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Einsamkeit - innere Leere

vogelkäfig Sinnbild für einsamkeit

Einsamkeit, innere Leere, das Gefühl, überflüssig und ungeliebt zu sein - was kann man dagegen tun? Tipps der Psychologin Dr. Doris Wolf. Bild © sunlight789 - Fotolia.com

© Autorin: Dr. Doris Wolf Psychotherapeutin

Die Einsamkeit hat mich gelehrt, daß das Zusammensein mit anderen etwas ziemlich Schönes ist.

Und das Zusammensein mit anderen hat mich gelehrt, daß die Einsamkeit etwas ziemlich Schönes ist. Günter Radtke

Nicht alle Menschen können der Einsamkeit etwas Positives abgewinnen. Die meisten Menschen empfinden Einsamkeit und Alleinsein als sehr schmerzhaft und belastend.

So Sandra, eine Klientin von mir. Sie erlebt ihr Alleinsein und ihre Einsamkeit so:

Meine Einsamkeit zerfrisst mich von innen. Das ist so ein Gefühl, wie wenn man in einem dunklen Raum ganz alleine sitzt. Ich sehne mich so sehr nach Liebe und Geborgenheit. Mich hat seit Jahren keiner mehr in den Arm genommen.

Ich weiß nicht mehr weiter. Seit 6 Jahren, seit ich berufstätig bin, habe ich zwar Kollegen, aber habe es nie geschafft, einen davon richtig kennen zu lernen. Ich rede mit fast niemandem, es sei denn, jemand spricht mich mal an.

Irgendwie war ich schon immer schüchtern, bin im Umgang mit anderen Menschen total unsicher und ängstlich. Wenn ich Paare sehe, kommen mir die Tränen. Das ist die Hölle. Alle haben jemanden, nur ich nicht. Was ist bloß an mir verkehrt, dass ich so wenig liebenswert bin?

Bei Gefühlsmusik wie von Xavier Naidoo kriege ich die Krise. Ich sitze abends in meiner Wohnung und grüble über mich nach. Ich habe überhaupt keine Kraft mehr. Welchen Sinn macht das Leben noch?

Viele Menschen, auch jüngere Menschen, fühlen sich einsam, ungeliebt, alleingelassen und vom Leben abgeschnitten.

Die Einsamkeit und Isolation ist für sie ebenso schmerzhaft wie eine körperliche Erkrankung.

Viele Menschen verwechseln Einsamkeit mit Alleinsein. Sie glauben, man müsse sich zwangsläufig einsam fühlen, wenn man keinen Partner hat.

Dem ist jedoch nicht so. Allein sein bedeutet nicht zwangsläufig einsam sein!

Einsamkeitsgefühle können auftreten, auch wenn wir

Alleinsein führt nicht zwangsläufig zum Gefühl der Einsamkeit!

Viele Menschen haben Angst vor der Einsamkeit oder Vereinsamung, während es andererseits Menschen gibt, die bewusst die Einsamkeit und Zurückgezogenheit suchen, indem sie für einige Wochen in ein Kloster in Klausur gehen.

Einsamkeit kann (körperlich) krank machen, wenn wir uns ihr ausgeliefert fühlen. Sie kann aber auch die Persönlichkeit stärken, wenn wir sie bewusst aufsuchen, um z.B. zu meditieren.

Warum gibt es so viele vereinsamte Menschen? Mit Hilfe der modernen Kommunikationsmittel können schneller und leichter Kontakt aufnehmen, als je zuvor.

Wir können eine Nachricht innerhalb weniger Sekunden per Email oder SMS abschicken, mit dem Handy jederzeit erreichbar sein und andere erreichen.

Wir können uns in sozialen Netzwerken zu jeder Tages- und Nachtzeit mit anderen austauschen.

Ursachen von Einsamkeit - warum wir uns einsam und isoliert fühlen

Wissenschaftliche Untersuchungen zeigen, dass bestimmte negative Einstellungen uns für Einsamkeitsgefühle empfänglich machen.

Menschen, die sich einsam fühlen, glauben, nicht liebenswert zu sein. Sie glauben, unbedingt einen Partner zu brauchen, um glücklich zu sein.

