Schönheitsideale


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Schönheitsideale sind Sklaverei

Für sehr viele Frauen, neuerdings aber auch für einen immer größeren Teil der Männer, ist der Blick in den Spiegel eine Qual. Sie sind mit ihrem Körper nicht zufrieden. Sie lassen sich dabei von zwei Normen leiten:
a) den gesellschaftlichen Normen: Steht die Gesellschaft gerade auf fülligen Rubensfrauen oder auf den Twiggy-Typ? und
b) den eigenen Schönheitsvorstellungen, die jedoch stark von den gesellschaftlichen Normen beeinflußt sind.

Wer diese Schönheitsvorstellungen formuliert und wann und warum diese verändert werden, weiß so richtig keiner. In unserer Gesellschaft tragen Modeschöpfer, Werbefachleute, aber auch Showstars zur Verkündung eines Schönheitsideals bei. Wir, das brave Fußvolk, passen uns dem an. Sollten wir das Pech haben, von der Natur nicht mit einem der Schönheitsnorm entsprechend schönen Körper ausgestattet worden zu sein, fühlen wir uns als häßliches Entlein.

Wann immer wir uns wegen unserer körperlichen Ausstattung unattraktiv und minderwertig fühlen, sind wir zu einem Opfer unserer eigenen Einstellung geworden. Wir nehmen die äußeren Normen und machen sie zu unserem Maßstab, nach dem wir uns bewerten und "richten". Sagt die Werbung, dass nur ein Körper in Kleidergröße 34 schön ist und zu Anerkennung und Erfolg verhilft, so müssen wir uns zwangsläufig mit einer 42-er Größe unglücklich fühlen.

Ja, wir merken nicht einmal, dass wir selbst uns in diese Schwierigkeiten bringen. Es sind nicht unsere paar mehr Kilos, die uns unsere Minderwertigkeitsgefühle und vielleicht sogar Depressionen verursachen. Unser Körper lebt ganz friedlich neben uns her und tut uns nichts. Indem wir uns immer wieder erzählen, dass unser Körper nicht in Ordnung und ablehnenswert sei, fühlen wir uns schlecht und unwohl in unserem Körper. Wir entwickeln Scham, Hemmungen und Ängste, die sogar soweit führen können, dass wir sexuelle Blockaden haben oder uns auch im Sommer nur mit weitem Tuch zeigen. Unsere innere Ablehnung gegenüber unserem Körper kann schließlich sogar zu ernsthaften psychischen Störungen führen.

Schönheitsideale sind Kunstprodukte

Wissen Sie, wieviel Aufwand betrieben wird, um eine Fotografie für das Titelbild einer Modezeitschrift zu machen? Nun, zunächst einmal wird das Gesicht des Fotomodells 2 bis 3 Stunden geschminkt. Dann werden mehrere Probeaufnahmen gemacht. Danach werden letzte Schminkkorrekturen vorgenommen. Nun endlich werden die eigentlichen Fotos gemacht. Wenn Sie jedoch jetzt glauben, dass damit das Ganze gelaufen ist, dann haben Sie sich gewaltig getäuscht. Nun werden nämlich noch am Computer mit Hilfe eines Retouschierprogramms wie Photoshop weitere Korrekturen vorgenommen. Es werden vielleicht die Lippen etwas verbreitert, kleine Höcker auf der Nase entfernt, die Augen vergrößert, und, und ...

Was wir also auf dem Titelfoto sehen, hat nichts, aber auch gar nichts, mit dem tatsächlichen Aussehen des Fotomodells zu tun. Wir sehen ein Schönheitsideal, ein Kunstprodukt. Würden wir diese Frau ungeschminkt auf der Straße treffen, wir würden Sie vermutlich nicht wiedererkennen. D.h., es ist für uns Normalos unmöglich, auch nur annähernd so auszusehen, wie die Mädels auf den Titelseiten der Zeitschriften.

Was tun, wenn wir nicht dem gängigen Schönheitsideal entsprechen?

Für die Zufriedenheit mit Ihrem Körper sind ganz alleine Sie zuständig. Andere Menschen können Ihnen nicht dazu verhelfen, dass Sie sich in Ihrem Körper wohlfühlen, wenn Sie ihn selbst ablehnen. Auch noch so viele Komplimente zu Ihrer Figur oder zu den Körperteilen, die Sie als häßlich empfinden, helfen Ihnen dann nicht. Sie prallen an Ihnen ab, erscheinen Ihnen als Lüge oder verdächtige Schleimerei. Nur wenn Sie sich selbst leiden mögen, können Sie diese Komplimente annehmen.
Sie selbst können mit Hilfe Ihrer positiven Einstellung Ihr Wohlbefinden steuern und stärken. Sie können sich sogar immun gegenüber boshaften Bemerkungen und Kränkungen machen. Machen Sie sich hierzu folgende Einstellungen zu eigen:

