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Haben Sie schon einmal von anderen den Vorwurf gehört „Du mit deinem Perfektionismus!“ oder „Du willst immer etwas Besseres sein!“? Oder haben Sie selbst den Verdacht bzw. die Einsicht, ein Perfektionist zu sein?
Dann wollen wir uns hier einmal genau anschauen, was denn Perfektionismus genau ist, welche Folgen er für uns hat und wie man mit ihm umgehen kann.
Perfektionismus oder das Streben nach Perfektion beeinflusst unsere gesamte Person.
Perfektionismus äußert sich in unserem Denken.
Beispielsweise haben wir Einstellungen wie:
Als Perfektionisten sind in unserer Aufmerksamkeit darauf gerichtet, Fehler und Schwächen bei uns und anderen besonders gut zu erkennen. Fehler nehmen wir zum Anlass, uns zu verurteilen.
Wir setzen uns unter Druck und dulden keine mildernden Umstände. Wir sind sehr rigide und können nicht ab und zu geben.
Perfektionismus hat Auswirkungen auf unseren Körper:
Unser Streben nach Perfektion führt zu Anspannung und innerer Unruhe. Im Grunde bringen wir uns in einen Stresszustand und können alle Symptome, die mit Stress verknüpft sind, verspüren.
Perfektionismus hat Auswirkungen auf unsere Gefühle.
Wir haben Angst vor Fehlern, Angst zu versagen, Angst vor Ablehnung und Angst vor Erfolg.
Perfektionismus hat Auswirkungen auf unser Verhalten.
So tun wir uns z.B. schwer, eine Arbeit zu beenden, weil sie aus unserer Sicht noch nicht perfekt ist. Wir trauen uns nicht an neue Aufgaben, weil wir Angst haben, uns dumm anzustellen oder etwas falsch zu machen. Machen wir bei einer Aufgabe einen Fehler, brechen wir sie ab, anstatt sie weiterzuführen. Wir verheimlichen vor anderen, dass wir ein bestimmtes Ziel anstreben. Wenn wir es nicht erreichen, dann weiß es wenigstens keiner. Wir vermeiden es, uns Ziele zu setzen, weil wir uns dadurch Enttäuschungen ersparen wollen.
Irgendwann in unserem Leben gewöhnlich in der frühen Kindheit haben wir öfters die Erfahrung gemacht, dass wir nur dann Zuwendung und Anerkennung bekommen, wenn wir perfekt sind, gewisse Standards und die Erwartungen der anderen erfüllen. Wir fühlen uns irgendwie nicht in Ordnung und liebenswert und sind deshalb sehr stark auf die Anerkennung unserer Mitmenschen angewiesen. In der Perfektion sehen wir die Lösung, Anerkennung zu bekommen.
D.h., letzlich sind für den Perfektionismus ein geringes Selbstwertgefühl und die daraus resultierende Angst, nicht gut genug zu sein und die Angst vor Ablehnung verantwortlich.
Die Forderung nach Perfektion ist eine Aufgabe, die wir nicht erfüllen können. Es mag uns vielleicht gerade noch gelingen, in einem begrenzten Bereich zu einem bestimmten Zeitpunkt perfekt zu handeln, aber über alle Bereiche und zu jedem Zeitpunkt ist dies für uns unmöglich. Das übersteigt generell die menschlichen Fähigkeiten.
Wenn wir also Perfektion von uns fordern, sind wir zum Scheitern verurteilt. Wir schaden uns damit. Und dass wir von anderen die ersehnte Zuwendung bekommen, trifft auch nur selten ein, da Perfektion häufig zu Neid und Ablehnung bei anderen führt und man als Streber angesehen wird.
Die Forderung nach Perfektion führt dazu, dass wir
An dieser Stelle möchte ich zuerst eine Warnung aussprechen: Fordern Sie nicht von sich, dass Sie das Streben nach Perfektion 100-prozentig überwinden müssen sonst sind Sie erneut in die Perfektionismus Falle getappt und Ihrem Ehrgeiz wieder auf den Leim gegangen.
1. Beginnen Sie damit, schriftlich Bilanz zu ziehen:
In welchem Verhalten schlägt sich Ihr Streben nach Perfektion nieder im Beruf und im Privatleben? Was tun Sie besonders intensiv? Was meiden Sie?
2. Welchen Gewinn und welchen Verlust haben Sie durch diese Verhaltensweisen?
3. Suchen Sie nach den Gründen für Ihr Perfektionsstreben:
Was würde passieren, wenn Sie eine Aufgabe nicht perfekt erledigen würden? Wovor haben Sie Angst? Z.B. mangelnde Anerkennung und Bestätigung durch andere, den Erwartungen der anderen nicht gerecht zu werden, Ablehnung durch andere, Selbstablehnung, Schuldgefühle, Scham.
4. Wie müssten Sie denken, um lockerer mit der Situation umgehen zu können?
Wenn Sie sich schwer tun, eine neue Sichtweise zu finden, könnte es Ihnen helfen, sich bei Ihren Freunden umzuhören. Wer Ihrer Freunde geht lockerer mit den Anforderungen und Aufgaben in seinem Leben um? Wie denkt dieser?
Hier ein paar Vorschläge:
Ich bin liebenswert, was auch immer ich tue.
Ein Fehler stellt nicht meine Erfolge in Frage.
Solange niemand in Lebensgefahr ist, kann ich auch mal einen Fehler machen oder eine Aufgabe nur zu 80 Prozent gut machen.
Ein Fehler ist eine Chance, dazu zu lernen.
Fehler machen ist menschlich.
5. Malen Sie sich in der Vorstellung aus, wie Sie mit Ihrer neuen Einstellung an zukünftige Aufgaben herangehen und anders mit diesen umgehen.
6. Dann wagen Sie sich, Ihr neues Verhalten auch in der Realität zu zeigen.
An dieser Stelle müssen Sie damit rechnen, dass Sie sich zu Beginn sehr unwohl fühlen. Sie haben das Gefühl, es sei nicht richtig, so entspannt und locker mit wichtigen Aufgaben umzugehen. Mit zunehmender Übung wird dieses Gefühl verschwinden.
7. Lernen Sie, sich selbst mehr anzunehmen - stärken Sie Ihr Selbstwertgefühl
Dies ist Ihre wichtigste Aufgabe und vermutlich die größte Herausforderung. Solange Sie sich generell für nicht gut genug und nicht liebenswert fühlen, solange werden Sie versuchen, Ihr Selbstwertgefühl zu stärken, indem Sie herausragende Leistungen bringen. Nur wenn Sie sich als Person für liebenswert halten - unabhängig davon, wie gut Sie etwas machen, entziehen Sie Ihrem Streben nach Perfektion den Närboden und sind frei, lockerer mit Aufgaben und möglichen Fehlern umzugehen.
Es ist in Ordnung, etwas perfekt machen zu wollen und eine gute oder herausragende Leistung abzuliefern. Schädlich ist nur, sein Selbstwertgefühl von seiner Leistung und dem Ergebnis abhängig zu machen.
Die Forderung nach Perfektion ist eine sehr hartnäckige Angewohnheit. Dabei zählt jedes kleine Schrittchen, das Sie auf dem Weg zu größerer Freiheit und Spontaneität machen. Sie haben dafür ein dickes Lob verdient!
© 2010 Dr. Doris Wolf & Dr. Rolf Merkle - Perfektionismus - der Ehrgeiz, alles perfekt zu machen - das Streben nach Perfektion - krankhafter Ehrgeiz
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