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von Dr. Doris Wolf, Psychotherapeutin
Über die Kunst, seinen Ärger loszuwerden
Wie soll ich ihr nur sagen, dass mir ihr Zu-spät-kommen auf den Geist geht, dass er sein Geschirr abräumen soll, wenn er vom Tisch aufsteht, dass er nicht rauchen soll, wenn ich esse, dass er mir nicht immer ins Wort fallen soll?
Wer von uns kennt nicht solche Situationen, in denen er sich unwohl fühlt, weil andere sich nicht so verhalten, wie er möchte. Im Grunde wissen wir schon, wie wir uns verhalten wollen. Wir wissen, was wir sagen wollen - aber wir haben Angst. Wir befürchten vielleicht, der andere könnte es uns übel nehmen, wenn wir ihn kritisieren. Wir wollen unsere Kritik äußern, aber der andere soll bitteschön nicht sauer oder verletzt reagieren.
Wie der andere auf unsere Kritik reagiert, darauf haben wir jedoch keine Kontrolle. Wir können nicht bestimmen oder vorhersagen, wie der andere unsere Kritik aufnimmt. Es gibt jedoch Möglichkeiten, einem anderen etwas so zu sagen, dass es ihm leichter fällt, unsere Kritik anzunehmen.
TIPP 1. Formulieren Sie Ihre Kritik in der Ich-Form: "Ich fühle mich unwohl, wenn du beim Essen rauchst und wünsche mir ...", statt zu sagen "Du bist rücksichtslos. Wie kannst du nur rauchen, während ich noch esse". Du-Botschaften wie z.B. "Du solltest ..." und Bewertungen der ganzen Person wie "Du bist unmöglich, gemein, unfair ..." führen dazu, dass der andere sich verteidigt und es zu einem Schlagabtausch kommt, wer recht hat.
TIPP 2. Achten Sie darauf, Ihre Kritik sehr konkret und auf ein Verhalten in einer Situation bezogen zu formulieren. Verallgemeinerungen wie "Nie machst du ..." oder "Immer tust du ..." führen ebenfalls dazu, dass der andere sich ungerecht behandelt fühlt und provozieren Verteidigung und Abwehr. Sagen Sie: "Mir gefällt nicht, dass du mir immer, wenn ich mich mit Frau ... unterhalte, ins Wort fällst. Dann komme ich mir dumm und gedemütigt vor".
TIPP 3. Bemühen Sie sich darum, dem anderen auch zu sagen, was Ihnen an seinem Verhalten gefällt. Jedem von uns fällt es leichter, Kritik anzunehmen, wenn wir merken, der andere lehnt uns nicht generell ab oder will uns das Leben nicht schwer machen. "Gut, gefällt mir ... Womit ich Schwierigkeiten habe, ist, dass du ..."
TIPP 4. Hilfreich für den Kontakt mit anderen ist es auch, wenn wir uns ein Stückchen in den anderen hineinversetzen und sagen: "Ich weiß, dass das ... für dich sehr wichtig ist. Ich wünsche mir jedoch, dass ..."
Denken Sie immer daran:
Es wurde noch keinem Kritiker
ein Denkmal errichtet.
Kritisieren Sie immer nur das Verhalten,
nie die Person.
© 2003-2011 Dr. Doris Wolf & Dr. Rolf Merkle - Kritisieren
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