Habe keine Angst zu versagen - lerne mit Misserfolgen umzugehen

Du hast Angst zu versagen? Hier findest du hilfreiche Erste-Hilfe-Selbsthilfe Strategien für den Umgang mit der Versagensangst.

Habe keine Angst zu versagen - lerne mit Misserfolgen umzugehen
© Miikka Luotio, unsplash.com

Du machst dir im Augenblick das Leben ziemlich schwer, weil du von dir erwartest, keine Fehler machen und nicht versagen zu dürfen. Du willst alles perfekt machen, weil du sonst in deinen Augen oder denen der anderen als Versager darstehen würdest.

Aus Angst vor dem Versagen meidest du Tätigkeiten, bei denen du dich blamieren könntest. Du vermeidest es, im Mittelpunkt zu stehen, hast Angst, eine Rede zu halten oder ein zwangloses Gespräch zu führen.

Entscheidungen treffen fällt dir schwer und du hast Angst davor, weil du von dir verlangst, unbedingt die "richtige" Entscheidung treffen zu müssen.

Da du aber nicht in die Zukunft sehen kannst, weißt du wahrscheinlich nicht, ob sich deine Entscheidung in der Zukunft als richtig erweist. Du schiebst Dinge auf, weil du glaubst, dir fehle das Wissen oder die Fähigkeit, sie richtig zu machen.

Hast du dein Ziel, etwas perfekt zu machen, erreicht, gönnst du dir vermutlich nur wenig Ruhe oder betrachtest deine Leistung als Zufall oder als selbstverständlich. Außerdem glaubst du, andere Menschen sehen dich ebenso, wie du dich selbst, als Versager und trauen dir nichts zu.

Begleiterscheinungen deiner Angst zu versagen:

Perfekt sein wollen, neue Aktivitäten meiden oder aufschieben; Angst, dich zu blamieren; Angst, eine Entscheidung zu treffen; vermeiden, im Mittelpunkt zu stehen; dich als Versager verurteilen; dich abwerten.

Du verspürst vielleicht körperliche Symptome wie Anspannung, Unruhe, Herzklopfen, Schweißausbruch, Beklemmung, Übelkeit, Schwindel und hast Konzentrationsstörungen. Dir gehen Gedanken durch den Kopf wie: "Ich könnte es nicht ertragen, einen Fehler zu machen." "Es wäre schrecklich, wenn ich versagen würde."

Videoberatung Versagensangst

Was du bei Angst vor Misserfolg tun kannst

Gib die Forderung auf, perfekt sein zu können
Wir Menschen werden fehlerhaft geboren und sterben fehlerhaft. Selbst wenn du es in einem Moment in einem Bereich schaffst, perfekt zu sein, kannst du im nächsten Augenblick schon einen Fehler machen. Du kannst immer nur nach dem handeln, was du zu einem bestimmten Zeitpunkt an Wissen hast.

Du kannst nicht in die Zukunft schauen und auch nicht mit Sicherheit vorhersehen, wie andere reagieren werden. Sage dir: "Ich bin bereit zu akzeptieren, dass ich, wie alle Menschen, ein fehlerhafter Mensch bin". Halte dir immer vor Augen: Nur weil du ein fehlerhafter Mensch bist, heißt das nicht, dass du eine Fehlkonstruktion bist.

Setze dein Verhalten in einer Situation in Relation zu deinem gesamten Leben
Erinnere dich daran, dass ein Verhalten zu einem bestimmten Zeitpunkt nur ein einziges Mosaikteilchen all deiner Fähigkeiten und Erfolge darstellt. Wenn ein Mosaiksteinchen aus einem Mosaik bricht, bleibt das gesamte Mosaik dennoch als Mosaik erhalten.

Ein einzelner Fehler kann dich niemals zum Versager machen. Ein Misserfolg stellt nicht all deine Erfolge und guten Taten in der Vergangenheit in Frage.

Denke deine Katastrophen-Gedanken zu Ende
Frage dich: "Was kann schlimmstenfalls passieren, wenn ich einen Fehler mache?" "Bin ich dann in Lebensgefahr?" "Bringe ich andere Menschen in Gefahr?" "Wie denke ich wohl über diesen Fehler in 10 Jahren?" Wenn du ehrlich bist, wirst du feststellen, dass du mit deinen Befürchtungen übertreibst.

Suche nach Lösungsmöglichkeiten
Was wäre, wenn dir der Fehler passieren würde? Wie kann/könnte es weitergehen, wenn du wirklich einen Fehler machen oder versagen würdest? Wie könntest du deinen Fehler korrigieren oder wiedergutmachen? Was würdest du für die Zukunft daraus lernen können?

Den größten Fehler, den man im Leben machen kann, ist, immer Angst zu haben, einen Fehler zu machen.
Dietrich Bonhoeffer

Rufe dir ganz bewusst deine Erfolge in Erinnerung
Worauf kannst du stolz sein? Was hast du an schwierigen Aufgaben und Situationen bisher in deinem Leben schon bewältigt? Indem du dich an deine Erfolge erinnerst, kommst du in eine positive Stimmung und hast mehr Vertrauen in dich und deine Fähigkeiten.

