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Eingeengte Wahrnehmung

© Autor: Dr. Rolf Merkle Psychotherapeut

Eine besonders raffinierte Strategie Ihres Kritikers (mehr zum Kritiker in uns)besteht darin, Ihr Augenmerk auf ganz bestimmte Dinge zu lenken und Ihren Blick für andere Dinge zu verschließen.

Es geht Ihnen dann wie jenen blinden Menschen, die einen Elefanten betasteten.

Derjenige, der die Beine des Elefanten betastete, sagte, der Elefant habe die Form einer dicken Säule.

Derjenige, der den Rüssel betastete, behauptete, der Elefant habe die Form eines langen Schlauches.

Jeder dieser blinden Menschen glaubte, den Elefanten richtig zu beschreiben, und doch hatte jeder von ihnen nur einen Teil von ihm beschrieben.

So verfährt auch Ihr Kritiker. Er macht Sie blind für die anderen (positiven) Seiten und Eigenschaften Ihrer Person. Er richtet Ihr Augenmerk auf ein winziges (negatives) Detail und will Ihnen weismachen, das seien Sie.

In seiner Eigenschaft als Kritiker pickt er sich natürlich immer nur die schlechte Seite Ihrer Person heraus und niemals die gute Seite.

Ihr Kritiker pickt sich immer nur die Nachteile, die Schattenseiten oder die Fehler heraus und erweckt in Ihnen den Eindruck, als sei seine Beschreibung Ihrer Person vollkommen objektiv und zutreffend.

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Er setzt Ihnen eine Brille auf, die nur das Negative durchläßt und alles Schöne und Positive abhält.

Und da der Kritiker so geschickt darin ist, Ihre Wahrnehmung zu verzerren, glauben Sie, daß tatsächlich alles negativ ist.

Sie kochen ein 5-Gang Menü, alles schmeckt wunderbar, alle loben Sie - nur der Nachtisch kommt bei Ihren Gästen nicht so gut an.

Was tut Ihr Kritiker? Er hat nichts Besseres zu tun, als Ihr Augenmerk ausschließlich auf das Dessert und die negative Reaktion Ihrer Gäste zu lenken.

Er tut einfach so, als habe man Ihnen zuvor überhaupt keine Komplimente gemacht, und ruft Ihnen immer wieder nur das mißratene Dessert ins Gedächtnis.

Die Folge ist, Sie haben den Eindruck, das ganze Essen sei ein Reinfall und Sie hätten versagt.

Wenn ich Ihnen einen winzigen Ausschnitt von einem Gemälde zeigen würde - der Rest ist mit einem Tuch verdeckt - und ich würde Sie bitten, mir zu sagen, wie Ihnen das Bild gefällt, was würden Sie mir wahrscheinlich antworten?

Vermutlich würden Sie mir sagen, daß Sie sich aufgrund des winzigen Ausschnittes kein Urteil über das gesamte Bild machen können und daß Sie erst das ganze Bild sehen müßten, um sagen zu können, ob es Ihnen gefällt.

Ihr Kritiker jedoch handelt anders. Er pickt sich ein einziges Verhalten, einen winzigen Ausschnitt heraus und fällt aufgrund dieses winzigen Ausschnittes Ihrer Person ein Urteil über Ihre ganze Person.

Er nimmt eine Eigenschaft, ein Verhalten oder einen Vorfall, um über Sie ein generelles Urteil zu fällen.

Er läßt Sie in dem Glauben, daß das, worauf er Ihr Augenmerk richtet, die ganze Person ist.

Was Sie gegen die eingeengte Wahrnehmung unternehmen können

Zweifeln Sie auch hier Ihre Gedanken an und fragen sich: "Stimmt das?”. Bei näherem Hinschauen werden Sie zugeben müssen, daß Sie sich geirrt haben.

Wenn Sie sich bemühen, die Angelegenheit mit etwas Objektivität zu sehen, dann müssen Sie zugeben, daß nicht das ganze Essen und der ganze Abend ein Reinfall waren.

Dann werden Sie feststellen, daß nur ein Teil des Abends nicht optimal verlaufen ist und daß nur ein geringer Teil des Essens nicht so gut angekommen ist.

Halten Sie Ihren pessimistischen Gedanken also entgegen: "Du tust so, als ob alles schief gelaufen ist, als ob ich auf der ganzen Linie versagt habe. Das stimmt nicht. Ich habe ... gut gemacht. Ich kann nicht erwarten, daß allen Leuten schmeckt, was ich koche. Die Geschmäcker sind verschieden.”


Dr. Rolf Merkle
Rolf Merkle (Autor)

Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Ich arbeite seit 35 Jahren mit Begeisterung als Psychotherapeut. In meiner Freizeit koche ich leidenschaftlich gerne, spiele Squash und interessiere mich für Kunst.

Was ich für das Wichtigste im Leben halte? Sein Leben so erfüllt zu leben, wie nur möglich. Denn nur wer mit sich zufrieden ist, kann mit anderen Menschen positive Beziehungen haben.


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