Warum weinen wir? Welche Bedeutung haben Tränen? Warum tut es gut, zu weinen? Warum sind manchen Menschen Tränen ein Dorn im Auge?
Wenn die Tränen nicht beim Zwiebelschneiden in die Augen schießen, sondern Ausdruck von Trauer oder Kummer sind, dann erleben sie viele – insbesondere Männer – als Schwäche.
Die Weinenden möchten nicht, dass andere ihre Betroffenheit sehen, und bezeichnen sich als Heulsuse und Pflänzchen.
Es gibt Tränen der Freude, der Wut, der Betroffenheit, der Rührung, des körperlichen Schmerzes, des seelischen Schmerzes und des Schutzes vor einer Schädigung des Auges (Staubpartikel, Zwiebelsaft, Makeup).
Wir besitzen mandelförmige Tränendrüsen am oberen Rand der Augenhöhlen. Sie produzieren ständig eine Flüssigkeit, die die Hornhaut feucht hält.
Mithilfe der Augenlider wird 3–6 Mal in der Minute der Augapfel befeuchtet. Diese sogenannten basalen Tränen, die beim Blinzeln abgegeben werden, dienen dem Schutz der Augen.
Unsere Tränen beinhalten Fett, Salz, Wasser und antibakterielle Stoffe, die unsere Augen vor Infektionen schützen.
Die Träne fließt vom oberen Rand der Augenhöhlen, zum inneren Augenwinkel über den Tränensack in den Tränennasengang.
Von dort gelangt sie in die Nasenhöhle. Während der Nacht trocknet die Flüssigkeit und in Verbindung mit Staub entsteht der “Sand” in den Augen.
Wenn wir traurig sind, uns hilflos und ohnmächtig fühlen, entstehen emotionale Tränen.
Die Tränen, die in solchen Augenblicken entstehen, enthalten Stoffe, die, ähnlich wie Morphium, Schmerzen lindern können.
Tränen lösen unsere Gefühls- und Körperanspannung. Nach dem Weinen fühlt man sich körperlich und emotional erleichtert und ruhiger. Weinen ist also eine Art Ventil.
Dann gibt es natürlich noch Freudentränen, die Ausdruck eines überschwenglichen Glücksgefühls sind.
Tränen können helfen, Nähe zu anderen Menschen herzustellen. Diese können erkennen, dass der Weinende Hilfe braucht und vielleicht getröstet werden möchte.
Das hat mit unserer Einstellung zum Weinen und den Tränen zu tun. Mädchen dürfen weinen, während Jungen als “Memmen” bezeichnet werden, wenn die Tränen kullern.
Männer haben hart zu sein, nach dem Motto: “Ein Indianer kennt keinen Schmerz.”
Diese gesellschaftliche Regel schließt natürlich nicht aus, dass Jungen und Männern ab und zu nach Weinen zumute ist. Sie lernen jedoch, die Tränen zu unterdrücken.
Fragt man Männer in der Therapie, wann sie das letzte Mal geweint haben, so können sich die meisten nicht mehr daran erinnern oder erzählen von einem aufgeschlagenen Knie beim Fahrradunfall als kleiner Junge.
Sind wir erst einmal erwachsen, wird es auch für Frauen schwieriger, zu weinen. Viele Männer haben die Einstellung: “Typisch Frau, heult mal wieder, um mich unter Druck zu setzen. Hysterisches Weib, Heulsuse.”
Auch Frauen verurteilen sich häufig selbst, “sich nicht genügend zusammengenommen zu haben”.
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