre Handlungsmöglichkeiten ein und schwächt Ihre Führungsqualitäten.

Natasha Josefowitz hat sieben Sozialisationsbarrieren herausgefunden, die Karriere und auch erfolgreiches Führungsverhalten von Frauen erschweren:

a) Autorität
Frauen lernen in ihrer Kindheit, dass Autorität und Status überwiegend den Männern zugeordnet werden. Haben sie Positionen erreicht, in denen sie selbst Autorität sind und Macht ausüben, empfinden sie Skrupel.

Um überzeugend führen zu können, müssen Sie deshalb Ihre blockierende Einstellung verändern und sich deutlich sagen: „Mein Anliegen ist legitim, es ist für die Firma und für die Mitarbeiterin von Vorteil. Deshalb darf ich diese Anweisung geben. Ich gebe sie in einer Form, in die Mitarbeiter sich geachtet fühlen."

b) Bestimmtheit
Von Frauen wird ein einfühlsames Wesen und Nachgiebigkeit erwartet. Gleichzeitig erfordert eine Führungsposition jedoch selbstsicheres Auftreten.

Hieraus ergibt sich eine Zwickmühle. Frauen müssen damit rechnen, als zickig, herrschsüchtig, keine richtige Frau und mit Haaren auf den Zähnen! beschrieben zu werden, wenn sie bestimmt auftreten. Betrachten Sie solche Kommentare deshalb als Hinweis darauf, dass Sie sich aus der Rollenerwartung lösen. Es ist sozusagen ein Kompliment.

c) Verantwortlichkeit
Frauen lernen schon früh, für alles und jedes verantwortlich zu sein und sich für Fehler und Misserfolge schuldig zu fühlen. In der Führungsposition kann diese Fähigkeit dazu führen, dass sie Schwierigkeiten haben, Aufgaben zu delegieren und von anderen Perfektion erwarten.

Stellen Sie sich an diesem Punkt die kritische Frage: „Bin ich wirklich dafür verantwortlich?“ Lassen Sie anderen die Chance, ihren Arbeitsstil zu erproben. Möglicherweise haben diese gleich gute oder sogar bessere Lösungsstrategien.

d) Ansprechbarkeit
Frauen werden dazu erzogen, hellhörig zu sein gegenüber Problemen und persönlichen Angelegenheiten anderer. Dies kann in der Führungsposition dazu führen, dass sie nicht zum Wesentlichen kommen und sich ablenken lassen.

Hier helfen Ihnen die Fragen: „Was ist mir wichtig? Ist die Unterstützung des anderen JETZT unbedingt notwendig? Bin ich die einzige, die weiterhelfen kann?“ und die Einstellung: „Solange der andere nicht in Lebensgefahr ist, kann ich meinen Aufgaben nachgehen.“

e) Zugehörigkeit
Frauen gehen intensivere Freundschaften ein, vertrauen sich mehr private Dinge an und sehen die Solidarität zwischen Frauen als ein wichtiges Ziel. In der Führungsposition kann dies problematisch werden. Mitarbeiterinnen verhalten sich der Chefin gegenüber anders, schließen sie häufig aus. Einsamkeitsgefühle können aufkommen.

Hier hilft Ihnen die Einstellung: „Es ist ganz normal, dass Mitarbeiterinnen sich von mir zurückziehen, mich nicht (mehr) ins Vertrauen ziehen. Das muss nichts mit Ablehnung zu tun haben, sondern mit meiner Position. Ich werde mir Ansprechpartnerinnen auf gleicher Ebene suchen“.

Nehmen Sie Kontakt mit Ihrem Berufsverband auf, initiieren Sie einen Kollegenstammtisch oder werden Sie Mitglied in einer der Vereinigungen berufstätiger Frauen.

e) Zustimmung
Frauen machen sich häufig stark von der Zustimmung und Anerkennung anderer abhängig. Sie trennen nicht zwischen der Leistung und ihrer Person, sondern fühlen sich bei Kritik gleich persönlich abgelehnt und abgewertet.

Hier ist die folgende Einstellung für Sie hilfreich: „Es ist o.k., wenn andere mir ihre Meinung sagen. Ich frage nach, was sie genau damit meinen. Dann prüfe ich, ob sie für mich von Bedeutung ist und mir weiterhilft. Ihre Meinung sagt nichts über meine Person aus. Sie ist rein subjektiv und bezieht sich nur auf einen Teilaspekt meiner Person.“

f) Freundlichkeit
Um erfolgreich führen zu können und als Führungspersönlichkeit bei den Mitarbeitern anerkannt zu werden, müssen Frauen lernen, nicht immer nett und freundlich zu sein. Klar, man will im Team beliebt und anerkannt sein, aber das darf nicht die oberste Priorität sein.

Schließlich ist man als Vorgesetzer den Interessen des Unternehmens verpflichtet und muss Entscheidungen treffen und Standpunkte vertreten, die bei den Mitarbeitern erst mal unbeliebt sind.

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2. Soziale und methodische Kompetenzen

Ihre soziale Kompetenz wird stark beeinflusst von Ihrem Selbstwertgefühl. Sie können Ihre Mitarbeiter leichter kritisieren, auf Ihrer Meinung bestehen, Fehler zugeben, Verantwortung abgeben, wenn Sie Selbstvertrauen besitzen. Zu den sozialen Kompetenzen zählen auch Strategien, wie Sie mit Problemen und Konflikten umgehen.

In den Bereich der methodischen Kompetenzen fallen die Fähigkeiten, Zielvorgaben zu machen, Prioritäten zu setzen, Aufgaben zu delegieren, Teambesprechungen zu leiten und Zeitpläne zu erstellen.

Bitte erwarten Sie nicht von sich, diese Fähigkeiten automatisch mit der Position zu erhalten. Beobachten Sie, welche Bereiche Ihnen schwer fallen und welche Strategien Ihnen fehlen. Zahlreiche Weiterbildungsinstitute bieten Seminare hierzu an.

3. Fachliche Kompetenzen

Zu den fachlichen Kompetenzen im engeren Sinn zählen die Kenntnisse, die Ihrem Berufsfeld zuzuordnen sind und die Sie sich in der Aus- und Weiterbildung angeeignet haben.

Hierzu gehören jedoch auch Kenntnisse über den Markt, die wirtschaftliche Entwicklung in Ihrem Arbeitsbereich, über die Aktivitäten der Konkurrenz und die zukünftigen Trends.

Sie benötigen dieses Wissen, um Ihre Mitarbeiter zu motivieren und Visionen zu entwickeln. In der Fachpresse, in Wirtschaftszeitungen und auf Fachmessen können Sie sich diesbezüglich informieren.

Führungsqualifikationen müssen und können Sie erlernen. Dies ist kein Alles-oder-Nichts-Spiel, sondern ein langsamer Prozess, der Fortschritte und Rückschritte beinhaltet.


Dr. Doris Wolf
Dr. Doris Wolf

Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Schon immer hatte ich ein offenes Ohr für die Sorgen anderer. Deshalb war es mein Herzenswunsch, als Psychotherapeutin zu arbeiten.

Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich im Nordic Walking, dem Jin Shin Jyutsu, in täglicher Meditation und der Kuchenbäckerei.


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