Werde trotz der Angst aktiv und gehe ein Risiko ein
Nimm eine selbstbewusste Körperhaltung ein und tue mit der Einstellung: "Ich gebe mein Bestes", genau das aus, was du tun würdest, wenn du keine Angst vor Fehlern hättest. Eine Angst besiegt und überwindet man am besten, indem man sich ihr stellt. Vor der Angst davonlaufen macht die Angst stärker.

Notiere dir das Für und Wider
Wenn du Angst vor einer Entscheidung hast, schreibe das Für und Wider für deine Verhaltensalternativen auf. Sortiere die Argumente nach Wichtigkeit und entscheide dich dann für eine der Alternativen.

Erinnere dich daran: Du kannst immer nur nach dem entscheiden, was du im Augenblick weißt und an Fähigkeiten besitzt.

Sieh deine Fehler als deine Trainer
Präge dir die Einstellung ein: "Fehler sind Chancen, dazu zu lernen. Einen Fehler zu machen, bedeutet, dass ich den Mut hatte, aktiv zu werden."

Betrachte deine Fehler und Misserfolge als Denkanstöße
Ein Misserfolg ist nur solange ein Misserfolg, wie du ihn als solchen ansiehst. Ändere deine Einstellung. Betrachte Misserfolge und Niederlagen als Denkanstöße.

Frage dich: Was kann ich daraus für mich lernen? Betrachte das Leben als immerwährenden Lernprozess, als das Sammeln von Erfahrungen und als Entwicklung.

Dann gibt es keine Fehler, Niederlagen oder Misserfolge mehr und deine Angst zu versagen nimmt ab.

Michael Jordan, der vermutlich beste und berühmteste Basketballspieler aller Zeiten sagte einmal:

Ich habe mehr als 9000 Mal daneben geworfen. Ich habe fast 300 Spiele verloren. 26 Mal vertraute man mir den möglichen Siegeswurf an - und ich habe ihn versiebt.

Michael Jordan ließ sich durch seine Misserfolge nicht entmutigen und er entwickelte auch keine Angst, zu versagen. Er betrachtete seine Misserfolge und Fehler als Denkanstöße und trainierte jedes Mal danach noch härter und verbesserte so seine Spielleistung.

Wenn du einen Fehler begehst, dann bist du deshalb keine Fehlkonstruktion
Ein Fehler ist vergleichbar mit einem faulen Apfel auf einem gesunden Apfelbaum. Der Apfelbaum ist und bleibt ein Apfelbaum, auch wenn er einen oder einige faule Äpfel trägt.

Lerne, zu akzeptieren, dass du ab und zu Fehler machen wirst. Du bist und bleibst ein liebenswerter Mensch. Versagen macht dich nicht zu einem Versager.

Wenn du an den Ursachen deiner Angst, zu versagen, ansetzen möchtest

Hinter deiner Angst, zu versagen und zu scheitern, verbirgt sich ein geringes Selbstwertgefühl, das zur Folge hat, dass dein Selbstvertrauen gering ist. Du verurteilst dich selbst für deine Fehler und Schwächen und hast deshalb Angst, andere würden dich auch ablehnen. Und du machst deinen Selbstwert von deiner Leistung bzw. von Erfolgen abhängig.

Du sagst quasi: "Ich bin, was ich tue". Lerne, dich selbst mehr anzunehmen und dir deine Fehler und Schwächen zu verzeihen.

Lerne, die Forderung aufzugeben, perfekt sein zu müssen. Entwickle ein Selbstmitgefühl, d.h. habe Verständnis für deine Fehler und Schwächen. Verzeih dir diese. Wir Menschen werden fehlerhaft geboren und sterben fehlerhaft. Selbst wenn du es in einem Bereich schaffst, alles richtig zu machen, kannst du im nächsten Augenblick schon einen Fehler machen.

Wichtig zu wissen: Du kannst immer nur nach dem handeln, was du zu einem bestimmten Zeitpunkt an Wissen hast. Du kannst nicht in die Zukunft schauen und vorhersehen, wie andere reagieren werden.

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Froggy schreibt am 09.10.2020

Liebe Frau Wolf
Was Sie hier über das Fehler-Machen schreiben, stimmt ja alles. Aber die Arbeitgeber sehen das leider anders. Der Arbeitsmarkt wird immer harter und wenn man auch nur den geringsten Fehler macht, wird man fast als Kapital-Verbrecher hingestellt. Man kann es ja teilweise verstehen. Auch ein kleiner Fehler kann zu Kapitalverlust für die Firma führen.
Liebe Grüsse von Froggy


Sevgi Ben Fadhel schreibt am 03.09.2021

Liebe Frau Wolf, in einer langanhaltenden ungelösten Konfliktsituation an meinem Arbeitsplatz, weil die Schulleitung mit zu den Mobbern gehörte, habe ich mich mit meiner Geschichte an die Bezirksgegierung gewandt. Die Deckeln weiter. Obwohl ich recht habe und das mobbing abstellen wollte, bin ich nach 2 Jahren Kamof am Ende von Kraft und stehe vor der Arbeitslosigkeit. Ich habe mir jetzt den Vorwurf gemacht, einfach zu schweigen. Weil ich nicht damit gerechnet habe, dass das System so etwas erlaubt. Das tut es aber scheinbar. Und ich springe über die Klinge.
S. B F

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 Wenn du an den Ursachen deiner Angst, zu versagen, ansetzen möchtest
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