Schuldgefühle überwinden


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Wenn Schuldgefühle zur Qual werden

Schuldgefühle

"Wie konntest du das nur vergessen!" "Wie konntest du dich nur so unmöglich benehmen!" "Das hätte dir nicht passieren dürfen".
Das sind Vorwürfe, die uns - und wohl auch Ihnen sehr vertraut sind. Wir haben sie als Kind von unseren Eltern gehört, aber heute sind wir diejenigen, die sie nahezu täglich vor sich herbeten.

Geht es Ihnen auch so? Beobachten Sie sich mal einen ganzen Tag lang. Wie häufig schimpfen Sie mit sich? Haben Sie sich auch schon mal vorgeworfen, eine Banküberweisung nicht getätigt zu haben, den Laternenpfahl beim Einparken übersehen zu haben, ein Glas Rotwein auf den Teppichboden gekippt zu haben (obwohl Sie sich innerlich noch so halbwegs gedacht haben, dass das schiefgehen würde), bunte Socken mit der Weißwäsche mitgewaschen zu haben, usw? Es gibt täglich tausende von Anlässen, sich Vorwürfe zu machen und mit Worten auf sich einzuschlagen.

Vielleicht werden Sie fragen, was denn daran so schlimm sei. Nun, es sind die Folgen, die aufgrund solcher Selbstvorwürfe entstehen. Wenn wir uns vorwerfen, etwas falsch gemacht zu haben, und uns dafür verurteilen, dann erzeugen wir Spannung in unserem Körper. Wenn der Magen unser schwächster Punkt im Körper ist, bekommen wir Magenschmerzen. Andere bekommen Kopfschmerzen, Muskelverspannungen, Heißhunger nach Essen, Herzstechen oder Atemnot. Vielleicht fühlen wir uns einfach "nur" gereizt und ärgerlich. Vielleicht geben wir aber auch unseren Druck an unsere Kinder, den Partner oder unseren Hund weiter, indem wir diese anschnauzen. Eine andere Folge unserer Selbstvorwürfe sind Depressionen. Wir fühlen uns als Versager und kleine Würmer, die nichts zustande bringen. Haben wir uns genügend viele Selbstvorwürfe eingehämmert, können wir sogar in völlige Passivität und Mutlosigkeit verfallen. Unsere Gedanken spiegeln sich also immer in unserem Körper und in unseren Gefühlen wider.

Keine Angst, wir wollen hier nichts beschönigen. O.k., wir haben einen Fehler gemacht. Es wäre besser gewesen, die fällige Rechnung zu begleichen, dem Laternenpfahl auszuweichen, das Rotweinglas nicht so voll zu machen, usw. Aber es wäre lediglich besser und angenehmer gewesen. Das heißt jedoch nicht, dass wir uns so hätten verhalten müssen.

Wir Menschen sind so konstruiert, dass wir nicht in die Zukunft sehen können, Situationen und Menschen falsch wahrnehmen und bewerten, nicht immer alle Erfahrungen in unsere Entscheidungen mit einbeziehen. So traurig das ist, es ist leider die unumgängliche Tatsache. Was bedeutet diese Tatsache für uns, wenn wir uns bei einem Fehler ertappen?

Was Sie tun können, um Ihre Selbstvorwürfe abzubauen

1. Nehmen Sie Ihre Fehler zur Kenntnis und übernehmen Sie die Verantwortung dafür. Beispielsweise: "Ich habe einen Mahnbescheid erhalten, weil ich die Rechnung verlegt habe". "Ich habe eine Delle im Auto, weil ich den Laternenpfahl nicht beachtet habe".

2. Werten Sie jedoch lediglich diesen Fehler, nicht jedoch Ihre Person als negativ, und überlegen Sie, wie Sie diesen Fehler korrigieren und in Zukunft vermeiden können.
"Ich habe nicht in meinem besten Interesse gehandelt, aber es ist nun mal passiert. Ich bin ein Mensch, der Fehler macht. Ich habe die Situation falsch eingeschätzt. In Zukunft werde ich mehr darauf achten, indem ich ... tue".

Es ist absolut sinnlos, sich vorzuwerfen "Ich hätte mich doch anders verhalten müssen. Wie konnte ich mich nur so verhalten". Sie haben sich so verhalten, weil Sie ein Mensch sind, der Fehler macht. Als Menschen sind wir "beschränkt" in unserer Einschätzung. Wenn Sie Reis und Wasser in den Kochtopf geben, dann erhalten Sie Reis. Es nützt Ihnen dann nichts zu sagen "Wie konnte ich nur Reis in den Topf geben. Ich hätte Kartoffeln reingeben sollen, weil ich lieber Kartoffeln esse". Sie haben sich vor Beginn des Kochens mehr Gründe dafür gegeben, Reis in den Topf zu füllen als für Kartoffeln. Statt der Selbstverurteilung genügt die Feststellung: "Ich habe Reis gekocht und jetzt Reis auf dem Teller. Schade, lieber hätte ich jetzt Kartoffeln gegessen."

3. Wenn Sie sich im Verlauf des Tages bei Selbstvorwürfen ertappen, dann erinnern Sie sich daran: "Ich bin bereit, die Situation so zu akzeptieren, wie sie ist. Ich habe mein Bestes gegeben." Sie können in jedem Augenblick nur danach handeln, was Sie in dem Augenblick für richtig halten - auch wenn es sich später als falsch herausstellt.

Vielleicht werden Sie jetzt einwenden: "Das ist ja alles schön und gut für solche Kleinigkeiten, aber bei den wirklich großen Entscheidungen darf doch kein Fehler passieren". Beispielsweise habe ich Patienten in der Praxis, die sich vorwerfen, einen bestimmten Partner geheiratet zu haben, schwanger oder tablettensüchtig geworden zu sein oder die Schulausbildung abgebrochen zu haben. Doch auch hier gilt das gleiche Prinzip. Es ist wichtig, sich einen Fehler einzugestehen. Wenn wir ihn verleugnen oder die Schuld auf anderere schieben, können wir ihn nicht korrigieren. Es ist jedoch absolut ungesund und irrational, sich widerkäuend wie eine Kuh den Fehler ständig vorzuwerfen. Sie haben getan, was Sie für richtig gefunden haben und wozu Sie zu dem Zeitpunkt körperlich und psychisch fähig waren. Wenn Sie es heute anders sehen, dann können Sie sich heute anders verhalten. Damals waren Sie noch nicht so weit.

4. Akzeptieren Sie Ihre menschliche Begrenztheit. Wir alle lernen bis zum Zeitpunkt unseres Todes und werden doch niemals perfekt sein. Wir können lediglich aus unseren Fehlern lernen und uns darum bemühen, denselben Fehler nicht zweimal zu machen.

© 2001-2007 Dr. Doris Wolf - Hilfe zur Selbsthilfe bei Schuldgefühlen
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