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Vorurteile, denen Optimisten ausgesetzt sind

© Autor: Dr. Rolf Merkle Psychotherapeut

Gegenüber Optimisten gibt es eine Menge Vorurteile. Die häufigsten Vorurteile sind: Optimisten
tragen eine rosa Brille,
sind unrealistisch,
sind oberflächlich,
machen sich etwas vor,
verkennen die Tatsachen,
belügen sich selbst,
verdrängen Probleme,
wollen eine heile Welt und sehen die wahren Probleme nicht,
handeln nach dem Motto: Don´t worry, be happy,
flüchten vor der Realität in eine Traumwelt,
stecken den Kopf in den Sand,
drücken sich vor der Verantwortung,
gebrauchen einen Psycho-Trick,
sind Fantasten,
sind unverbesserliche Weltverbesserer,
sind naiv,
haben ein kindliches Gemüt,
benutzen das Positive Denken, um ihre Unfähigkeit, die Realität zu akzeptieren, zu vertuschen,
halten solange an ihren Selbsttäuschungen fest, bis die Realität ihren Selbsttäuschungen entspricht.

Wenn Sie nun damit rechnen, daß ich alle diese Vorurteile in der Luft zerreiße und sie widerlege, dann haben Sie sich mächtig geirrt.

Einige dieser Behauptungen beinhalten nämlich tatsächlich ein Körnchen Wahrheit.

Ja, es ist richtig, daß Optimisten ihre Lage oder ihre Chancen sehr oft rosig sehen, daß sie sich etwas (Positives) vormachen bzw. sich das Positive rauspicken und das Negative, das auch vorhanden ist, unter den Tisch fallen lassen, daß sie sich also selbst belügen, indem sie die andere Seite der Medaille nicht beachten.

Ja, es ist richtig, daß Optimisten Probleme verdrängen bzw. kaum einen Gedanken an sie verschwenden - solange sie noch nicht akut sind.

Und es ist richtig, daß sie sich in manchen Dingen etwas vormachen, daß sie also ihre Möglichkeiten überschätzen.

Wie steht es aber mit den Pessimisten? Stimmt es, daß diese, wie sie es häufig von sich behaupten, die wahren Realisten sind.

Stimmt es, daß sie die Dinge so sehen, wie sie sind, und daß sie sich den Tatsachen stellen, statt vor ihnen die Augen zu verschließen?

Die Antwort ist: Ja und nein.

Ja, insofern, als sie eher die Löcher im Käse oder die Dornen der Rose sehen, die ja Realität sind.

Ja, insofern, als sie sich mehr als Optimisten auf das konzentrieren, was schiefgeht oder negativ ist.

Nein, insofern, als auch sie sich etwas vormachen, indem sie ihre Lage in der Regel negativ oder hoffnungslos sehen, indem sie sich einreden, sie seien hilflos - obwohl dem oft nicht so ist.

Fragen zum Nachdenken und Nachdenklich-Machen

Ist ein Mensch, der an Krebs erkrankt ist, zu optimistisch, wenn er an seine Heilung glaubt, und ist ein Pessimist in dieser Situation tatsächlich der Realist, wenn er glaubt, keine Überlebenschance zu haben?

Ist ein gelähmter Mensch, der nach Lourdes fährt, zu optimistisch, wenn er glaubt, wieder gehen zu können?

Ist ein AIDS-Forscher zu optimistisch, wenn er glaubt, ein Mittel gegen AIDS finden zu können?

Ist ein Erfinder zu optimistisch, wenn er glaubt, mit Hilfe der Sonnenenergie oder einer anderen alternativen Energie die Atomenergie ersetzen zu können?

Ist ein Sportler zu optimistisch, wenn er glaubt, einen neuen Weltrekord aufstellen zu können?

Ist ein Mensch zu optimistisch, wenn er glaubt, ein versunkenes Schiff mit wertvollen Schätzen finden zu können?

Sind Menschen blauäugig und naiv, wenn sie an den Frieden glauben?

Diese Fragen lassen sich heute weder mit "ja" noch "nein" beantworten.

Die Zukunft, die Geschichte werden zeigen, ob beispielsweise der Optimismus der AIDS-Forscher berechtigt oder falsch war, ob ein Hochspringer einen neuen Weltrekord aufstellen wird, usw.

Andererseits ist die Geschichte voll von Menschen, die positive Visionen hatten und diese durch ihren unerschütterlichen Optimismus Wirklichkeit werden ließen.

So etwa die Gebrüder Wright, die glaubten, sich mit einem "Flugzeug" wie ein Vogel in die Lüfte erheben zu können.

