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von Dr. Doris Wolf, Psychotherapeutin
Warum tun wir uns so schwer mit dem Alter? Meist hängt das damit zusammen, dass wir ein negatives Bild vom Alter haben und das Alter als eine Bedrohung ansehen: Wir verknüpfen Altsein mit Krankheit, Vergesslichkeit, Schmerzen, Einsamkeit, Gebrechlichkeit oder Pflegebedürftigkeit. Wohl deshalb sagte die Schauspielerin Mae West einst: Altern ist nichts für Feiglinge. Und Vicco von Bülow alias Loriot soll einmal gesagt haben: Altern ist eine Zumutung.
Laut neuerer Untersuchungen spuken schon in den Köpfen von sechsjährigen Kindern negative Phantasien von den bedauernswerten senilen Alten. Bei solch negativen Bildern müssen wir uns natürlich dagegen wehren, alt zu sein. Andererseits können wir trotz aller immer wiederkehrender Pressemeldungen, dass nun endlich ein Mittelchen gegen das Altern gefunden sei, nichts gegen das zunehmende Älterwerden tun.
Wir können jedoch unsere Einstellung zum Älterwerden und zum Alter beeinflussen und damit dem Alter gelassener entgegensehen. Wie heißt es doch: Man ist so alt, wie man sich fühlt. Und wie man sich fühlt, darüber entscheiden unsere Gedanken und Einstellungen.
Statt das Alter als eine Bedrohung anzusehen, können wir es auch als eine Bereicherung und eine Chance ansehen. Die Chancen und Vorteile des Alters fallen uns jedoch nicht in den Schoß. Durch gesundheitsbewusstes Verhalten können/müssen wir etwas dazu beitragen, um den körperlichen und geistigen Verfall hinauszuzögern oder zu verlangsamen. Mehr darüber erfahren Sie in meinem Artikel über eine besondere Art der Altersvorsorge.
Übrigens...
Untersuchungen zufolge sind wir zwischen 58 und 77 Jahren am glücklichsten. Kein Grund also, Angst vorm Alter zu haben. Freuen wir uns auf die glücklichste Zeit in unserem Leben.
Ein Mensch bleibt von einem Tag auf den anderen keinesfalls derselbe. Moleküle, Zellen, Gewebe und Organe erneuern sich ständig. Innerhalb eines Jahres ersetzt unser Organismus 98 Prozent all seiner Atome. Doch im Laufe der Jahre wird unser Organismus träger. Unsere geistige und körperliche maximale Leistungsfähigkeit erreichen wir mit 25 bis 30 Jahren. Danach bauen wir kontinuierlich ab.
Die Leistungsfähigkeit unserer Organe läßt nach. Unser Gehirn verliert ca. 10 Prozent seines Gewichtes, was jedoch nicht zu einer Einschränkung der Gehirnaktivität führen muß! Alte Menschen verlieren nur geringfügig an geistigen Fähigkeiten und diese sind für das intellektuelle Funktionieren bedeutungslos. Untersuchungen haben ergeben, dass ältere Menschen sogar noch große Reserven in den Leistungen aufweisen, die mit dem erworbenem Wissen zusammenhängen.
Trainingsprogramme können beispielsweise Gedächtnisleistungen erheblich steigern. Mit fortschreitendem Alter sinkt auch die Schwelle, oberhalb derer Töne nicht mehr gehört werden können. Zwei Drittel unserer Geschmacksknopsen auf der Zunge und das Aufnahmevolumen der Lunge nehmen ab. Unser Muskelgewebe schwindet und die Fettschicht nimmt zu. Die Knochen werden spröder und die Gelenkknorpel nutzen sich ab. Die Linsen verhärten sich und wir brauchen eine Lesebrille. Falten und Altersflecken machen sich auf der Haut breit. Das Herz pumpt mit zunehmendem Alter weniger Blut durch den Körper. Die Nieren benötigen mehr Zeit, um das Blut zu filtern. Wir benötigen möglicherweise länger, um sexuell erregt zu werden.
In der Altersforschung teilt man heute die "Alten" immer mehr ein in "Junge Alte", die aktiv, engagiert, vielseitig interessiert, körperlich und geistig leistungsfähig sind, und in "alte Alte", die hilfs- und pflegebedürftig und meist jenseits des 75. Lebensjahres sind. Während man 1972 Menschen schon mit 50 Jahren zum alten Eisen zählte, neigt man heute dazu, erst die 70-Jährigen dazuzuzählen. Aber wie bei allem, bestätigen auch hier Ausnahmen die Regel. Es gibt junge Menschen, die bereits still stehen und in ihren Verhaltensweisen uralt sind, und Menschen, die weit über 80 Jahre alt sind und vor Vitalität nur so strotzen.
