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Viele Menschen, insbesondere auch jüngere Menschen, fühlen sich einsam, ungeliebt, alleingelassen und vom Leben abgetrennt. Die Einsamkeit ist für sie fast schmerzhafter als eine körperliche Erkrankung. Warum gibt es in unserer Zeit, in der wir mit Hilfe der modernen Kommunikationsmedien immer schneller Kontakt aufnehmen, einen Brief innerhalb von wenigen Minuten per Fax abschicken, mit dem tragbaren Telefon für alle jederzeit erreichbar sind und andere erreichen können, so viele oder sogar immer mehr einsame Menschen?
Viele Menschen verwechseln Einsamkeit mit Alleinsein. Sie glauben, dass sie sich zwangsläufig einsam fühlen müssen, wenn sie allein sind, d.h. niemand um sie herum ist. Doch dem ist nicht so. Sicher haben Sie auch schon einmal die Situation erlebt, dass Sie sich im Kreise vieler Menschen plötzlich ganz einsam gefühlt haben. Andererseits haben Sie sich sicher auch schon einmal danach gesehnt, allein mit sich zu sein und die Ruhe zu genießen. Ob wir uns einsam fühlen oder nicht, hängt also nicht so sehr davon ab, ob wir allein sind, sondern von unserer inneren Einstellung. Alleinsein muss nicht Einsamkeit bedeuten. Alleinsein kann je nach innerer Einstellung sowohl als Chance als auch als Strafe erlebt werden. Von Einsamkeit sprechen wir dann, wenn wir das Alleinsein oder Zusammensein mit anderen als Ausgeschlossensein und Verlassensein erleben.
Einsamkeitsgefühle können auftreten,
obwohl wir verheiratet sind,
obwohl wir einen Beruf haben,
obwohl wir von anderen gemocht werden,
obwohl wir jung sind,
obwohl wir Kinder haben,
obwohl wir uns in Gesellschaft befinden.
Besonders in den Zeiten, in denen Veränderungen auf uns zukommen, sind wir gefährdet: wenn unser Partner sich von uns trennt, wenn die Kinder aus dem Haus gehen, wenn wir pensioniert werden, wenn wir eine chronische Erkrankung bekommen oder körperliche Schwächen uns einschränken und behindern.
1. Die momentane, vorübergehende Einsamkeit
Die Einsamkeitsgefühle dauern nur kurze Zeit und sind eine Reaktion auf äußere Umstände wie beispielsweise einen Umzug, einen Krankenhausaufenthalt, Arbeitslosigkeit, den Auszug der Kinder. Ausgelöst durch diese Ereignisse können wir von dem Kontakt mit anderen uns vertrauten Menschen abgeschnitten sein. Diese Phase der Einsamkeit ist nicht schädlich, sondern kann hilfreich sein, uns den neuen Umständen anzupassen. Sie deutet eine Veränderung in unserem Leben an.
2. Der langsame Rückzug
Die Einsamkeit beginnt, unser Dauerbegleiter zu sein. Unsere Fähigkeiten, Kontakt aufzunehmen und uns mit anderen Menschen zu unterhalten, nehmen langsam ab. Wir verlernen zu lächeln und über Alltäglichkeiten zu reden.
3. Die chronische Einsamkeit
Die Einsamkeitsgefühle dauern Monate oder gar Jahre. Wir versteinern. Alle unsere Fähigkeiten, Kontakt aufzunehmen und aufrechtzuerhalten, für andere attraktiv zu sein, Anerkennung anzunehmen und zu geben, sind verschwunden. Andere wissen nichts mehr mit uns anzufangen. Wir fühlen uns abgelehnt und unattraktiv und verlieren immer mehr das Vertrauen in unsere Fähigkeiten. Wir ziehen uns in die Isolation zurück oder werden anderen gegenüber immer "giftiger" und gereizter.
Wissenschaftliche Untersuchungen haben ergeben, dass ganz bestimmte negative Einstellungen uns für Einsamkeitsgefühle empfänglich machen. Menschen, die sich einsam fühlen, glauben, nicht liebenswert zu sein. Sie glauben, unbedingt einen Partner zu brauchen, um glücklich zu sein. Außerdem leiden sie unter einer starken Angst vor Ablehnung und lehnen sich selbst ab. Da sie sich selbst ablehnen, sind sie in starkem Maße auf Anerkennung, Lob und Zuspruch anderer angewiesen. Manchmal wirken sie aufgrund innerer Unsicherheiten arrogant und überheblich.
Umgekehrt zeichnen sich Menschen, die mit sich allein zufrieden sein können, aber auch im Kontakt zu anderen Menschen stehen, durch folgende Einstellungen aus: Sie können sich selbst annehmen und glauben, anderen Menschen etwas geben zu können. Sie können auch damit umgehen, dass manch anderer sie ablehnt und ihre Schwächen erkennt. Und sie können andere Menschen mit ihren Schwächen akzeptieren.