Graham Bell, der glaubte, Menschen könnten sich am "Telefon" über hunderte von Kilometern miteinander unterhalten.

Die Weltraumwissenschaftler, die glaubten, auf den Mond fliegen zu können.

Die unzähligen Menschen, die daran glaubten, selbst schwerste Krankheiten überwinden zu können, und es tatsächlich auch schafften - obwohl ihnen die Ärzte keine Chancen gaben.

Die Geschichte ist voller Menschen wie die Brüder Wright und Bell, die Dinge vollbracht haben, vor denen andere staunend und kopfschüttelnd standen.

Diese sind der Beweis dafür, daß Menschen, die eine positive Vision oder einen Traum haben, die Fähigkeit besitzen, das "Unmögliche" möglich zu machen.

Von Pessimisten kann man das nicht behaupten. Hätten Bell und andere auf die Pessimisten, Zweifler und Spötter gehört, dann hätten sie sicherlich nicht ihr Ziel erreicht.

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Was Optimisten nicht sind

Optimisten sind keine völlig weltfremden Wesen von einem anderen Stern, die sich mittels einer geistigen Psychopille einlullen und sich dadurch den Blick für die Realität vernebeln.

Sie wissen, daß sie physikalische Gesetzmäßigkeiten, wie etwa die Schwerkraft, nicht durch eine optimistische Einstellung außer Kraft setzen können.

Sie interpretieren die Tatsachen lediglich anders als die Pessimisten bzw. rechnen, solange sie nicht vom Gegenteil überzeugt wurden, erst einmal damit, daß sich alles so entwickeln wird, wie sie es sich wünschen.

Optimisten sehen auch die Umwelt- und Verkehrsprobleme, die Not und das Elend anderer.

Statt jedoch wie die Pessimisten den Weltuntergang zu prophezeien, glauben sie daran, daß eine Lösung dafür gefunden werden kann, und setzen sich dafür ein, daß sich etwas ändert.

Sie gehören nicht zu den Fatalisten und Unheilverkündern, sondern konzentrieren ihre Gedanken und Energien auf die Lösungen von Problemen.

Dadurch, daß sie daran glauben, etwas bewirken zu können, durch ihren beinahe unerschütterlichen Optimismus, den Pessimisten für Naivität halten, kämpfen sie für die Erreichung ihrer Ziele und lassen sich auch durch Mißerfolge nicht entmutigen - mit dem Ergebnis, daß ihre Visionen sehr häufig Wirklichkeit werden.

Optimisten sind auch keine "Strahlemänner", die mit einem ewigen Lächeln durch die Welt gehen, immer guter Dinge sind und nur positiv über sich, die anderen oder das Leben reden.

Ebensowenig gehen Pessimisten stets mit einem griesgrämigen Gesicht durch die Welt und denken und reden immer nur negativ.

Optimisten kennen auch die Gefühle Ärger, Angst und Trauer. Auch sie fühlen sich manchmal hoffnungslos oder sind verzweifelt. Sie zweifeln manchmal auch und sind sich ihrer Sache nicht immer 100-prozentig sicher.

Im Gegensatz zu den Pessimisten halten diese Phasen, in denen sie nicht so gut drauf sind, jedoch nicht sehr lange an. Sie verharren nicht in Lethargie, wenn sie mit einer Situation konfrontiert sind, in der sie rat- und hilflos sind.

Sobald sie sich quasi vom ersten Schock erholt haben, beginnen sie, das Leben wieder aktiv anzugehen und ihr Denken in eine andere, eher lösungsorientierte Richtung umzulenken.

Verlangen Sie also nicht von sich, nun in jeder Situation optimistisch und positiv sein zu müssen.

Erlauben Sie sich, traurig, verärgert, ängstlich und verzweifelt sein zu dürfen.

Diese Gefühle gehören zum Leben - auch zum Leben eines Optimisten. Wichtig ist nur, sich von diesen Gefühlen nicht lähmen zu lassen.

Seite 5/20 Pessimismus - kann er auch von Vorteil sein?


Dr. Rolf Merkle
Dr. Rolf Merkle

Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Ich arbeite seit 35 Jahren mit Begeisterung als Psychotherapeut. In meiner Freizeit koche ich leidenschaftlich gerne, spiele Squash und interessiere mich für Kunst.

Was ich für das Wichtigste im Leben halte? Sein Leben so erfüllt zu leben, wie nur möglich. Denn nur wer mit sich zufrieden ist, kann mit anderen Menschen positive Beziehungen haben.


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