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Denkweisen pessimistischer Menschen

© Autor: Dr. Rolf Merkle Psychotherapeut

Die 2 grundlegenden Denkweisen von Pessimisten sind:

1. "Ich bin hilflos. Ich bin den Menschen und Umständen ausgeliefert.”

Pessimisten glauben keinen Einfluß auf ihr Leben zu haben. Sie fühlen sich den Umständen oder anderen Menschen ausgeliefert.

2. "Ich bin unfähig. Nichts was ich anpacke, gelingt mir.”

Pessimisten zweifeln an sich und ihren Fähigkeiten und trauen sich deshalb nur wenig oder nichts zu.

Schauen wir uns an, wie Menschen lernen, sich diese Denkweisen anzueignen.

Pessimisten denken, sie sind hilflos

Wie entsteht in einem Menschen das Gefühl der Hilflosigkeit? Welche Erfahrungen muß ein Mensch machen, um sich wehrlos und seinem Schicksal ausgeliefert zu fühlen?

Eine wahre Geschichte zur Verdeutlichung.

Sicherlich waren Sie schon einmal im Zirkus und haben die mächtigen Elefanten bewundert.

Haben Sie bemerkt, daß die Elefanten an einem relativ kleinen Pflock angekettet waren? Hat Sie das nicht erstaunt?

Haben Sie sich nicht gefragt, wie es möglich ist, ein so starkes Tier an einen so kleinen Pflock anzuketten?

Für den Elefanten müßte es doch eigentlich ein Leichtes sein, diesen Pflock herauszureißen und sich so zu befreien, oder? Warum tut er es nicht?

Des Rätsels Lösung ist: Als Baby hat man den Elefanten ebenfalls an einen solchen Pflock angekettet.

Als er jedoch noch klein war, hatte er noch nicht die Kraft, sich zu befreien. So sehr er damals auch versuchte, sich loszureißen, es mißlang.

Je öfter er vergeblich versuchte, sich zu befreien, je mehr er als Baby die Erfahrung machte, daß er hilflos war, daß der Pflock stärker war als er, umso mehr "glaubte" er es und schließlich gab er auf.

Der Elefant hatte gelernt, hilflos zu sein und diese Erfahrung war von nun an unauslöschbar ein Teil seiner Welt.

Als er älter wurde und die Kraft hatte, sich loszureißen, versuchte er es gar nicht erst, da er als Baby Hunderte und vielleicht Tausende Male die Erfahrung gemacht hatte, daß es zwecklos ist, sich dagegen zu wehren.

Schauen Sie sich das Video An sich glauben an und den Beitrag Sich als Opfer ansehen.

Ähnlich lernen wir Menschen, uns hilflos zu fühlen.

Aufgrund vergangener Erfahrungen und Krisen, in denen wir uns keinen Rat wußten, in denen wir erlebten, daß wir nichts tun konnten, um uns aus einer unangenehmen Situation zu befreien, hat sich bei uns die Überzeugung breit gemacht, daß wir wehr- und hilflos sind.

Als Erwachsene denken wir immer noch so, auch wenn wir es tatsächlich gar nicht (mehr) sind, ebensowenig wie der ausgewachsene Elefant.

Wichtig ist nur, daß wir überzeugt sind, hilflos zu sein. Dann sind wir es auch.

Menschen, die an Krebs oder AIDS erkranken, geht es in der Anfangsphase ähnlich. Sie fühlen sich der Krankheit ausgeliefert.

Sie können nichts unternehmen, um ihre Krankheit rückgängig zu machen und fühlen sich als wehrloses Opfer, da sie glauben, die Krankheit sei stärker als sie.

Merke: Das Gefühl der Hilflosigkeit ist ein erlerntes Gefühl.

Wir lernen durch bestimmte Erfahrungen, uns hilflos zu fühlen. Deshalb können wir das Gefühl, hilflos zu sein, auch wieder verlernen.

