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Schönheitsideale - eine moderne Form der Sklaverei

© Autor: Dr. Rolf Merkle Psychotherapeut

Angeblich sind nur noch etwa 10 Prozent der deutschen Frauen mit ihrem Körper zufrieden. Die anderen 90 Prozent, neuerdings auch sehr viele Männer, haben Probleme mit ihrem Körper und ihrem Aussehen.

Der Blick in den Spiegel ist für sie eine Qual. Zwanghaft fällt ihr Blick auf ihre Makel und sie hassen sich und ihren Körper wegen ihrer Unvollkommenheit.

Ihre Messlatte sind gängige Schönheitsideale, zu denen Makellosigkeit, Vollkommenheit und Jugendlichkeit gehören.

Die Vergänglichkeit und das Nichtperfekte haben hier keinen Platz.

In unserer Gesellschaft tragen Modeschöpfer, Werbefachleute, Diätpillenhersteller, Kosmetikfirmen und Showstars zur Verkündung von Schönheitsidealen bei - und verdienen damit prächtig.


Else schreibt beim PAL Verlag im Beitrag Ich bin ein Versager folgendes:

Jeden Tag werden einem im TV Menschen der Superlative vorgeführt, Durchschnitt ist uninteressant. In den 60er Jahren wurde in den USA sogar ganz bewusst von der Werbung das Modell "unzufriedene Frau" geschaffen, damit die Firmen Absatzmärkte für ihre Beauty-Produkte hatten - es hat funktioniert, bis heute, und trägt derzeit wahrscheinlich auch zum extremen Boom der Schönheitsop's bei. Wenn solche Strategien dahinterstecken, kann man/frau gar nicht gut abschneiden.


Die Folgen des Schönheitswahns und Jugendwahns

Sollten wir das Pech haben, von der Natur nicht mit einem der Schönheitsnorm entsprechenden Körper ausgestattet worden zu sein oder hat das Alter Spuren in unserem Gesicht hinterlassen, dann fühlen wir uns als hässliches Entlein, kommen uns minderwertig vor und fühlen uns drittklassig.

Wir merken nicht einmal, dass wir selbst uns in diese Schwierigkeiten bringen.

Es sind nicht unsere paar mehr Kilos oder die Fältchen im Gesicht, die für unsere Minderwertigkeitsgefühle und vielleicht sogar eine Depression verantwortlich sind.

Unser Körper lebt friedlich neben uns her und tut uns nichts. Indem wir uns jedoch immer wieder erzählen, dass unser Äußeres nicht in Ordnung und ablehnenswert sei, fühlen wir uns schlecht und unwohl in unserem Körper.

Wir entwickeln Scham, Hemmungen und Ängste, die sogar soweit führen können, dass wir sexuelle Blockaden haben oder uns auch im Sommer nur mit weiten Kleidern zeigen, unter denen wir die vermeintlich hässlichen Rundungen und Makel verstecken.

Unsere innere Ablehnung gegenüber unserem Körper kann schließlich sogar zu ernsthaften psychischen Störungen und zu Selbsthass führen.

Bei Jugendlichen führen Schönheitsdeale oftmals zu Essstörungen wie Magersucht oder Bulimie.

Doch die Rettung ist scheinbar in Griffweite. Wir müssen uns nicht mit dem Schicksal einer verblassenden Jugend abfinden.

Wozu gibt es diese tollen Kosmetikprodukte, mit denen Fältchen wie von Zauberhand verschwinden sollen?

Wozu gibt es Diätpillen und Diätprodukte, die angeblich zur Wunschfigur führen? Wozu gibt es Fitnessstudios, in denen man sich den perfekten Körper antrainieren kann?

Und wenn alles nichts hilft, dann gibt es schließlich noch eine Wunderwaffe - eine Schönheitsoperation.

Schönheitsideale in der Werbung sind Kunstprodukte

Wissen Sie, wieviel Aufwand betrieben wird, um eine Fotografie für das Titelbild einer Modezeitschrift zu machen?

Nun, zunächst einmal wird das Gesicht des Fotomodells 2 bis 3 Stunden geschminkt. Dann werden mehrere Probeaufnahmen gemacht.

Danach werden letzte Schminkkorrekturen vorgenommen. Nun werden die eigentlichen Fotos gemacht.

Wenn Sie jedoch jetzt glauben, dass damit das Ganze gelaufen ist, dann haben Sie sich gewaltig getäuscht.

Nun werden nämlich noch am Computer mit Hilfe eines Retouschierprogramms wie Photoshop weitere Korrekturen vorgenommen.

