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Opferrolle aufgeben

mann befreit sich aus Falle

Befinden Sie sich manchmal in der Opferfalle, haben das Gefühl, Opfer der Umstände oder anderer Menschen zu sein?

Tipps wie Sie sich aus der Opferrolle befreien. Ein Appell an Ihr Verantwortungsbewusstsein! Bild © fotoweitblick - Fotolia.com

© Autorin: Dr. Doris Wolf Psychotherapeutin

Es widerfahren uns im Laufe des Lebens viele widrige Ereignisse. 

Wir verlieren Menschen durch Trennung und Tod, wir erkranken schwer, haben unverschuldet einen Unfall, von dem körperliche Schäden zurückbleiben, wir werden durch eine Betriebsschließung arbeitslos, wir werden zum Opfer eines Stalkers oder zum Opfer eines Mobbers, usw.

In solchen Momenten fühlen wir uns leicht ohnmächtig und als Opfer.

Wir bemitleiden uns, ärgern uns maßlos über das widerfahrene Unrecht, hadern mit dem Schicksal, sind vielleicht deprimiert und glauben, die Welt und das Schicksal seien ungerecht.

Wir leiden, sind ratlos und fühlen uns ausgeliefert, ohnmächtig und hilflos.

Wie stark wir unter den Widrigkeiten und Ereignissen leiden und wie schnell wir uns aus der Opferrolle befreien können, hängt von uns und unseren Einstellungen zu den Ereignissen ab.

Verhaltensweisen, die Sie in die Opferrolle bringen

Dass wir zum Opfer von Angriffen, Verletzungen, Enttäuschungen und Schmerzen werden, können wir nicht verhindern.

Sehr wohl aber haben wir einen Einfluss darauf, wie wir auf die Angriffe, Verletzungen, Enttäuschungen und Schmerzen reagieren und wie sehr wir unter diesen leiden.

Ich weiß nicht mehr, von wem folgendes Zitat stammt, aber es trifft den Nagel auf den Kopf: Schmerz ist unvermeidlich, Leiden ist freiwillig.

Vielleicht klingt es zynisch für Sie, dass Ihr Leiden freiwillig sein soll. Sie würden lieber heute als morgen aufhören, zu leiden, glauben aber, dass dies angesichts des seelischen oder körperlichen Schmerzes, der Ihnen widerfahren ist, unmöglich ist.

Sie leiden, weil Sie denken, die anderen oder das Schicksal seien schuld an Ihrem Leid und Ihren Problemen.

Wenn wir anderen jedoch die Schuld geben, dann geben wir ihnen Macht über uns und unser Leben.

Wir entmachten uns dadurch - und machen uns so zum Opfer.

Mit der Einstellung, bei bestimmten Anlässen und Ereignissen zwangsläufig leiden zu müssen, begeben Sie sich in die Opferrolle.

Wieso müssen Sie sich (tagelang) ärgern, wenn Dinge schief laufen oder kaputtgehen?

Wieso müssen Sie sich sich (tagelang) verletzt und gekränkt fühlen, wenn Ihr Partner Giftpfeile auf Sie abgeschossen hat und sich dann auch noch über sich selbst ärgern, dass Sie die Worte anderer zu Herzen nehmen?

Wieso müssen Sie deprimiert und verzweifelt sein, wenn Ihnen jemand übel mitspielt?

Wieso muss Ihr Tag total vermiest sein, nur weil jemand zu Ihnen eine dumme Bemerkung gemacht hat? Wieso müssen Sie Ihr ganzes Leben unter der Erziehung Ihrer Eltern leiden?

Sie müssen es nicht. Sie müssen nur leiden, wenn Sie den Menschen und dem Schicksal Macht über sich geben, indem Sie sich in eine Opferrolle begeben.

Ich weiß, das klingt hart und wenig mitfühlend. Es ist aber die Realität.

Sie selbst fügen sich sehr viel Leid zu, indem Sie sich als Opfer sehen, das keine Wahl hat, über sein Leben und seine Gefühle zu bestimmen.