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Pessimisten halten sich für unfähig

Piranhas lieben Fische zum Frühstück, zum Mittag- und zum Abendessen. In einem Experiment machte man folgendes: In ein Aquarium setzte man einen Piranha und einen Fisch. Wie nicht anders zu erwarten, fraß der Piranha den Fisch.

Nun stellte man in das Aquarium eine Glaswand. Auf der einen Seite befand sich der Piranha, auf der anderen Seite, geschützt durch die Glaswand, der Fisch.

Sofort began der Piranha auf den Fisch zuzuschwimmen und stieß unsanft gegen die Glaswand. Dieses Spiel wiederholte sich viele, viele Male. Unzählige Male machte der Piranha die Erfahrung: "Ich kann den Fisch nicht fressen”.

Schließlich gab der Piranha auf. Dann entfernte man die Scheibe und nun konnte er den Fisch fressen, aber er tat es nicht.

Er hatte so oft die Erfahrung gemacht, daß er den Fisch nicht fressen kann, daß nun, als er für ihn erreichbar war, er an dieser Erfahrung festhielt und beide friedlich nebeneinander herlebten.

Ähnlich geht es Elefanten, die von klein auf an einen Pflock gekettet sind. Schauen Sie sich hierzu das Video An sich glauben

Ähnlich geht es uns Menschen. Von klein auf hören wir von Erwachsenen: "Das kannst du nicht; das schaffst du nicht; du bis ein Versager; du hast zwei linke Hände; du bist ein Tollpatsch; du wirst es nie zu etwas bringen; Alles, was du anpackst, geht schief; Du bist zu nichts zu gebrauchen”, usw.

selbstachtung stärkenMit der Zeit haben wir uns die Meinung der Eltern zu eigen gemacht und haben sie übernommen.

Fortan haben wir uns selbst diese vernichtenden Worte an den Kopf geworfen und mit jedem Mal mehr, sank unser Selbstvertrauen und unser Selbstwertgefühl bis wir schließlich dachten: "Ich bin unfähig”.

Vielleicht haben wir zusätzlich in der Schule erfahren müssen, daß wir sportlich eine Null sind, daß wir in Mathe eine Katastrophe sind, daß wir besser zur Müllabfuhr gehen sollten und ähnliches.

Je mehr wir solche Erfahrungen gemacht haben und je unterschiedlicher die Bereiche waren, in denen wir uns als unfähig erlebten, umso weniger trauten wir uns etwas zu.

Die Folge unseres zerstörten oder zumindest sehr stark angekratzten Selbstvertrauens ist, daß wir trotz noch so großer Talente und Begabungen im Leben nicht vorankommen, weil wir zu glauben wissen, daß wir unbegabt oder unfähig sind und es deshalb nicht schaffen werden.

Merke: Sich selbst nichts zuzutrauen, an sich und seinen Fähigkeiten zu zweifeln, sind erlernte Verhaltensweisen und können deshalb auch wieder verlernt werden.

Wie sich die Überzeugung, hilflos zu sein und keine Kontrolle zu haben, auswirkt.

Da Pessimisten kein Vertrauen in sich und ihre Fähigkeiten haben, d.h. generell an sich und ihren Fähigkeiten zweifeln, machen sie in vielen Bereichen ihres Lebens schlechte Erfahrungen.

Je mehr schlechte Erfahrungen sie machen, umso mehr übertragen sie ihre pessimistische Denkweise auf alle Bereiche ihres Lebens.

Hubert ist Angestellter in einer Bank. Auf dem 2. Bildungsweg wollte er sein Abitur nachmachen, fiel jedoch durch die Prüfung.

Diese Erfahrung hatte einen nachhaltigen Einfluß auf andere Bereiche seines Lebens.

Er fing an, an seinen Fähigkeiten als Bankkaufmann zu zweifeln. Jeder Fehler, der ihm unterlief, war, im Gegensatz zu früher, ein Beweis dafür, daß er in diesem Beruf fehl am Platze war.