1. Miss oder Mr. Universum kann immer nur eine(r) werden. Die meisten Menschen haben Körperteile, die gemessen an den gängigen Schönheitsnormen attraktiv sind, und andere, die durchschnittlich ausgeprägt sind, und auch einige, die gar nicht den gängigen Vorstellungen entsprechen.
Rufen Sie sich in Erinnerung, dass Ihr Körper aus vielen unterschiedlichen Teilen besteht: Rücken, Lippen, Ohrläppchen, Zehen, Waden, Finger, usw. Ordnen Sie ihn nach Teilen, die Ihnen gut gefallen, nach Teilen, mit denen Sie gut leben können, und nach Teilen, die Ihnen nicht gefallen, aber mit denen Sie bereit sind, zu leben. Lenken Sie Ihren Blick auf die Teile, die Ihnen gut gefallen. Ihr Körper kann niemals vollkommen häßlich oder schön sein.

2. Stellen Sie sich nackt vor den Spiegel und betrachten Sie sich liebe- und achtungsvoll. Stellen Sie sich vor, Sie seien ein wertvolles Gemälde, ein Unikat, das im Museum hängt. Wenden Sie Ihren Blick zunächst auf die Körperteile, die Ihnen gut gefallen. Streicheln Sie sie und sagen Sie sich: "Ich finde es toll, dass ich dich habe". Dann wenden Sie Ihre Aufmerksamkeit den Körperteilen zu, die Sie ablehnen. Sagen Sie sich: "Auch du gehörst zu mir. Ich bin bereit, dich ... anzunehmen. Mit all meinen körperlichen Merkmalen bin ich einzigartig und unverwechselbar".

3. Machen Sie sich bewusst, dass Schönheitsideale vergänglich sind. Hätten Sie in einer früheren Zeit gelebt, wären Sie vielleicht der Inbegriff von Schönheit gewesen. In einer anderen Kultur wäre es vielleicht heute noch so.

4. Schönheit ist ein relativer Begriff. Es gibt keine objektiven Normen, was immer und für alle Zeiten als schön zu bezeichnen ist. Andere Menschen unserer Gesellschaft und andere Kulturen finden Dinge schön, die Sie als hässlich ansehen. So wie man sich über die Schönheit bei Bildern streiten kann, kann man sich auch über die Schönheit des menschlichen Körpers streiten. Manche Menschen finden deshalb auch schön, was Sie für hässlich halten.

5. Sie haben das Recht und die Kraft, Ihren eigenen Körper zu mögen - auch wenn er nicht den gängigen Schönheitsvorstellungen entspricht. Wenn Sie sich zu der Einstellung entscheiden, dass Ihr Körper einzigartig und liebenswert ist, - genauso wie er ist - dann werden Sie sich mit der Zeit mit Ihrem Körper wohlfühlen. Zu Beginn werden Sie sich allerdings diesen Satz nicht glauben, sondern haben das Gefühl, sich etwas einzureden. Das ist ganz normal, denn schließlich reden Sie sich wahrscheinlich schon sehr lange ein, unattraktiv zu sein.

6. Ein schöner Körper ist eines der vergänglichsten Merkmale unseres Körpers. Wenn wir krampfhaft an ihm hängen, leben wir in der ständigen Angst, zu verwelken und sind ein sicherer Kandidat für Depressionen.

7. Das Streben nach Schönheit geht oft einher mit der Vorstellung, dann immerwährendes Glück und innere Zufriedenheit zu verspüren. Doch Schönheit ist keine Garantie für Anerkennung, Glück und eine gute Partnerschaft. Häufig haben Männer Angst vor schönen Frauen, Frauen reagieren neidisch und abwehrend. Auch die Angst vor dem Älterwerden und die Frage: "Was bin ich noch wert, wenn ich nicht mehr schön bin?" spielen dann eine größere Rolle.

8. Hinter der Ablehnung einzelner Körperteile oder des gesamten Körpers verbirgt sich oft ein ganz geringes Selbstwertgefühl. Stärken Sie deshalb Ihr Selbstvertrauen. Rufen Sie sich in Erinnerung, was Sie in Ihrem Leben bisher geleistet und was Sie anzubieten haben.

Unser Körper ist der einzige Ort
an dem wir leben können.
Behandeln Sie ihn deshalb gut und vor allem:
nehmen Sie ihn an.

Ehe Sie sich unters Messer begeben, denken Sie daran:
Eine Operation wird Ihr mangelndes Selbstvertrauen nicht kurieren.
Sie werden danach vielleicht kurzfristig mit sich zufrieden sein,
leben aber ständig in der Angst, Ihre künstlich erworbene Schönheit
wieder zu verlieren.

Dauerhaft attraktiv fühlen Sie sich nur, wenn Sie sich
dafür entscheiden, dass Sie so, wie Sie sind, attraktiv sind.

Ein gewinnendes Lächeln macht Sie attraktiver als jede Botoxspritze.


© 2004-2007 Dr. Doris Wolf - Schönheitswahn + Schönheitsideale
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