Das Gefühl, nicht liebenswert zu sein, entsteht sehr oft in der Kindheit. Sandra beschreibt ihre Kindheit so:

einsame Frau berichtet über ihre KindheitSeit ich mich erinnern kann, war ich ein Außenseiter, musste Hänseleien über mich ergehen lassen, keiner wollte mit mir spielen. Meine Eltern lebten selbst sehr zurückgezogen, genügten sich. Die sagten mir immer, dass Freunde wichtig sind, konnten mir aber auch nicht helfen.

Ich stand dann am Fenster und schaute sehnsüchtig, wie die anderen Kinder auf der Straße ihren Spaß? hatten. Ich weiß nicht, wie ich es anstellen soll, endlich Freunde zu finden. Wenn mich mal jemand anspricht, dann setze ich mich wahnsinnig unter Druck, um ihm zu gefallen. Ja, und doch bin ich wohl immer nicht interessant genug.

Wie Sandra leiden viele Betroffene auch unter einer starken Angst vor Ablehnung und lehnen sich selbst ab.

Da sie sich selbst ablehnen, sind sie in starkem Maße auf Anerkennung, Lob und Zuspruch anderer angewiesen.

Manchmal wirken sie aufgrund innerer Unsicherheiten arrogant und überheblich.

Umgekehrt zeichnen sich Menschen, die mit sich allein zufrieden sein können, aber auch im Kontakt zu anderen Menschen stehen, durch folgende Einstellungen aus. Sie können

Ob wir uns einsam fühlen, hängt also nicht davon ab, ob wir allein sind, sondern von unserer Einstellung zu uns und unserem Leben.

Auch Veränderungen in den Lebensumständen können die Entstehung von Einsamkeitsgefühlen begünstigen.

Wenn der Partner sich von uns trennt, wenn die Kinder aus dem Haus gehen, wenn wir pensioniert werden, wenn wir eine chronische Erkrankung bekommen oder körperliche Beschwerden uns einschränken und behindern.

Die drei Phasen der Einsamkeit

1. Die momentane, vorübergehende Einsamkeit

Die Einsamkeitsgefühle dauern nur kurze Zeit und sind eine Reaktion auf äußere Umstände wie beispielsweise einen Umzug, einen Krankenhausaufenthalt, Arbeitslosigkeit, den Auszug der Kinder.

Ausgelöst durch diese Ereignisse können wir von dem Kontakt mit anderen uns vertrauten Menschen abgeschnitten sein.

Diese Phase der Einsamkeit ist nicht schädlich, sondern kann hilfreich sein, uns den neuen Umständen anzupassen. Sie deutet eine Veränderung in unserem Leben an.

2. Der langsame Rückzug

Die Einsamkeit beginnt, unser Dauerbegleiter zu sein. Unsere Fähigkeiten, Kontakt aufzunehmen und uns mit anderen Menschen zu unterhalten, nehmen langsam ab.

Wir verlernen zu lächeln und über Alltäglichkeiten zu reden.

3. Die chronische Einsamkeit

Die Einsamkeitsgefühle dauern Monate oder gar Jahre. Wir versteinern. Alle unsere Fähigkeiten, Kontakt aufzunehmen und aufrechtzuerhalten, für andere attraktiv zu sein, Anerkennung anzunehmen und zu geben, sind verschwunden.

Andere wissen nichts mehr mit uns anzufangen. Wir fühlen uns abgelehnt und unattraktiv und verlieren immer mehr das Vertrauen in unsere Fähigkeiten.

Wir ziehen uns in die Isolation zurück, kapseln uns ab oder werden anderen gegenüber immer "giftiger" und gereizter.

Faktoren, die emotionale Isolation und Einsamkeit begünstigen

Die folgenden Faktoren können dazu beitragen, dass sich Menschen einsam fühlen:

Können wir Einsamkeitsgefühle vollkommen aus dem Leben verbannen?

Nein. Es wird immer wieder Momente geben, in denen wir uns auf uns selbst zurückgeworfen und alleine fühlen.

Augenblicke, in denen wir uns ungeliebt, hilflos und völlig isoliert von allen anderen Menschen fühlen.