Früher maß er seinen Fehlern nicht eine so große Bedeutung bei. Er vergaß sie rasch, ohne sie zum Anlaß zu nehmen, generell an sich und seinen Fähigkeiten zu zweifeln.

Nun aber waren sie für ihn nur ein weiterer Beweis für seine Unfähigkeit.

Mit jedem neuen Fehler fühlte er sich in seiner negativen Selbstbeurteilung bestätigt und er wurde zusehends depressiver und entwickelte zahlreiche Ängste und psychosomatische Beschwerden.

Aufgrund seiner immer schlechter werdenden seelischen und körperlichen Verfassung bekam er sexuelle Probleme.

Er hatte Angst, beim Sex zu versagen und hatte Erektionsprobleme.

Dieses Erlebnis nagte noch mehr an seinem Selbstwertgefühl und bestärkte ihn in seiner Meinung, daß nichts mehr mit ihm los war.

Natürlich wirkte sich seine schlechte seelische Verfassung auch auf die Beziehung zu seiner Frau und den Kindern aus.

Es kam häufig zu Streitereien und seine Frau warf ihm vor, er ließe sich gehen und mit ihm sei kein vernünftiges Wort mehr zu reden.

Und so bekam Hubert von allen Seiten immer mehr zu spüren, daß er sich zum Nachteil verändert hatte.

Schließlich waren sein Selbstwertgefühl und sein Selbstvertrauen auf dem Nullpunkt angekommen und er hatte selbst bei solch alltäglichen Dingen, wie beim Autofahren, Angst, zu versagen - und dabei hatte er sich doch immer für einen sehr guten Autofahrer gehalten.

optimismus-pessimismus.html

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Hubert ist ein gutes Beispiel dafür, wie sich ein Mensch aufgrund schlechter Erfahrungen in einen pessimistischen Menschen verwandeln kann.

Nicht immer entwickeln Menschen jedoch aufgrund einer schlechten Erfahrung eine generell pessimistische Einstellung.

Welchen Einfluß eine solche Erfahrung auf den Menschen hat, hängt davon ab, wie gesund sein Selbstwertgefühl ist und wie gut er mit Problemen umgehen kann.

Ein optimistischer Mensch, der im Großen und Ganzen von sich und seinen Fähigkeiten überzeugt ist, der wird sich nicht aufgrund einer Niederlage in einen pessimistischen Menschen verwandeln.

Er wird sie wegstecken und ohne, daß sein Selbstwertgefühl einen größeren Schaden erleidet, verdauen.

Nur wenn eine solch negative Erfahrung auf fruchtbaren Boden fällt, d.h. wenn der Betreffende schon vor dieser schlechten Erfahrung an sich und seinen Fähigkeiten zweifelte, wenn er also die schlechte Erfahrung als eine Bestätigung für sein negatives Selbstbild ansieht, dann ist die Gefahr groß, daß seine Selbstzweifel und sein Pessimismus größer werden und diese sich auch auf andere Bereiche ausdehnen.

Das Vertrauen in sich und seine Fähigkeiten und die Überzeugung, mit den Widrigkeiten und Problemen des Lebens fertig werden zu können, ist eine wichtige Eigenschaft von Optimisten.

Schauen wir uns an, was es damit auf sich hat.

Seite 11/18 Optimisten haben Selbstvertrauen


Dr. Rolf Merkle
Dr. Rolf Merkle

Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Ich arbeite seit 35 Jahren mit Begeisterung als Psychotherapeut. In meiner Freizeit koche ich leidenschaftlich gerne, spiele Squash und interessiere mich für Kunst.

Was ich für das Wichtigste im Leben halte? Sein Leben so erfüllt zu leben, wie nur möglich. Denn nur wer mit sich zufrieden ist, kann mit anderen Menschen positive Beziehungen haben.


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