Angst vor Ablehnung - wie damit umgehen?

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Furcht besiegt mehr Menschen als irgend etwas anderes auf der Welt.
Ralph Waldo Emerson


"Was wird sie von mir denken, wenn ich sie anspreche?" "Was wird er von mir denken, wenn ich ihm sage, dass ich keine Lust habe, mit ihm auszugehen?" "Was wird sie (die Verkäuferin) von mir denken, wenn ich, ohne etwas zu kaufen, wieder gehe?" "Was wird er (der Chef) von mir denken, wenn ich ihm sage, dass ich keine Überstunden machen will?" "Was wird er (der Ober) denken, wenn ich ihm sage, dass es nicht geschmeckt hat?"

Die Annahme hinter diesen Fragen ist immer: "Die anderen werden furchtbare Dinge über mich denken, und das könnte ich nicht ertragen. Das wäre schrecklich." Hinter diesen Fragen steckt also die Angst, von anderen abgelehnt zu werden, bzw. die Angst, dass diese Ablehnung schlimme Folgen für einen haben könnte. Gefühlsmäßig empfinden wir eine Ablehnung gleichbedeutend mit einem vernichtenden Urteil über unser Leben, so, als wäre das unser Ende.

Dieses Gefühl, eine Ablehnung nicht überleben zu können, rührt von unserer Kindheit her, in der die Ablehnung durch unsere Eltern tatsächlich etwas sehr Bedrohliches war. Wir waren damals noch nicht in der Lage, ohne unsere Eltern leben zu können. Wir waren auf sie angewiesen und darauf, dass sie für uns sorgten. Jeden strafenden Blick und jede Zurechtweisung empfanden wir damals als Gefahr, als eine "tödliche" Gefahr.

Als Erwachsene können wir zwar für uns selbst sorgen und sind von anderen nicht mehr in diesem Ausmaß abhängig, aber wir empfinden noch so wie das drei- oder fünfjährige Kind, das seinen Eltern auf Gedeih und Verderben ausgeliefert war. Wir tragen quasi immer noch den kleinen Jungen oder das kleine Mädchen in uns herum, das noch so denkt und fühlt wie früher. Das Kind in uns ist immer noch auf der seelischen Entwicklungsstufe von drei, fünf oder 10 Jahren. Es hat immer noch die gleichen Ängste wie damals, ist immer noch so unsicher und fühlt sich noch so hilflos. Warum ist das so?

Der Grund dafür ist, dass wir es versäumt haben, diesem kleinen Junge oder Mädchen in uns klarzumachen, dass wir erwachsen sind. Wir haben ihm keine Chance gegeben zu wachsen. Stattdessen haben wir alles getan, damit es/er sich nicht entwickeln konnte.

Nachdem unsere Eltern uns bewusst und unbewusst immer wieder belehrt und kritisiert hatten, haben wir das Urteil unserer Eltern über unsere Person übernommen und haben uns selbst die verletzenden und abwertenden Worte an den Kopf geworfen. Wir haben das Kind in uns durch negative Selbstgespräche klein gehalten.

Sind wir ängstlich und gehemmt, dann beschimpfen wir uns mit Worten wie Schlappschwanz, Feigling, Armleuchter und Angsthase, anstatt uns quasi in den Arm zu nehmen und uns Mut zu machen. Statt dem kleinen und schüchternen Mädchen Mut zu machen und ihm zu sagen, dass es nicht tragisch ist, wenn es Angst hat, schüchtern wir es noch mehr ein.

Durch die Frage "Was wird er/sie von mir denken?" verunsichern wir uns selbst und erzeugen unsere Hemmungen und Schüchternheit.

Wenn wir selbstsicher auftreten möchten, müssen wir lernen, von der Meinung der anderen nicht mehr so abhängig zu sein.

Die Folgen einer Überempfindlichkeit gegenüber Ablehnung

Unser Denken kreist ständig wie ein Karussell um die Fragen: Was werden die anderen von mir denken? Wie komme ich an? Diese Fragen beschäftigen uns pausenlos, wenn wir mit anderen zusammen sind – und auch, wenn wir uns zuhause im Kopf mit der Meinung anderer über uns beschäftigen. Verständlich, dass wir unsicher und gehemmt sind.

Wir legen jedes unserer Worte und jedes Wort der anderen auf die Goldwaage. Wir fragen uns permanent, was andere mit ihren Äußerungen gemeint haben könnten, und suchen nach Hinweisen auf eine Ablehnung. Die Folge: Wir sind im Beisein anderer ständig nervös, angespannt und besorgt. Da wir wenig aus uns herausgehen und uns im Hintergrund halten, wirken wir auf andere unbeholfen, langweilig, desinteressiert, distanziert, arrogant, unterkühlt, misstrauisch, ja vielleicht sogar feindselig. Je mehr wir uns schützen, indem wir uns zurückziehen und verstecken, umso mehr werden wir übergangen und umso mehr fühlen wir uns bestätigt, dass unsere Sicht von uns stimmt, nämlich, dass wir nicht in Ordnung sind.