Ein unbeschwertes und leichtes Leben macht nicht glücklich. Viel wichtiger ist, dass wir mit unerfreulichen Ereignissen und Problemen umgehen können.

Wenn Menschen Unerfreuliches erleben, dann entscheidet ihre Einstellung dazu, ob und wie stark sie leiden.

Unglücklich und deprimiert ist derjenige, der sich als Opfer der Umstände oder des Schicksals ansieht und glaubt, seine schlechten Karten seien für sein Unglück verantwortlich.

Zufrieden ist derjenige, der glaubt, sein Schicksal selbst in die Hand nehmen zu können und trotz widriger Umstände seines Glückes Schmied zu sein.

Glücklich und zufrieden sein heißt nicht, keine unerfreulichen und schmerzvollen Erfahrungen zu machen!

Sich trotz widriger Umstände gut zu fühlen heißt vielmehr, überzeugt zu sein, über die Kraft zu verfügen, das ändern und beeinflussen zu können, was einem widerfährt, sein Leben in die Hand zu nehmen, das Beste aus dem zu machen, was einem widerfährt.

Niemand kann Ihnen schlechte Gefühle machen, wenn Sie das nicht zulassen.

Ohne Ihre Erlaubnis kann Ihnen niemand das Gefühl geben, minderwertig zu sein!

Ohne Ihre Erlaubnis kann Sie niemand verletzen oder demütigen.

Ohne Ihre Erlaubnis kann niemand Sie traurig oder deprimiert machen.

Ohne Ihre Erlaubnis geht gar nichts.

Sie haben die Macht, schlechte Gefühle abzuwehren oder zu überwinden, wenn Sie aufhören, sich als Opfer anzusehen und die Verantwortung für sich, Ihr Leben und Ihre Gefühle übernehmen.

Wenn Sie sich für schwach halten, dann machen Sie sich zu einem Schwächling, der sich nicht wehren kann und laden andere ein, auf Ihnen herum zu trampeln.

Wenn Sie sich für hilflos halten, dann sind Sie es und machen sich zum Opfer. Wenn Sie sich aufgeben, sind Sie verloren.

Wenn Sie sich für minderwertig halten, dann sind Sie empfindlich wie eine Mimose und fühlen sich leicht und schnell verletzt.

Wenn Sie sich für nicht liebenswert halten, dann fühlen Sie sich ungeliebt.

Wenn Sie sich bemitleiden und bedauern, dann machen Sie sich zum Opfer, indem Sie dem Schicksal oder anderen die Schuld für Ihre Lage geben.

Wenn Sie Ihren Selbstwert von der Zustimmung der anderen abhängig machen, sind Sie immer von der Anerkennung der anderen abhängig und sind in der Opferrolle.

Wenn Sie glauben, von anderen abhängig zu sein, dann machen Sie sich zum Opfer der anderen und sind anfällig für Manipulationen durch Ihre Mitmenschen.

Hat es Vorteile, sich als Opfer zu fühlen?

Ja, sich als Opfer zu fühlen, kann Vorteile haben. Wir können die Hände in den Schoß legen und anderen - den vermeintlichen Tätern - die Schuld für unser Unglücklichsein und unser Leid geben.

Wir bekommen vielleicht auch Zuwendung in Form von Mitleid und Trost. Wir können uns selbst bemitleiden und unsere Wunden lecken, was uns zeitweise gute Gefühle macht.

Wir können uns als gute und moralische Menschen ansehen - im Gegensatz zu den Bösen, die uns all das Leid zufügen.

Und als Opfer hat man schließlich einen Anspruch auf Entschädigung für das erlittene Unrecht.

Die anderen (Menschen, das Schicksal, die Eltern, Gott) schulden uns etwas. Wir können/müssen nichts tun und können uns trotzdem im Recht fühlen.

Diese Vorteile sind jedoch bestenfalls nur Trostpreise, die unser seelisches Leid etwas lindern, aber nicht beseitigen.

Besser wäre es, uns aus der Opferrolle zu befreien. Nur so können wir unsere gegen Angriffe und Verletzungen immun machen, uns Leid ersparen und unser Leben so gestalten, wie wir es möchten.

