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Bulimie - die Sehnsucht nach Leben

© Autorin: Dr. Doris Wolf Psychotherapeutin

"Wer frisst und kotzt, hat nicht das Leben gefunden, das ihm schmeckt", mit diesen Worten beschrieb eine Bulimie-Betroffene ihre Situation.

Nach Schätzungen leiden über drei Millionen Frauen zwischen 18 und 35 Jahren an der Ess-/Brechsucht, die u.a. durch Prinzessin Diana etwas mehr in den Blick der Öffentlichkeit gerückt wurde.

Was ist eine Bulimie und wie äußert sie sich?

Bulimie, auch Ess-/Brechsucht genannt, ist eine Essstörung. Das Essen ist für Betroffene ein Mittel, um mit Problemen fertig zu werden und Spannungen und unangenehme Gefühle abzubauen.

Wer unter einer Bulimie leidet, zeigt folgende Störungen im Essverhalten:

Leiden Sie unter einer Bulimie? Der Bulimie Test gibt Auskunft.

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Wie entsteht eine Bulimie?

Viele unterschiedliche Ereignisse und Umstände können für das Entstehen der Bulimie verantworlich sein.

1. Die Gesellschaft trägt wesentlich zu der zunehmenden Zahl der Betroffenen bei. Wir brauchen nur eine Frauenzeitschrift aufzuschlagen und schon springen uns schlanke Frauen und Diätvorschläge entgegen.

Gleichzeitig steigt das Angebot und die Vielfalt an Nahrungsmitteln in unserem Lande ins Unermessliche. Im Fernsehen und auf der Leinwand sind erfolgreiche attraktive Frauen meist schlank.

Über 75 Prozent aller Frauen glauben infolgedessen zu dick zu sein und lehnen ihren Körper ab. In Ländern, in denen mollige Frauen akzeptiert und sogar gern gesehen werden, sind Essstörungen fast unbekannt.

2. Die Wertvorstellungen, Maßstäbe und Erwartungen, die in der Familie vermittelt werden, können eine Essstörung ebenfalls mitverursachen. Bulimie-Betroffene kommen in Familien, die aus einer dominanten Mutter, einem sich zurückhaltenden Vater und einem braven Kind bestehen, gehäuft vor.

Bulimie-Betroffene erleben ihre Familien als deutlich verschlossener als Personen ohne Essstörung. Es ist dort nicht üblich, über Gefühle zu reden, Kritik zu äußern oder Ärger auszudrücken.

Streit und Nörgeleien sind häufig. Das Zusammengehörigkeitsgefühl ist gering. Selbständigkeit wird nicht gefördert, gleichzeitig haben Leistung und Erfolg einen hohen Stellenwert.

3. Auch die persönlichen Einstellungen zu sich und dem Leben und persönliche Eigenschaften können die Entstehung einer Bulimie mitverursachen:

Folgen des gestörten Essverhaltens

Eine Bulimie beginnt gewöhnlich im Alter von 17 - 20 Jahren. Sie bewirkt sehr viele unterschiedliche körperliche Veränderungen. Beispielsweise:

Wie sieht die Behandlung einer Bulimie aus?

Nur selten finden Betroffene alleine den Weg aus der Sucht. Sobald sie sich dafür entschieden haben, ihr "Geheimnis" der Bulimie zu offenbaren, und ihre Sucht überwinden wollen, sollte der erste Weg zum Arzt führen, um dauerhafte körperliche Schäden zu verhindern.

Therapeutische Unterstützung bieten ambulante Einzel- oder Gruppenpsychotherapie oder eine Behandlung in einer psychosomatischen Klinik. Der Besuch einer Selbsthilfegruppe kann zusätzlich motivierend und stützend wirken.

Im Unterschied zu anderen Suchterkrankungen (z.B. Alkohol- und Nikotinabhängigkeit) ist es bei einer Bulimie nicht möglich, auf das Suchtmittel, in diesem Fall das Essen, zu verzichten und trotzdem weiterzuleben. Aus diesem Grund ist es für Betroffene notwendig, den Umgang mit dem Essen neu zu erlernen.