Es gibt viele Faktoren, die dazu beitragen können, dass sich Menschen einsam fühlen:
Viele Menschen leben in der Großstadt. Der Kontakt zu den Angehörigen wird oder kann nicht mehr so gepflegt werden.
Jede dritte Ehe zerbricht und hinterläßt zunächst einmal zwei alleinstehende Menschen.
Die Lebenserwartung wird immer höher. Da Frauen länger leben, gibt es im Alter auch mehr alleinstehende Frauen.
Die Menschen setzen sich immer mehr Ziele, legen ihren Schwerpunkt auf Erfolg und Leistung, denken zunächst einmal an sich selbst. So werden Partnerschaften erschwert oder die Bildung von Partnerschaften vernachlässigt.
Der Einzug des Computers in den beruflichen Bereich erschwert die soziale Kommunikation. Menschen sind es nicht mehr gewohnt, miteinander zu sprechen und aufeinander ein- und zuzugehen.
Es ist für viele junge Menschen "unmodern", sich in einem Verein oder ehrenamtlich zu engagieren.
Viele Eltern sind beide berufstätig, so dass sie wenig Zeit haben, mit ihrem Kind zu sprechen, es in der sozialen Kommunikation zu schulen. Sie können dem Kind nur schwer ein Gefühl des Geborgenseins und der Annahme vermitteln.
Mangelnde Selbstliebe: wer sich selbst nicht genügt, der braucht andere, um das Gefühl zu haben, liebenswert zu sein.
Nein. Es wird immer wieder Situationen geben, in denen wir uns auf uns selbst zurückgeworfen fühlen. Augenblicke, in denen wir uns als ungeliebt, hilflos und völlig isoliert von allen anderen Menschen ansehen. Wir können jedoch etwas tun, dass aus der gelegentlichen Einsamkeit keine chronische Einsamkeit wird.
Einsame Menschen sind krankheitsanfälliger und haben eine geringere Lebenserwartung. Dagegen haben Menschen mit vielen sozialen Beziehungen (durch Ehe, Verwandte, Freunde) nur ein halb so hohes Risiko, in den nächsten 9 Jahren zu sterben - so berichtete es die Zeitschrift Medical Tribune. Männer ohne enge Freundschaften haben ein zwei- bis dreifaches Risiko, eine Herzerkrankung zu bekommen.
Einsamkeitsgefühle sind ein Alarmsignal, dass sich in Ihrem Leben etwas geändert hat und/oder Sie Ihre Bedürfnisse nicht erfüllen. Sie sollten diese Gefühle zum Anlaß nehmen, zu lernen, mit sich selbst alleine zufrieden zu sein und/oder lernen, mehr auf andere Menschen zuzugehen.
1. Behandeln Sie sich liebevoll wie einen guten Freund.
Wenn Sie beispielsweise die Einstellung haben, dass es sich nicht lohnt, für Sie alleine etwas Schönes zu kochen oder den Tisch zu decken, dass der Spaziergang alleine ohnehin keine Freude machen kann und Sie deshalb lieber zuhause bleiben sollten, dann behandeln Sie sich abschätzig. Sie sind es sich nicht "wert", für sich alleine etwas zu tun.
2. Nehmen Sie Kontakt zu anderen Menschen auf.
Erwarten Sie von sich dabei keine "hochgeistigen" Gespräche, denn sonst nehmen Sie erst gar keinen Kontakt zu anderen auf. Beginnen Sie, über Alltägliches zu reden: das Wetter, Fernsehprogramm, einen Zeitschriftenartikel, den Sie gelesen haben. Interessieren Sie sich für den anderen und erzählen Sie auch etwas von sich. Hierdurch bleiben Sie in Übung und haben den Eindruck, dazuzugehören.
3. Stellen Sie Ihrer Umwelt gegenüber keine allzu hohen Erwartungen.
Mit dem einen Menschen können Sie vielleicht über die Kinder reden, mit dem anderen gut Spaziergänge machen. Ein einzelner Mensch braucht und wird nicht alle Ihre Bedürfnisse erfüllen.
4. Geben Sie Ihrem Leben einen Sinn, indem Sie sich eine Aufgabe suchen wie etwa eine ehrenamtliche Betätigung. Durch eine ehrenamtliche Betätigung fühlen Sie sich gebraucht und Sie haben Kontakt zu anderen Menschen. Sie helfen also anderen und sich selbst.
5. Lernen Sie, sich selbst mehr anzunehmen.
In dem Maße, in dem Sie sich selbst mögen und für liebenswert halten, werden Ihre Einsamkeitsgefühle abnehmen.
6. Im Einsamkeit Forum können Sie sich mit anderen austauschen und Rat einholen.
Ich wünsche Ihnen, dass Sie es schaffen, sich aus dem Gefängnis der Einsamkeit zu befreien und Ihrem Leben einen Sinn zu geben. Denken Sie daran: Einsamkeit ist eine Gefängniszelle, die sich nur von innen öffnen lässt(Alfredo Le Mont).
Ihre Dr. Doris Wolf
© 2003-2009 Dr. Doris Wolf & Dr. Rolf Merkle - Hilfe bei Einsamkeit
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