Man wird nicht alt, weil man eine gewisse Anzahl Jahre gelebt hat. Man wird alt, wenn man seine Ideale aufgibt. Die Jahre zeichnen die Haut - Ideale aufgeben aber zeichnet die Seele. Jung ist, wer noch staunen und sich begeistern kann. Ihr seid so jung wie euer Glaube und eure Hoffnung und so alt wie eure Zweifel und eure Niedergeschlagenheit.
- Mc Arthur -
Deshalb sollten wir uns von unserer eigenen Anzahl von Jahren, die wir auf dem Buckel haben, nicht negativ beeinflussen lassen. Wir sollten denken: "Ich bin 75 Jahre alt, na und". Oder aber: "Ich bin 80 Jahre alt und möchte vom Leben ... haben".
Entscheidend ist nicht die Anzahl der Jahre, sondern das, was wir tun, als Ziel vor Augen haben und wie wir unsere Fähigkeiten einschätzen.
Durch Bemerkungen wie "Du in deinem Alter willst noch ... tun" sollten wir uns nicht erschüttern lassen. Dies ist eher als Kompliment zu verstehen: Wir passen nicht in das gängige Bild vom Alten, wir sind in unserem Herzen jung geblieben.
Wir können ganz bewusst den Alterungsprozess verlangsamen und jünger aussehen - und zwar ohne Frischzellen und Tinkturen. Unsere Einstellung zum Älterwerden ist der Schlüssel hierzu. Wenn wir überzeugt sind, dass wir mit den Jahren zwangsläufig vergesslicher werden, wenn wir das Alter gleichsetzen mit körperlichem Verfall, dann wirkt diese Erwartung quasi wie eine selbsterfüllende Prophezeiung. Unser Lebenszyklus ist jedoch eher durch gesellschaftliche Regeln festgelegt als biologisch. Wir brauchen uns nur neue Regeln und Erwartungen für das Älterwerden zu formulieren, dann werden wir uns anders fühlen und verhalten. Dann werden wir keine Angst vor den zukünftigen Geburtstagen haben und auch mehr dafür tun, um gesund zu bleiben.
Erinnern Sie sich daran, dass viele der körperlichen Veränderungen nicht zwangsläufig durch das Älterwerden entstehen, sondern durch Krankheiten. Wenn Sie die Veränderungen jedoch als zwangsläufig ansehen, werden Sie nichts dagegen unternehmen.
1. Legen Sie sich eine positive Einstellung zu.
Wie wir altern, wie jung oder alt wir uns fühlen und sind, hängt sehr stark von unseren Erwartungen ab. Je mehr Sie mit dem Älterwerden Gebrechlichkeit, Vergesslichkeit, Defizite und nachlassende körperliche Leistungsfähigkeit verbinden, umso wahrscheinlicher werden diese eintreten. Umgekehrt wirkt sich eine positive Erwartungshaltung gegenüber dem Älterwerden positiv auf dieses aus. Dies belegen viele Studien. Suchen Sie sich also positive Vorbilder für das Altern und malen sich immer wieder aus, dass auch Sie im Alter fit und leistungsfähig sind.
2. Halten Sie sich die Vorteile des Älterwerdens vor Augen.
Sie sind weiser, haben mehr Lebenserfahrung und sind nicht mehr so leicht aus der Ruhe zu bringen und zu erschüttern. Äußerlichkeiten sind nicht mehr so wichtig. Sie brauchen nicht mehr so viel Rücksicht auf die Familie zu nehmen, können sich eher erlauben, nach Ihren Vorstellungen zu leben. Sie können sich die Zeit anders oder frei einteilen. Welche Vorteile fallen Ihnen noch ein?
3. Bleiben Sie flexibel.
Probieren Sie regelmäßig etwas Neues aus. Suchen Sie nach neuen Interessen, pflegen Sie den Kontakt zu unbekannten Menschen, fahren Sie an einen anderen Urlaubsort, gehen Sie mit der Technik und kaufen sich den neuesten Computer. Das ist vielleicht anstrengender als in den gewohnten Bahnen zu leben, hält aber geistig und körperlich fit.