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Wir haben ständig Angst, entdeckt und entlarvt zu werden, als der erkannt zu werden, für den wir uns selbst halten, einen Versager und minderwertigen Menschen. Wir fühlen uns ständig bedroht, selbst dann, wenn uns jemand ein Kompliment macht. Wir haben ständig Angst zu versagen und nicht zu genügen. Deshalb können wir nicht auf andere zugehen und keine so sehnlich gewünschte Partnerschaft oder Liebesbeziehung eingehen.

Dinge, die uns wichtig sind und die wir für richtig halten, äußern wir nicht. Diese Selbstverleugnung und die totale Leugnung der eigenen Bedürfnisse raubt uns den letzten Funken von Selbstrespekt und Selbstachtung und hat zur Folge, dass wir uns noch weniger leiden können. Ein Teufelskreis: aus Angst vor Ablehnung verleugnen wir uns und unsere Bedürfnisse, was zur Folge hat, dass wir uns noch weniger leiden können und selbst noch mehr verachten.

Die Angst, zu enttäuschen, wenn man sich so gibt, wie man zu sein glaubt, führt zu Isolation, Vereinsamung und Depressionen. Und warum befürchtet man, andere zu enttäuschen? Weil man selbst gering von sich denkt. Man denkt, man habe anderen nichts anzubieten oder noch schlimmer, man denkt, man sei ein Versager und minderwertig und deshalb wolle niemand etwas mit einem zu tun haben. Ein negatives Selbstbild ist die Ursache für die starke Angst vor Ablehnung. An diesem müssen Sie ansetzen, wenn Sie Ihre Angst überwinden wollen.

Video Angst vor Ablehnung
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Wie Sie Ihre Angst vor Ablehnung überwinden

Stärken Sie sich selbst den Rücken
Beginnen Sie bei dem Bild, das Sie von sich selbst haben.

Solange wir selbst schlecht auf uns zu sprechen sind, solange wir uns nicht leiden können, uns für jede Schwäche kritisieren und selbst nichts für uns übrig haben, so lange haben wir auch Angst vor Ablehnung und davor, dass andere nichts für uns übrig haben.

Petra hat Kontaktschwierigkeiten. Auf Parties kommt sie sich so verloren vor. Petra hält sich - gelinde ausgedrückt - für unattraktiv. Sie findet, dass ihr Busen zu klein ist, dass sie um die Hüften herum zu kräftig ist, und dass ihre Haare eine Katastrophe sind. Aufgrund ihrer vermeintlichen "Mängel" hält sie sich für unattraktiv und minderwertig. Niemand konnte sie bisher vom Gegenteil überzeugen, weder die Männer, die um sie wie Bienen um einen Honigkuchen schwärmen, noch ihre Bekannten und Freundinnen. Wenn Männer ihr sagen, dass sie hübsch und attraktiv ist, denkt sie sich: "Das sagt er nur, weil er mir schmeicheln will. Das sagt er nur, um mir nicht weh zu tun". Sie unterstellt allen Männern also, dass diese unehrlich sind. Sie legt anderen das Urteil in den Mund, das sie bereits über sich selbst gefällt hat.

Rita hat Hemmungen, sich alleine in ein Straßencafé zu setzen oder alleine eine Veranstaltung zu besuchen. Sie denkt sich, die anderen würden von ihr denken, sie sei auf Männersuche - was tatsächlich der Fall ist -, oder die anderen würden denken, sie hätte keinen Mann abbekommen. Auf meine Frage, was denn so schlimm daran sei, wenn andere tatsächlich denken würden, sie suche einen Partner, druckst sie herum. Schließlich sagt sie unter Tränen: "Ohne Mann ist man einfach nichts wert. Die anderen denken bestimmt, dass mit mir etwas nicht stimmt, weil ich keinen Partner habe." Sie hält sich also für minderwertig, da sie keinen Partner hat, und befürchtet, andere könnten über sie das gleiche vernichtende Urteil fällen.

Sie sehen an diesen Beispielen: So wie man von sich selbst denkt, so glaubt man, dass auch andere von einem denken. Wenn man sich für pervers, unattraktiv, nicht liebenswert, dumm und minderwertig hält, dann denkt man automatisch, dass auch andere so von einem denken, und man hat Hemmungen, selbstsicher aufzutreten und ist schüchtern.

Wenn Sie also Ihre Angst vor Ablehnung überwinden möchten, dann müssen Sie bei der Meinung beginnen, die Sie von sich haben. Sie müssen vor all den anderen, d.h. als erster beginnen, sich anzunehmen, so wie Sie sind - mit Ihren Fehlern und Mängeln. Erst wenn Sie selbst davon überzeugt sind, dass Ihre Fehler und Mängel nichts, aber auch gar nichts, an Ihrem Wert als Mensch ändern, erst wenn Sie sich für liebenswert halten, dann, aber auch wirklich erst dann, berührt es Sie kaum, wie andere über Ihre Fehler und Mängel denken. Erst dann sind Sie nicht mehr krampfhaft auf der Suche nach Bestätigung und Anerkennung. Erst dann haben Sie nichts mehr zu verlieren, und niemand kann Ihnen etwas wegnehmen, denn dann sind Sie derjenige, der die Maßstäbe setzt und darüber entscheidet, wer und was Sie sind. Schauen Sie sich das Video zum Thema Selbstliebe und Selbstannahme an.

© 2003-2010 Dr. Doris Wolf & Dr. Rolf Merkle - Hilfe bei Angst vor Ablehnung
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