Es werden die Lippen verbreitert, kleine Höcker auf der Nase entfernt, die Augen vergrößert, und, und ...

Was wir also auf den Titelfotos der Mode- und Lifestylemagazine sehen, hat nichts, aber auch gar nichts, mit dem tatsächlichen Aussehen des Fotomodells zu tun.

Wir sehen ein Kunstprodukt, das einem Schönheitsideal entspricht.

Würden wir diese Frau oder diesen Mann ungeschminkt auf der Straße treffen, wir würden sie/ihn vermutlich nicht wiedererkennen.

D.h., es ist für uns Normalos unmöglich, auch nur annähernd so auszusehen, wie die Jungs und Mädels in diesen Zeitschriften.

Was tun, wenn wir nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen? Wie dem Schönheitswahn und Jugendwahn entrinnen?

Für die Zufriedenheit mit Ihrem Körper sind ganz alleine Sie zuständig. Andere Menschen können Ihnen nicht das Gefühl geben, in Ordnung zu sein, wenn Sie sich und Ihren Körper ablehnen.

Auch noch so viele Komplimente zu Ihrer Figur oder zu den Körperteilen, die Sie als häßlich empfinden, helfen Ihnen dann nicht.

Sie prallen an Ihnen ab, erscheinen Ihnen als Lüge oder verdächtige Schleimerei. Nur wenn Sie sich selbst leiden mögen, können Sie Komplimente annehmen.

Sie selbst können mit Hilfe Ihrer positiven Einstellung Ihr Wohlbefinden steuern und stärken. Sie können sich sogar immun gegenüber boshaften Bemerkungen und Kränkungen machen.

Machen Sie sich hierzu folgende Einstellungen zu eigen:

1. Miss oder Mr. Universum kann immer nur eine(r) werden. Die meisten Menschen haben Körperteile, die gemessen an den gängigen Schönheitsnormen attraktiv sind, und andere, die durchschnittlich ausgeprägt sind, und auch einige, die gar nicht den gängigen Schönheitsidealen entsprechen.

Rufen Sie sich in Erinnerung, dass Ihr Körper aus vielen unterschiedlichen Teilen besteht: Rücken, Lippen, Ohrläppchen, Zehen, Waden, Finger, usw.

Ordnen Sie ihn nach Teilen, die Ihnen gut gefallen, nach Teilen, mit denen Sie gut leben können, und nach Teilen, die Ihnen nicht gefallen, aber mit denen Sie bereit sind, zu leben.

Lenken Sie Ihren Blick auf die Teile, die Ihnen gut gefallen. Ihr Körper kann niemals vollkommen hässlich oder schön sein. Es gibt nicht den perfekten Körper.

2. Stellen Sie sich nackt vor den Spiegel und betrachten Sie sich liebe- und achtungsvoll. Stellen Sie sich vor, Sie seien ein wertvolles Gemälde, ein Unikat, das im Museum hängt.

Wenden Sie Ihren Blick zunächst auf die Körperteile, die Ihnen gut gefallen.

Streicheln Sie diese und sagen Sie sich: "Ich finde es toll, dass ich dich habe". Dann wenden Sie Ihre Aufmerksamkeit den Körperteilen zu, die Sie ablehnen.

Sagen Sie sich: "Auch du gehörst zu mir. Ich bin bereit, dich anzunehmen. Mit all meinen körperlichen Merkmalen bin ich einzigartig und unverwechselbar."

Lernen Sie, mit Ihren Schönheitsfehlern Frieden zu schließen und versöhnen sich mit ihnen.

3. Machen Sie sich bewusst, dass die Schönheitsideale für die meisten Menschen unerreichbar sind. Da ändern noch so viele Schönheitsreperaturen nichts daran.

Abgesehen davon: alle Versprechungen der Kosmetikindustrie, dass mit bestimmten Anti-Falten-Cremes und Wässerchen Falten und Tränensäcke verschwinden und uns 10 Jahre jünger aussehen lassen, sind leere Versprechen.

4. Sie haben das Recht und die Kraft, Ihren eigenen Körper zu mögen - auch wenn er nicht den gängigen Schönheitsvorstellungen entspricht.

Wenn Sie sich zu der Einstellung entscheiden, dass Ihr Körper einzigartig und liebenswert ist, - genauso wie er ist - dann werden Sie sich mit der Zeit in Ihrem Körper immer mehr wohlfühlen.

Zu Beginn werden Sie sich allerdings diesen Satz nicht glauben, sondern haben das Gefühl, sich etwas einzureden. Das ist ganz normal, denn schließlich reden Sie sich wahrscheinlich schon sehr lange ein, unattraktiv zu sein.