6 Tipps, wie Sie sich aus der Opferrolle befreien

TIPP 1: Machen Sie sich bewusst, dass Sie sich als Opfer ansehen

Dass wir uns selbst zum Opfer gemacht haben, das ist uns oftmals gar nicht so richtig klar.

Deshalb ist der erste Schritt der, dass wir uns dessen bewusst sind und uns dies eingestehen.

TIPP 2: Hören Sie auf, sich als (hilfloses) Opfer und andere als Täter anzusehen

Wenn Sie glauben, keine Einflussmöglichkeiten zu haben, wenn Sie sich als hilflos ansehen, dann sitzen Sie in der Opferfalle.

Sitzen Sie jedoch tatsächlich in einer Falle, aus der es kein Entrinnen gibt? Sind Sie tatsächlich hilflos?

Sie empfinden vielleicht so, tatsächlich aber haben Sie Einflussmöglichkeiten.

Um diese erkennen und nutzen zu können, machen Sie sich klar: Ich bestimme, wie ich mich fühle und verhalte.

Übernehmen Sie also die Verantwortung für Ihre Gefühle, dann haben Sie einen wichtigen Schritt getan, sich aus der Opferrolle zu befreien.

Sie können Ihre Lebensqualität nur verbessern, wenn Sie die Verantwortung für sich, Ihre Gefühle und Ihr Leben übernehmen.

Solange Sie diese Verantwortung nicht ausüben, solange fühlen Sie sich als Opferlamm und leiden.

Tipp 3: Im nächsten Schritt lernen Sie, Ihre Gefühle beeinflussen zu lernen

Warum das möglich ist und wie Sie lernen können sich von belastenden Gefühlen zu befreien, das erfahren Sie in den folgenden Selbsthilfe-Informationen.

Wie Gedanken uns beeinflussen

Wie Gedanken unsere Gefühle beeinflussen

Das ABC der Gefühle

Die Arten negativen Denkens

TIPP 4: Ergründen Sie, warum andere so gehandelt haben könnten

Indem Sie nach den persönlichen Motiven anderer, weshalb diese Sie schlecht behandeln oder übervorteilen, suchen, verstehen Sie deren Verhalten und machen Sie sich so unabhängiger von deren Meinung.

TIPP 5: Stärken Sie Ihr Selbstwertgefühl

Seelisches Leid wie etwa Verletzungen und Kränkungen, Eifersuchtsgefühle und Verbitterung fügen wir uns in hohem Maße selbst zu, weil wir gering von uns denken und uns selbst ablehnen.

In dem Maße, in dem Sie Ihr Selbstwertgefühl stärken und sich annehmen lernen, in dem Maße sind Sie weniger anfällig, in die Opferrolle zu kommen.

TIPP 6: Machen Sie sich bewusst, dass Sie keine Schuld trifft

Schlimme Ereignisse passieren einfach, weil die Umstände so sind, dass sie passieren müssen.

Manche Menschen kommen relativ unbeschwert und ungeschoren durchs Leben, andere bekommen ein dickes Paket an Belastungen aufgeladen.

Zumindest aus unserer Sicht ist die Welt nicht immer gerecht und verstehbar. Diese Ereignisse und die Ungerechtigkeit treffen aber nicht nur Sie.

Indem Sie diese negativen Ereignisse nicht als Bestrafung oder nur Sie als einzigen Menschen betreffend sehen, fühlen Sie sich weniger in der Opferrolle.

Vielleicht helfen Ihnen die Worte von Viktor Frankl, der im 2. Weltkrieg im Konzentrationslager Ausschwitz war und dieses überlebt hat. Rückblickend sagte er:

Wir, die wir im Konzentrationslager lebten, erinnern uns an Menschen, die anderen geholfen haben, die ihr letztes Stück Brot mit anderen teilten. Wenn es auch nicht viele waren, so sind diese wenigen Menschen doch der Beweis dafür, daß man einem Menschen alles nehmen kann, bis auf eines, nämlich die letzte aller menschlichen Freiheiten, die Freiheit, in jeder Situation seine Einstellung zu wählen.

