Frauen in der Vergleichsfalle

Frauen sind meist anfälliger dafür in die Vergleichsfalle zu geraten als Männer. In diesem Beitrag erfährst du, woran das liegt und wie du dich aus der Fall befreien kannst.

Frauen in der Vergleichsfalle
© Christina Wocintechcheck, unsplash.com

Sich zu vergleichen und den Vergleichen innerlich standzuhalten fällt Frauen besonders schwer. Das ist, wie so vieles andere, auf unsere Vorfahren zurückzuführen. Evolutionsbiologisch waren Frauen nämlich mehr als Männer darauf angewiesen, im sozialen Verband zu leben. Wurden sie der Gesellschaft verstoßen, zum Beispiel weil sie sich nicht konform verhielten, bedeutete das zwangsläufig ein Leben in Einsamkeit und damit den sicheren Tod. Vor allem in der Zeit der Schwangerschaft und den ersten Monaten, in denen ein Säugling gestillt werden muss, war es von enormer Wichtigkeit für Frauen, von den anderen mitversorgt zu werden, da es viel weniger Möglichkeit gab, sich selbst Nahrung zu beschaffen oder die Feuerstelle warmzuhalten.

Die Anforderungen unserer modernen und hochtechnologisierten Gesellschaft sind viel komplexer geworden. Insbesondere Frauen beklagen sich häufig darüber, dass sie den Spagat zwischen Beruf und Familie nicht mehr zustande bringen – aber selbstverständlich ist es auch für Männer enorm schwer, ihren Platz zwischen alten Rollenbildern und neuen Herausforderungen zu finden. Doch selbst, wenn es heute mehr alleinerziehende Mütter als Väter gibt und jede Frau in der Lage wäre, ihr Leben ohne Partner und Versorger zu gestalten, arbeiten die alten Mechanismen immer noch in unserem Gehirn. 

Äpfel und Birnen – ungerechte Geschlechtervergleiche als gesellschaftliches Phänomen

Viele Frauen scheitern an dem Mix aus alten und neuen Ansprüchen, die ihnen von der Gesellschaft entgegengebracht werden: Es wird erwartet, dass sie Kinder in die Welt setzen (die einzige Sache, die ihnen die Männer wirklich nicht abnehmen können). Dennoch sollen sie nach kürzester Zeit wieder in den Beruf einsteigen und möglichst voll arbeiten. Einerseits sollen sie Elternzeit nehmen, um nicht nur selten wie der Wochenend-Papa für die Kinder da zu sein und als "Rabenmütter" zu gelten. Andererseits sollen sie sich im Beruf verwirklichen und ihre Frau stehen, die sich nicht immer von den Dingen daheim beeinflussen lässt. Und am besten sollen sie sich in ihrer Freizeit noch liebevoll um ihre Partner*innen kümmern oder in Vereinen engagieren. Egal, wie sie es machen, am Ende wirft ihnen doch irgendjemand vor, sie würden einen Teil ihrer Aufgaben nicht wirkllich gut erfüllen. Für viele Frauen bedeutet die Doppelrolle in Beruf und Familie ein immerwährendes Dilemma.

Dabei vergleichen sich Frauen nicht nur mit anderen Frauen, sondern vor allem mit Männern. Das ist bemerkenswert, weil beide Geschlechter vollkommen unterschiedliche Voraussetzungen haben. Wir können dankbar sein für alle Errungenschaften der letzten Jahre. Noch nie in der Menschheitsgeschichte hatten so viele Rechte und Möglichkeiten wie heute. Dennoch können wir hinterfragen, warum es viele Frauen darauf anlegen, die besseren Männer zu werden. Ist es wünschenswert, dasselbe Leben wie ein Mann führen zu wollen? 

Frage dich: Würdest du mit einem Mann tauschen wollen? Bist du wirklich davon überzeugt, dass sie es besser haben als Frauen? Natürlich gibt es bis heute Ungerechtigkeiten zwischen Mann und Frau: So verdienen beispielsweise Männer in den gleichen Positionen immer noch besser als Frauen. Doch das hat nichts mit den unterschiedlichen Fähigkeiten der Geschlechter zu tun, sondern einfach mit fehlender Gleichberechtigung. Sicher wäre eine Welt wünschenswert, in der Frauen nicht empowert werden und Männer sensibilisiert werden müssen, in der Frauen nicht aufgrund ihres Geschlechts, sondern als Individuum gleichberechtigt sind. Eine Welt, in der es keine Frauenquote geben muss, weil sie überflüssig ist. Weil jede und jeder nach ihrem und seinem Talent und Begabung arbeiten und sein darf.

Die Frage ist also: Welche Voraussetzungen muss eine Gesellschaft schaffen, damit eine Frau sowohl Kinder bekommen als auch die berufliche Selbstverwirklichung finden kann? Wie muss unser Zusammenleben sein, dass sich auch Frauen und Männer ohne Kinderwunsch oder Familie vollwertig und aufgenommen fühlen? Dass die Elternzeit mittlerweile auch für Männer in vollem Umfang zu genießen ist, ist eine große Errungenschaft und ein wichtiger Schritt dorthin. Nicht, damit Frauen schnellstmöglich wieder in den Job einsteigen können, sondern weil Männer, die den Wunsch verspüren, eine eigene, intensive Bindung zu ihren Kindern aufzubauen, diesem endlich entsprechen können. 

Wenn Frauen mit Männern verglichen werden ist es, wie Äpfel mit Birnen zu vergleichen. Beide haben andere Voraussetzungen und können nicht in einem eins zu eins ins Verhältnis gestellt werden.

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