4. Trainieren Sie Ihr Gedächtnis.
Ihr Gehirn kommt wie ein Muskel außer Training, wenn Sie es nicht fordern. In den Volkshochschulen gibt es Gedächtnistrainingskurse, in der Buchhandlung finden Sie Bücher zum Gehirnjogging.
5. Halten Sie sich körperlich fit.
Viele der oben aufgeführten körperlichen Veränderungen können Sie ganz bewusst durch Ihr Verhalten beeinflussen. 3 Stunden Ausdauertraining pro Woche genügen, damit bei einem 70-jährigen Herz, Kreislauf, Atmung und Stoffwechsel ebenso leistungsfähig sind wie bei einem (untrainierten) 40- bis 50-jährigen. Laufen Sie dem Alter davon, indem Sie sich regelmäßig bewegen.
Besser noch: Laut Prof. Hollmann genügen 10 bis 12 Wochen Anstrengung, um einen untrainierten 60-jährigen so leistungsfähig wie einen untrainierten 40-jährigen zu machen. Es ist also nie zu spät. Am besten ist eine Mischung aus Ausdauer- und Krafttraining. Das muss jedoch Spaß machen, denn wenn man widerwillig Sport macht, dann verfehlt der Sport seine positive psychologische Wirkung auf unseren Körper.
6. Nehmen Sie am Leben teil - bleiben oder werden Sie aktiv.
Die meisten der alten und fitten Menschen führen bis zu ihrem Tod ein geschäftiges und aktives Leben. D.h. sie nehmen am Leben teil und schließen sich nicht aus, nur weil sie ein gewisses Alter haben. Wenn Sie nicht aktiv sind, dann leben Sie nicht (mehr). Wie sagte doch A. Carrel:
Es kommt nicht darauf an, dem Leben mehr Jahre zu geben,
sondern den Jahren mehr Leben.
Genau dies ist auch das Thema des Videos Die Kunst zu leben. Schauen Sie rein und lassen sich inspirieren.
7. Bleiben Sie offen für Neues und Unbekanntes
Die Fähigkeit, sich auf Neues einzustellen und keine Angst vor Veränderungen zu haben, kann man trainieren. Voraussetzung: man übt sich darin, immer wieder Neues auszuprobieren und sich auf Gebiete vorzuwagen, die neu für einen sind. Dass einem dabei Fehler passieren, man hinfällt, man sich blamiert, man sich in den Augen anderer vielleicht sogar lächerlich macht, das kann passieren. Wer jedoch nichts dazulernt, bleibt erst stehen und mit der Zeit baut er ab. Bleiben Sie also offen für das Neue.
Wohl denen, die gelebt, ehe sie starben.
Inschrift auf dem Grabstein der Dichterin Marie Luise Kaschnitz.
8. Achten Sie auf eine gesunde Lebensweise.
Meiden Sie Nikotin, zu häufigen und starken Alkoholgenuss und zu starke und zu lange Sonneneinstrahlung. Die lässt Sie nämlich nach einigen Jahren ganz schön alt aussehen, mal ganz abgesehen davon, dass Sie Hautkrebs bekommen können.
9. Lachen Sie viel und häufig.
Lachen ist eine wertvolle Zutat für das körperliche und seelische Wohlbefinden und das Aussehen. Mehr darüber, warum Lachen gesund ist und viele Witze, die Sie zum Schmunzeln bringen können.
10. Pflegen Sie Ihren Bekannten- und Freundeskreis
In Italien sagt man, ein Abend mit Freunden am Tisch verlängere das Leben um ein Jahr. Wir Menschen sind soziale Wesen. Wir brauchen die Ansprache, das Sich-Austauschen, die Wärme und Nähe anderer Menschen - und das in jedem Alter.
11. Betätigen Sie sich ehrenamtlich.
Eine ehrenamtliche Tätigkeit wirkt lebensverlängernd, stärkt das Selbstwertgefühl und mindert Einsamkeitsgefühle und Depressionen. Wir tun also nicht nur einem anderen etwas Gutes, sondern auch uns selbst.
© 2003-2012 Dr. Doris Wolf & Dr. Rolf Merkle - Probleme von Frauen im Alter
Optimismus - Lebensfreude - Glück - Heilung-Glaube - Positives Denken - Glücksmomente - Sich selbst loben - Lebenskrisen als Chance annehmen