Schauen Sie sich die mutmachenden Geschichten behinderter Menschen an, die allen Grund hätten, sich als Opfer zu fühlen und verzweifelt zu sein, die jedoch ihre verbleibenden Möglichkeiten zu 100% nutzen und so mehr leisten und erreichen als die meisten nichtbehinderten Menschen.

Wenn wir der einzige Mensch sind, bei dem wir uns beschweren können, wenn wir keine Ausreden mehr gebrauchen und keine Schuldigen suchen, dann leben wir selbstverantwortlich und sind in der Lage, das Beste aus uns und unserem Leben zu machen.

Jede Ausrede ist eine Chance weniger

Martina Navratilova, neunfache Wimbledon-Siegerin, erkrankte vor einigen Jahren an Krebs. Sie sagte in einem Interview: Mir war immer klar, dass ich die Dinge, die falsch laufen, egal ob auf dem Platz oder im richtigen Leben, selbst anpacken muss. Ich glaube nicht an das Schicksal oder Verschwörung. Wenn es ein Problem gibt, dann löse ich es. Ich mache keinen Unterschied zwischen meiner Karriere und dem Krebs. Ich will siegen.

Martina Navratilova sah sich nicht als Opfer. Sie wusste, dass man die Verantwortung für sich und sein Leben übernehmen muss, wenn man persönlich und beruflich erfolgreich sein will.

Durch Ausreden, Ausflüchte und Schuldzuweisungen begibt man sich in die Opferrolle und hat so kaum eine Chance, Krisen und Hindernisse erfolgreich zu meistern.

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Wer nicht handelt, wird behandelt. Wem wir die Schuld geben, dem geben wir Macht.

Passiv bleiben, sich als Opfer ansehen, bedeutet sich zum Opfer und zum Spielball anderer Menschen zu machen.

Wenn Sie das nicht möchten, dann müssen Sie sich aus der Opferrolle befreien und die Verantwortung für sich, Ihre Stimmung, Ihr Leben, Ihre Zufriedenheit und Ihr Glück übernehmen.

Solange wir uns als Opfer sehen und uns ungerecht behandelt und benachteiligt fühlen, solange sind wir ungerecht zu anderen, um die vermeintlich offene Rechnung auszugleichen.

Wichtig zu wissen: Die oben aufgeführten Tipps richten sich an Erwachsene. Wenn Sie als Kind schlimme, traumatische Erfahrungen gemacht haben, dann fehlten Ihnen damals höchstwahrscheinlich die Fähigkeiten, darüber zu reflektieren.

Sie konnten noch nicht gezielt Ihre Einstellung verändern. Jetzt als Erwachsene haben Sie jedoch die Möglichkeit, das Erlebte besser zu verarbeiten und Ihren Blick in die Zukunft zu richten.

Sie können entscheiden, das Vergangene zu akzeptieren - auch wenn es sehr schlimm war und Ihnen schweres Unrecht getan wurde. Es ist vorbei und existiert nur noch in Ihrer Erinnerung.

Es könnte auch hilfreich für Sie sein, sich psychotherapeutische Unterstützung bei einem psychologischen Psychotherapeuten zu holen.

Unterm Strich gibt es auf dieser Welt nur 2 Arten von Menschen: Schwätzer und Macher.

Die meisten sind nur Schwätzer. Sie können nur labern. Aber wenn alles gesagt ist, dann sind es die Macher, die die Welt verändern.

Und wenn sie das tun, dann verändern sie auch uns, weshalb wir sie nie vergessen.

Zu welchen gehörst du?

Schwafelst du nur rum oder stehst du auf und tust etwas?

Filmzitat aus: Der Blutige Pfad Gottes 2


Dr. Doris Wolf
Doris Wolf (Autorin)

Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Schon immer hatte ich ein offenes Ohr für die Sorgen anderer. Deshalb war es mein Herzenswunsch, als Psychotherapeutin zu arbeiten. Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich im Nordic Walking, dem Jin Shin Jyutsu, in täglicher Meditation und der Kuchenbäckerei.


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