Da Betroffene das Essen einsetzen, um Gefühle zu unterdrücken, müssen sie lernen, ihre Gefühle, insbesondere Wut, Langeweile, Einsamkeit und Traurigkeit, wahrzunehmen und angemessen auszudrücken.

Darüber hinaus müssen sie lernen, zu ihrem Körper ein liebevolles Verhältnis zu entwickeln und ihn durch angemessene Ernährung und Bewegung zu unterstützen.

Neues Selbstvertrauen und Problemlösestrategien müssen aufgebaut werden, um nicht mehr auf die alte Problemlösestrategie Essen zurückgreifen zu müssen. Es gibt wirksame therapeutische Strategien für Betroffene, um wieder ein gesundes Essverhalten aufzubauen.  

Weitere Hilfen für Betroffene

Therapienetz Essstörungen

ANAD-Beratungsstellen

Bulimie - Eine Betroffene berichtet über ihre Bulimie und den Weg aus der Sucht

Bulimie und Partnerschaft

Betroffener Anja, eine Betroffene berichtet:
Ich habe einen neuen Freund, mit dem ich sehr glücklich bin. Mit ihm kann ich mir gut vorstellen, in einer Partnerschaft zu leben und alt zu werden. Bisher habe ich vor ihm verbergen können, dass ich unter einer Bulimie leide. Ich habe Angst, dass er mich verlassen wird, wenn er davon erfährt. Allerdings weiß ich auch, dass ich auf Dauer nicht mit der Unwahrheit leben kann. Was soll ich tun?

Psychotherapeutin Dr. Doris Wolf Ich habe ihr geantwortet:
Ich kann mir gut vorstellen, wie sehr Sie sich im Augenblick quälen. Sie sehen sich in einer Falle, wollen Ihren Partner nicht verlieren, aber gleichzeitig auch ehrlich zu ihm sein. Im Grunde genommen besteht der Konflikt erst einmal nur in Ihnen. Sie lehnen sich selbst wegen Ihrer Erkrankung ab und projezieren, dass Ihr Freund es ebenfalls tun würde. Sie befürchten, dass Ihr Partner Sie verlassen würde, wenn er von Ihrer Bulimie erfährt. Ob es wirklich so kommen würde, wissen Sie nicht.

Beginnen Sie deshalb erst einmal bei sich selbst. Lernen Sie, sich mit der Bulimie zu akzeptieren. Es gibt viel mehr, was es über Sie zu sagen gibt, als dass Sie eine Bulimie haben. Sie haben Ihrem Freund viel zu geben, sonst wären sie nicht zusammen.

Entscheiden Sie sich dafür, falls Sie es bisher noch nicht getan haben, daran zu arbeiten, Ihre Bulimie zu überwinden. Ihre Bulimie ist Ihr Versuch, bestimmte Probleme in den Griff zu bekommen.

Erlernen Sie andere hilfreiche Wege. Sie müssen riskieren, mit Ihrem Partner über Ihre Essstörung zu sprechen. Sie gehört im Augenblick zu Ihnen, muss es jedoch nicht auf Dauer.

Wenn Ihr Partner Sie wirklich liebt, wird er Sie auf dem Weg aus der Erkrankung unterstützen. Ihm wird dies umso leichter fallen, je konkreter Sie ihm sagen können, wie er Ihnen hierbei helfen kann. Sollte er sich überfordert und außer Stande dazu fühlen, Sie mit der Essstörung lieben zu können, dann ist er leider nicht der Partner, der Ihnen in Ihrer Situation gut tut.


Dr. Doris Wolf
Dr. Doris Wolf

Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Schon immer hatte ich ein offenes Ohr für die Sorgen anderer. Deshalb war es mein Herzenswunsch, als Psychotherapeutin zu arbeiten.

Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich im Nordic Walking, dem Jin Shin Jyutsu, in täglicher Meditation und der Kuchenbäckerei.


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