Der Coaching-Podcast, Folge 49: Der Wendepunkt zwischen Abschied und Neubeginn

Folge 49 des inspirierenden Coaching-Podcasts von und mit Maja Günther, in der es um einen positiven Umgang mit Abschieden im Leben geht

Der Coaching-Podcast, Folge 49: Der Wendepunkt zwischen Abschied und Neubeginn
© PAL Verlag

In dieser Folge geht es um Abschiede und um das, was danach kommt. Es geht darum, wie es uns gelingen kann, uns von etwas oder jemandem zu verabschieden und eine neue Perspektive zu finden. Jedem Abschied folgt immer auch ein Neubeginn. Wir verändern uns mit und durch jeden Abschied. Und jedes Mal müssen wir uns innerlich auf die neue, veränderte Situation einstellen.

Abschiednehmen ist ein Prozess in mehreren Phasen

Kennst du das Gefühl, dass dir beim Abschied erst wirklich bewusst wird, was du verlierst? Plötzlich siehst du die ganzen schönen Seiten und du schaust auf das, was du loslassen musst oder willst. Du fühlst dich traurig, ohnmächtig oder wütend und es fällt dir schwer, in der Situation etwas Gutes zu sehen.

Jeder Abschied ist auch ein Prozess mit mehreren Phasen. Er ist mit Schmerzen verbunden und die gehören genauso zum Leben wie Glück und Freude. Es gibt viele unterschiedliche Situationen, in denen wir Abschiedsschmerzen empfinden. Das kann die Trauer um einen Menschen sein, ein Umzug, der Abschied von der eigenen Gesundheit, ein Berufswechsel, eine Trennung oder eine einschneidende Veränderung im Leben. Immer wenn sich etwas verändert, verabschieden wir uns von einem bisher bestehenden Zustand. Und immer verändern auch wir uns dabei.

Gib den schmerzvollen Gefühlen Raum!

Die Zeit der Trauer und der unguten Gefühle ist wichtig, um das, was wir verabschieden, zu würdigen und loszulassen. Dabei gehen wir häufig noch einmal alles durch, was gut war, und wir denken über das nach, was wir verlieren. Dieser Prozess dauert bei jedem Menschen unterschiedlich lange. Genau hier liegt der neuralgische Punkt. Es kann uns passieren, dass wir zu lange in der Phase des Schmerzes hängen bleiben und es nicht schaffen, eine neue Perspektive zu entwickeln. Wir können die alte Situation nicht zurückbekommen, dennoch verhalten wir uns manchmal so, als würde uns ein langer Leidensweg in den früheren Zustand zurückführen. Besonders ausgeprägt ist das, wenn wir die Veränderung nicht selbst gewählt haben oder wenn sie in unserem Leben besonders einschneidend ist.

Es gibt verschiedene Dinge, die dir helfen können, aus dem Tal rauszukommen und wieder bergauf zu gehen.

Setze dich bewusst mit deinen Gefühlen auseinander

Zu Beginn eines Abschieds nimmt der Schmerz sich Raum. Je bewusster du diese Phase durchläufst, desto besser kannst du sie irgendwann abschließen. Nimm dir Zeit und trauere. Alle Gefühle, die jetzt da sind, sind in Ordnung. Es ist okay, wenn du dich ohnmächtig, wütend, alleingelassen, bemitleidenswert oder hilflos fühlst. Das alles gehört zum Abschied dazu. Es gehört auch dazu, schlechte Gefühle wie Wut oder Aggressionen zu haben. Erlaube dir auch diese. Zweifle nicht an dir. Jeder Mensch auf der Welt kennt das.

In dieser Phase ist uns oft schon zu viel, unsere Trauer auszudrücken – gerade gegenüber einer anderen Person –, denn die Gefühle sind dann manchmal so stark, dass sie uns einfach überkommen und auch lähmen. Ablenkung kann dir helfen, wieder emotionalen Boden unter den Füßen zu gewinnen. Gehe spazieren, am besten an einem neuen Ort. Gönne dir etwas, das du dir schon lange gönnen wolltest. Schaue dir einen schönen Film an oder versuche ein neues Gericht zu kochen.

Sobald du aber feststellst, dass die heftigen Gefühle etwas abebben oder sich dein Zustand etwas stabilisiert, ist es Zeit für die bewusste Auseinandersetzung – die zweite Phase des Abschieds. Schreibe alles auf, wovon du dich verabschiedest. Notiere, was du loslassen willst oder musst. Dabei kann es dir auch helfen, sich für alles zu bedanken, wovon du dich verabschieden musst. Durch die bewusste Auseinandersetzung mit den Gefühlen der Trauer beendest du die zweite Phase deines Abschieds.

Dein Loslass-Ritual

Daran kannst du ein kleines Ritual anschließen, das du sehr individuell gestalten kannst: Falte deine Notizen zu Papierschiffchen, setze sie auf einen Bach oder Fluss und lass sie ziehen. Oder du faltest Papierflieger aus ihnen und lässt sie wegfliegen. Oder du verbrennst sie. Oder aber du schließt sie in ein Kästchen und schreibst ein Datum in ferner Zukunft darauf, an dem du sie wieder durchlesen willst. In jedem Fall verstärkt dieses Ritual den inneren Prozess des Loslassens.

Der Abschied findet so einen Abschluss und es beginnt etwas Neues – die dritte Phase. Das heißt nicht, dass alle negativen Gefühle auf einmal verschwinden. Aber du hast die Möglichkeit, in der nächsten Phase auf etwas anderes zu schauen als auf Vergangenes und mit deinem jetzigen, neuen Leben zu beginnen. Denn du weiß ja:

Allem Neuen liegt ein Zauber inne.

Übung: Dein Bild vom Neuanfang

Stelle dir für deinen Neuanfang vor, dass durch den Abschied etwas frei geworden ist: Raum oder Zeit für Neues. Stelle dir vor, du stehst am Meer und schaust auf den Horizont. Es sind viele Schiffe unterwegs, die dir etwas mitbringen. Sie fahren langsam auf dich zu und du kannst dir durch dein inneres Fernrohr in Ruhe ansehen, was sie geladen haben, und entscheiden, was du davon benötigst. Was wünschst du dir? Was brauchst du in diesem Moment, um dich zu stärken? Welche Fracht sollen sie dir ans Ufer bringen? Welche Schiffe schickst du weiter?

Mit dieser Imaginations-Übung kannst du dir bildlich bewusst machen, was dir guttun würde und welche Bedürfnisse oder Wünsche in dir schlummern. So bekommst du ein Gefühl dafür, was in deinem Leben ab heute Platz haben soll.

Nachdem im echten Leben keine Schiffe mit Stärkungen anlegen, gehe im letzten Schritt in die Verantwortung für dich und überlege, was du konkret tun kannst, um deine Bedürfnisse zu erfüllen. Wie kommst du zu deiner stärkenden Fracht?

Ich wünsche dir einen guten Prozess des Abschiednehmens und eine volle Ladung neuer, spannender und aufregender Dinge, Menschen und Gefühle in deinem jetzigen Leben, das nicht besser oder schlechter ist, sondern einfach nur anders und neu. Und allem Anfang liegt bekanntlich ein Zauber inne.

Deine

Maja Günther

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 Gib den schmerzvollen Gefühlen Raum!
 Setze dich bewusst mit deinen Gefühlen auseinander
 Dein Loslass-Ritual
 Übung: Dein Bild vom Neuanfang
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