Wir können jedoch etwas tun, dass aus der gelegentlichen Einsamkeit keine chronische Einsamkeit wird.

Einsamkeit.html

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Wie Einsamkeit überwinden? Wege aus der Einsamkeit

"Ich bin einsam und allein, was soll ich tun?" Diese Frage stellen mir viele Menschen in der Therapie und in Leserbriefen.

Einsamkeitsgefühle sind ein Alarmsignal, dass sich in Ihrem Leben etwas geändert hat und/oder Ihre Bedürfnisse nicht (mehr) erfüllt werden.

Nehmen Sie diese Gefühle zum Anlaß, herauszufinden, was Ihnen fehlt und zu lernen, mit sich selbst alleine zufrieden zu sein und/oder um zu lernen, auf andere Menschen zuzugehen.

Sich nicht mehr ungeliebt und leer fühlen

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1. Behandeln Sie sich liebevoll wie einen guten Freund.

Wenn Sie die Einstellung haben, dass es sich nicht lohnt, für Sie alleine etwas Schönes zu kochen oder den Tisch zu decken, dass der Spaziergang alleine ohnehin keine Freude machen kann und Sie deshalb lieber zuhause bleiben sollten, dann behandeln Sie sich abschätzig.

Sie sind es sich nicht "wert", für sich alleine etwas zu tun.

2. Nehmen Sie Kontakt zu anderen Menschen auf.

Erwarten Sie von sich dabei keine "hochgeistigen" Gespräche, denn sonst nehmen Sie erst gar keinen Kontakt zu anderen auf.

Beginnen Sie über Alltägliches zu reden: das Wetter, das Fernsehprogramm, einen Zeitschriftenartikel, den Sie gelesen haben.

Interessieren Sie sich für den anderen und erzählen Sie auch etwas von sich. Hierdurch bleiben Sie in Übung und haben den Eindruck, dazuzugehören.

3. Stellen Sie an Ihre Umwelt keine allzu hohen Erwartungen.

Mit dem einen Menschen können Sie vielleicht über Kinder reden, mit dem anderen Spaziergänge machen, mit wieder einem anderen vielleicht einem Hobby nachgehen.

Ein einzelner Mensch braucht und wird nicht alle Ihre Bedürfnisse erfüllen.

4. Geben Sie Ihrem Leben einen Sinn

Geben Sie Ihrem Leben einen Sinn, indem Sie sich eine Aufgabe suchen wie etwa eine ehrenamtliche Betätigung.

Durch eine ehrenamtliche Betätigung fühlen Sie sich gebraucht und Sie haben Kontakt zu anderen Menschen. Sie helfen also anderen und sich selbst.

Um Ihr Bedürfnis nach Zuwendung und Gebrauchtwerden zu befriedigen, könnten Sie auch z.B. in ein Tierheim gehen und dort anbieten, regelmäßig einen Hund auszuführen.

Einsamkeit ist eine Gefängniszelle, die sich nur von innen öffnen lässt.Alfredo Le Mont

5. Lernen Sie, sich selbst mehr anzunehmen.

In dem Maße, in dem Sie sich selbst mögen und für liebenswert halten, werden Ihre Einsamkeitsgefühle abnehmen. TIPP: Sich selbst lieben lernen.

6 In einem Einsamkeit Forum können Sie sich mit anderen austauschen und Rat einholen. Ein Forum bietet auch die Möglichkeit, Kontakte mit Menschen herzustellen, denen es ähnlich geht.

Ich wünsche Ihnen, dass Sie es schaffen, sich aus dem Gefängnis der Einsamkeit zu befreien und sich mit anderen Menschen verbunden zu fühlen.

Einsamkeitsgefühle und Gefühle des Isoliertseins sind kein unüberwindbares Schicksal. Sie können Ihre Einsamkeit überwinden.


Dr. Doris Wolf
Doris Wolf (Autorin)

Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Schon immer hatte ich ein offenes Ohr für die Sorgen anderer. Deshalb war es mein Herzenswunsch, als Psychotherapeutin zu arbeiten. Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich im Nordic Walking, dem Jin Shin Jyutsu, in täglicher Meditation und der Kuchenbäckerei.


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