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Angst vor dem Rotwerden (Erythrophobie) - wie damit umgehen?

© Autorin: Dr. Doris Wolf Psychotherapeutin

Gerade hat Frau M. das Haus verlassen, als sie den Hausbesitzer schon von weitem entgegenkommen sieht. Blitzschnell laufen ihr Gedanken durch den Kopf: "Bloß jetzt nicht rot werden, sonst denkt der, ich habe etwas zu verbergen oder will etwas von ihm."

Schon ist es passiert. Sie spürt die Röte in sich aufsteigen und würde am liebsten im Erdboden versinken. Und so geht es ihr immer - seit ihrem 11. Lebensjahr leidet sie unter ihrem Erröten, meidet viele Situationen aus Angst, andere nennen sie "Rotbäckchen" und lachen sie aus.

Wie gerne würde sie auch mal locker und entspannt in geselliger Runde etwas erzählen, an der Kasse im Supermarkt reklamieren oder unbefangen mit der Nachbarin auf einen Plausch zusammenstehen. Ihr Rotwerden und die Angst vor dem Rotwerden machen ihr dies unmöglich.

Was passiert im Körper, wenn wir erröten?

Rein medizinisch gesehen kommt unser Erröten dadurch zustande, dass unser Gehirn Hormone aussendet, unser Blutdruck steigt und sich die Gefäße erweitern. Die Erweiterung der Gefäße führt dazu, dass wir uns abkühlen und im Körper immer eine konstante Temperatur erhalten bleibt.

Das Erröten ist eine ganz normale gesunde Reaktion, die wir selbst in uns auslösen können, beispielsweise dadurch, dass wir in die Sauna gehen oder den Kopf nach unten hängen lassen.

Wenn wir von Erröten sprechen, dann meinen wir damit natürlich nicht das Rotwerden, das wir bewusst hervorrufen, sondern jene körperliche Reaktion, die uns scheinbar unvermittelt und in den unpassendsten Situationen überfällt.

Wir meinen den roten Kopf, der unsere Unsicherheit, Scham oder Betroffenheit deutlich und nach außen sichtbar macht. Wir meinen "diese rote Birne", die unkontrolliert und ohne unser Zutun aufleuchtet. Doch halt:

Nach wissenschaftlichen Erkenntnissen rufen wir das Erröten selbst hervor.

Unser Körper führt lediglich unseren Auftrag zum Rotwerden aus.

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Warum erröten wir?

Ganz einfach, wann immer wir ein Ereignis als gefährlich, peinlich oder unangenehm für uns ansehen, erzeugen wir eine Anspannung in unserem Körper. Bei manchen Menschen äußert sich diese Anspannung darin, dass sie sich im Gesicht durch Rotwerden niederschlägt.

Da wir es nicht gerne haben, wenn andere Menschen uns unsere Gefühle im Gesicht ablesen können, beginnen wir uns für das Rotwerden zu verurteilen.

Wir beginnen, uns darum zu sorgen, dass wir nicht rot werden. "Hoffentlich werde ich nicht rot. Das wäre schrecklich. Der andere würde mich für einen Schwächling und unsicheren Menschen halten", solche Gedanken gehen uns durch den Kopf.

Schließlich sind wir in einem Kreislauf gefangen: Je mehr wir uns besorgt beobachten und uns das Rotwerden verbieten, desto häufiger werden wir rot.

Und desto empfindlicher reagieren wir darauf, dass andere uns auf unser Rotwerden ansprechen. Wir beginnen, die Situationen zu meiden, in denen wir rot werden könnten, und werden in immer mehr Situationen rot.

Besonders Menschen, die immer und von jedem Menschen gemocht werden wollen und fehlerlos sein wollen, leiden unter dem Erröten und der Angst davor.

Erroeten-Erythrophobie.html

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Was hilft gegen das Erröten im Gesicht? Wie vermeiden, rot zu werden?

TIPP 1. Geben Sie anderen Menschen die Erlaubnis, Ihr Rotwerden zu sehen. Je mehr Sie es verstecken wollen, desto mehr Anspannung erzeugen Sie und desto länger wird die Röte auch bestehenbleiben.

Was ist so schlimm daran, wenn andere sehen, dass Sie rot werden? Ist das eine so große Schande, dass Sie davor Angst haben müssen? Ist das Erröten ein so großer Makel, dass Sie es unter allen Umständen verbergen müssen?

Machen Sie sich klar: "Andere Menschen dürfen mein Rotwerden sehen. Es ist meine Art zu reagieren. Sie können daraus nicht meine Gedanken und Gefühle ablesen.

Röte kann Freude, Angst, Erregung, Scham, Wut und viele andere Gefühle bedeuten. Zudem ist es nicht sicher, dass andere mein Rotwerden überhaupt wahrnehmen.

Viele Menschen sehen das Rotwerden nicht als Schwäche, sondern als eine sehr menschliche und sympathische(!) Reaktion."

TIPP 2. Erlernen Sie folgende Atemübung. Diese hilft Ihnen, sich zu entspannen:
Legen Sie Ihre Hand flach 2 cm unterhalb des Nabels auf die Bauchdecke. Dann atmen Sie tief ein und stellen sich vor, wie der Atem langsam bis hinunter zu Ihrer Hand fließt und schließlich Ihre Hand hoch atmet.

Dann stellen Sie sich vor, wie der Atem wieder über den Brustraum zurück über die Nase nach außen entweicht, und konzentrieren sich darauf, wie die Hand wieder nach unten sinkt. Wiederholen Sie diese Technik mehrere Minuten lang.

TIPP 3. Stärken Sie Ihr Selbstvertrauen und vor allem Ihr Selbstwertgefühl. Lenken Sie Ihren Blick auf Ihre Stärken und Fähigkeiten. Dann macht es Ihnen nicht mehr so viel aus, was andere von Ihnen denken.

Je mehr Sie von sich überzeugt sind, je weniger Sie selbst sich für das Rotwerden verurteilen, umso weniger macht Ihnen das Erröten etwas aus.

TIPP 4. Übergehen Sie in Gesellschaft anderer Kommentare wie "Glühwürmchen" oder "Ach wie niedlich, jetzt wird sie wieder rot". Im Augenblick haben Sie so reagiert, nicht mehr und nicht weniger. Ihrem Partner sollten Sie mitteilen, dass er Ihnen mit solchen Kommentaren nicht hilft.

Frau hat Angst vorm Erröten

Eine umfassende Videoberatung zur Angst vorm Erröten finden Sie in der Angst Videoberatung.


Dr. Doris Wolf
Dr. Doris Wolf

Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Schon immer hatte ich ein offenes Ohr für die Sorgen anderer. Deshalb war es mein Herzenswunsch, als Psychotherapeutin zu arbeiten.

Einen Ausgleich zu meiner beruflichen Tätigkeit finde ich im Nordic Walking, dem Jin Shin Jyutsu, in täglicher Meditation und der Kuchenbäckerei.


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