5. Ein schöner Körper ist eines der vergänglichsten Merkmale im Leben. Wenn wir uns an die Schönheit klammern und dem Schönheitskult verfallen sind, leben wir in der ständigen Angst, Schönheitsfehler bei uns zu entdecken und sind ein sicherer Kandidat für eine Depression.

6. Das Streben nach Schönheit geht oft einher mit der Vorstellung, dann immerwährendes Glück und innere Zufriedenheit zu verspüren.

Doch Schönheit ist keine Garantie für Anerkennung, Glück und eine gute Partnerschaft. Häufig haben Männer Angst vor schönen Frauen, Frauen reagieren neidisch und abwehrend.

Auch die Angst vor dem Älterwerden und die Frage: "Was bin ich noch wert, wenn ich nicht mehr schön bin?" spielen dann eine größere Rolle.

Attraktiv macht dich deine Ausstrahlung, nicht dein Äußeres. Rolf Merkle

7. Hinter der Ablehnung einzelner Körperteile oder des gesamten Körpers verbirgt sich ein geringes Selbstwertgefühl.

Sie denken, nur dann von anderen angenommen und akzeptiert zu werden, wenn Sie dem gängigen Schönheitsideal entsprechen.

Stärken Sie Ihr Selbstwertgefühl und das Thema Schönheit ist für Sie nicht mehr so wichtig. "Ich war hässlich, weil ich mich selbst hasste", sagte eine Klientin.

Da ist etwas Wahres dran. Wenn wir uns selbst ablehnen oder gar hassen, dann entstellen wir uns nicht nur seelisch, sondern auch äußerlich.

8. Eine Klientin, die sich aufgrund ihrer großen Nase und ihrer Haare für hässlich hielt, sagte einmal: "Weil ich nicht so schön bin, muss ich andere Qualitäten entwickeln. Ich habe gelernt, charmant und freundlich zu sein."

Untersuchungen zeigen ganz klar: Ein gewinnendes Lächeln macht attraktiver als jede Botoxspritze.

Schoenheitsideale.html

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9. Menschen, die sich selbst mit ihren körperlichen Unvollkommenheiten annehmen gelernt haben, können diese als ihr Markenzeichen ansehen.

In dem Maße, in dem Sie aufhören sich aufgrund Ihrer vermeintlichen Hässlichkeit für nicht liebenswert zu halten, d.h. in dem Maße, in dem Sie sich trotz Ihrer körperlichen Makel für liebenswert halten, in dem Maße macht Ihnen Ihre körperliche Unvollkommenheit nichts mehr aus.

Ehe Sie sich einer Schönheitsoperation unterziehen, denken Sie daran: Eine Operation wird Ihr mangelndes Selbstvertrauen und Ihre Selbstablehnung nicht kurieren.

Sie werden danach vielleicht kurzfristig mit sich zufrieden sein, leben aber ständig in der Angst, Ihre künstlich erworbene Schönheit wieder zu verlieren.

Dauerhaft attraktiv fühlen Sie sich nur, wenn Sie entscheiden, dass Sie so, wie Sie sind, liebenswert sind.

Eine 67-jährige alleinlebende Frau sagt in dem Buch <Herrlich hässlich> von H. Gasper und R. Gasper: Denen (den jungen Menschen mit ihrem Schönheitswahn) möchte ich am liebsten zurufen: Lernt euch selbst zu lieben, dann lieben euch auch andere. Dann strahlt ihr etwas aus, was euch wunderbar macht.

Schönheit ist vergänglich und das ist gut so. Denn sonst könnten wir uns nicht an ihr erfreuen.

Der Philosoph Wilhelm Schmidt sagt dazu:
Man macht das Leben zunichte, wenn man es ewig haben will, so wie man eine Lust zunichte macht, wenn man sie immer genießen will. Alle Lust will Ewigkeit, aber die Ewigkeit ist ihr Tod.


Dr. Rolf Merkle
Rolf Merkle (Autor)

Danke, dass Sie mir Ihre Zeit geschenkt haben. Ich arbeite seit 35 Jahren mit Begeisterung als Psychotherapeut. In meiner Freizeit koche ich leidenschaftlich gerne, spiele Squash und interessiere mich für Kunst.

Was ich für das Wichtigste im Leben halte? Sein Leben so erfüllt zu leben, wie nur möglich. Denn nur wer mit sich zufrieden ist, kann mit anderen Menschen positive Beziehungen haben.


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