Blickkontakt: Die Augen als Fenster zur Seele

Ein tiefer Blick in die Augen kann viel aussagen: Zu- oder Abneigung, Verständnis, Vertrauen, Schmerz und Liebe. Es sind Momente, in denen wir uns wahrhaftig begegnen.

Blickkontakt: Die Augen als Fenster zur Seele
© Soroush Karimi, unsplash.com

Man könnte meinen, dass wir kaum noch das Haus verlassen müssen, um Menschen zu treffen. Videocalls, Chatverläufe, Homeoffice-Angebote – all das macht es möglich, miteinander zu sprechen, ohne sich wirklich gegenüberzustehen. Während wir Menschen auf dem Bildschirm haben, entsteht nicht das Gefühl, allein zu sein. Doch sobald der Videoanruf endet, ist die Person verschwunden, und in manchen Menschen breitet sich ein Gefühl der Leere und Einsamkeit aus. Erst dann wird uns bewusst, dass die vermeintliche Gesellschaft nicht echt war – und noch nicht einmal Blickkontakt bestand. Denn beim Blick auf die Person auf dem Display schauen wir immer leicht aneinander vorbei. Auch deshalb ist es schwer, Nähe entstehen zu lassen. Echtes Vertrauen braucht den direkten Augenkontakt.

Blickkontakt sorgt für Empathie

Blickkontakt hat starke Auswirkungen auf die zwischenmenschliche Bindung. Wenn du einem Menschen direkt in die Augen siehst, fühlt ihr euch enger miteinander verbunden.

Sind wir noch in der Kennenlernphase, sind tiefe Blicke oft Teil des Flirtens und Verliebens. Später geht dieser intensive Augenkontakt leider oft im Alltag unter. Doch der verbindende Effekt kann in Beziehungen ein hilfreiches Mittel sein, um Konflikte zu klären. Denn im Streit blickt man sich selten tief in die Augen. Ringen sich beide aber dazu durch, entsteht eine Atmosphäre des gegenseitigen Verständnisses. So können wir das Gefühl haben, dass unser Gegenüber uns wirklich sieht und versteht. Und vielleicht kommen auch die kribbeligen Gefühle vom Beginn der Beziehung wieder hoch.

Das funktioniert auch fernab von Liebesbeziehungen. Jegliche zwischenmenschlichen Begegnungen profitieren von einem aufrichtig interessierten Blick in die Augen.

Einigen Menschen fällt es im persönlichen Kontakt allerdings schwer, Blickkontakt zu halten. Das kann verschiedene Gründe haben: Unsicherheit, Nervosität, Langeweile, Ablehnung, Überforderung oder Skepsis. Ein ausweichender Blick muss also nicht bedeuten, dass dein Gegenüber dich nicht mag. Vielleicht ist sogar das Gegenteil der Fall!

Schau mir in die Augen – aber nicht zu lange

Es ist wichtig zu beachten, dass Blickkontakt in verschiedenen Kulturen unterschiedlich interpretiert wird. In einigen Kulturen wird intensiver Blickkontakt als respektlos oder unhöflich empfunden – beispielsweise in der Türkei, China und Japan –, während er bei uns in Nordeuropa und auch in Nordamerika als Zeichen von Aufrichtigkeit und Interesse angesehen wird. Es ist daher ratsam, sich der kulturellen Unterschiede bewusst zu sein und sich entsprechend anzupassen.

Bei uns gilt ein Blickkontakt von etwa drei Sekunden als angenehm, längere Blicke nimmst du vielleicht als bedrohlich oder bohrend wahr. Wenn hingegen kaum Blickkontakt besteht und dein Gegenüber immer wieder ausweicht, fühlst du dich möglicherweise ignoriert oder missachtet. Achte deshalb darauf, dass du dich in Gesprächen nicht zu sehr ablenken lässt, dein Gegenüber wirklich ansiehst, aber nicht zu lange „anstarrst“. So kannst du deinen Beziehungen mehr Tiefe geben – und du strahlst mehr Selbstbewusstsein aus.

Übrigens: Allein mit einem Blick kannst du Menschen positive Gefühle verschaffen. Und andersrum können aufrichtige Blicke auch dir sofort gut tun. Was für ein Geschenk!

Übung: Hinschauen statt ausweichen – so kannst du lernen, Blickkontakt zu halten

Vielleicht fällt es dir schwer, Augenkontakt zu halten, und du merkst, dass du in Gesprächen deinen Blick immer wieder schweifen lässt – auch wenn du ein ehrliches Interesse an deinem Gegenüber hast. Oft stecken Unsicherheit oder Nervosität dahinter. Doch du kannst dein Auftreten durch selbstbewussten Blickkontakt verbessern und deine Beziehungen auf diese Weise vertiefen.

Fang dazu allein vor dem Spiegel an. Stell sicher, dass du ungestört bist, und blick dir selbst lange in die Augen. Wie fühlst du dich dabei? Nimm deine Gefühle ganz bewusst wahr und halte deinem eigenen Blick stand, auch wenn du dich etwas unwohl fühlen solltest. Lächle dich an, schau dir freundlich ins Gesicht – je länger du es schaffst, dir selbst in die Augen zu sehen, desto mehr wird sich deine Unsicherheit abbauen.

Im zweiten Schritt kannst du mit einer vertrauten Person üben. Setzt euch gegenüber und seht euch in die Augen – erst 10 Sekunden, dann 20, dann 30. Sprecht darüber, wie ihr euch dabei fühlt, was dieser intensive Blickkontakt in euch auslöst.

Wenn du durch diese Übungen schon etwas sicherer geworden bist, versuche, im Alltag bewusster und länger Blickkontakt zu halten, auch wenn du dich immer noch unsicher fühlst. Ein guter Trick ist es, Menschen auf die Nasenwurzel direkt zwischen den Augen zu schauen, wenn du spürst, dass die Schüchternheit dich noch einnimmt. Dein Gegenüber wird es kaum bemerken. Auf diese Weise wirst du Stück für Stück spüren, wie Blickkontakt deine Beziehungen vertiefen und dein Auftreten positiv verändern kann.

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 Übung: Hinschauen statt ausweichen – so kannst du lernen, Blickkontakt zu halten
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