Neugier und Interesse machen das Leben interessanter.

Interesse und Neugierde - die Jungbrunnen des Alters. Warum Neugier wichtig ist und wie Sie sich diese ein Leben lang bewahren.

Neugier und Interesse machen das Leben interessanter.
© Oksana Kuzmina - Fotolia

Wenn wir klein sind, dann wollen wir alles untersuchen und testen.

Wir sind neugierig darauf, was die Welt zu bieten hat. Wir erleben das Neue als spannend und ungemein interessant.

Je älter wir jedoch werden, umso mehr verlieren wir unsere Neugier und ersticken in einer Alltagsroutine, und verbauen uns so viele Chancen und Möglichkeiten, unser Leben interessant und erfüllt zu gestalten.

"Da komm ich nicht mehr mit", "Ich bin schon zu alt", "Das ist nichts mehr für mich" "Das bringt doch nichts" - haben Sie sich auch schon bei solchen Bemerkungen ertappt?

Dann sind Sie gefährdet, sich in Ihren Entwicklungsmöglichkeiten zu begrenzen.

Sie entscheiden schon im Vorhinein, wo Ihre Leistungsgrenzen sind - ohne die Probe aufs Exempel zu machen.

Neugierde und Interesse sind Eigenschaften, die Menschen auszeichnet, die auch im hohen Alter noch sehr aktiv und flexibel sind.

Machen Sie den Alterstest und schauen, wie jung Sie in Ihrem Herzen geblieben sind.

Was ist Neugierde?

Wissenschaftler gehen davon aus, dass uns das Bedürfnis nach Neuem und Aufsuchen von Neuem angeboren ist. Sowohl Tiere als auch Menschen sind neugierig.

Während bei den meisten Tierarten das Neugierverhalten mit der Geschlechtsreife erlischt, kann es bei den Menschen ein Leben lang bestehen bleiben.

Neben dem Bedürfnis nach Abwechslung haben alle Menschen aber auch ein Bedürfnis nach Sicherheit, Gewohnheit und Vertrautem.

Lerne, als würdest du ewig leben.

Beide Bedürfnisse sind oftmals im Widerstreit.

Bei meinen Klienten habe ich oft beobachtet, dass sie, nachdem sie alle ihre Wünsche erfüllt hatten (Partner, Kinder und Haus) plötzlich begannen, sich unwohl zu fühlen.

Sie wollten aus der Idylle ausbrechen. Dahinter steckt das Bedürfnis nach Abwechslung.  

Was unterscheidet Menschen, die nach Neuem suchen, von denen, die am Vertrauten festhalten?

Menschen mit einem starken Bedürfnis nach Sicherheit

  • sind bestrebt, ihr Leben unter Kontrolle zu halten und sich vor Überraschungen zu schützen
  • benötigen feste Freunde und Familie, eine Anstellung auf Dauer
  • empfinden Befriedigung, wenn alles überschaubar und vorhersehbar ist
  • haben die Lebenseinstellung: "In eingefahrenen Bahnen laufen, tut gut. Nur keine Aufregung, kein Streit. Harmonie ist das Wichtigste. Hoffentlich bleibt alles beim alten."
  • verbinden mit neuen Aktivitäten Risiko, Angst, Unsicherheit, Fehler, Versagen, Gefahr; Vertraute Aktivitäten verknüpfen sie mit Geborgenheit, Heimat, Überschaubarkeit, Kontrolle, Wohlbefinden, Entspannung.

Menschen mit einem starken Bedürfnis nach Ungewissheit und Abwechslung

  • benötigen ein turbulentes Leben mit Abenteuer und Leidenschaft, mit Erfolgen und Rückschlägen
  • benötigen Herausforderungen, um zufrieden zu sein
  • wechseln häufig die Wohnung, den Job, den Freundeskreis, betreiben Sportarten, die sie herausfordern
  • sind experimentierfreudig in bezug auf Essen, Hobbies, etc.
  • haben die Lebenseinstellung: "Wer rastet, der rostet. Vertrautes ist langweilig. Was gibt es noch Spannendes im Leben. Ich will es ausprobieren."
  • verbinden mit vertrauten Aktivitäten Spießertum, Stillstand, Altern, Langeweile. Neue Aktivitäten verknüpfen sie mit: Spaß, Abenteuer, sich selbst erfahren, verändern, verbessern, dazulernen.

Jeder Mensch hat beide Bedürfnisse in sich, jedoch unterscheiden wir uns darin, wie viel Sicherheit bzw. Abwechslung wir benötigen.

Wir können uns nicht grundsätzlich umkrempeln, jedoch können wir lernen, ein wenig risikofreudiger oder wagemutiger zu sein.  

Haben wir es nicht verdient, im Alter nicht mehr bei allem mithalten zu müssen?

Das ist im Grunde genommen nicht die Frage. Wir selbst können bestimmen, wie wir unseren Alltag gestalten, was uns wichtig und unwichtig ist.

Wir dürfen uns ausruhen und in unseren gewohnten Bahnen laufen, unseren Ritualen folgen, wann immer wir es wollen.

Doch ist eines sicher: Wenn wir uns von neuen Entwicklungen abschotten und nur nach unseren alten Regeln und Gewohnheiten leben, wenn wir aufhören, neugierig zu sein, dann verlieren wir ein Stück Flexibilität und Offenheit.

Unser Gehirn muss ebenso wie unsere Muskeln und Organe trainiert werden, um nicht nachzulassen.

Geben wir ihm keine neuen Informationen zur Verarbeitung, wird unsere Fähigkeit, uns auf neue Situationen einzustellen, verkümmern.

Wenn wir neugierig bleiben, wenn wir bereit sind, Neues auszuprobieren und zu wagen, dann öffnen sich uns neue Möglichkeiten und Chancen, uns zu verändern und zu wachsen.

Hören wir auf, neugierig zu sein, dann treten wir auf der Stelle, sehen und erleben nichts mehr Neues.

Das Ergebnis sind Langeweile und das Gefühl, uns fehle etwas.

Was wir gewinnen, wenn wir unsere Neugierde und unser Interesse erhalten

  • Wir fühlen uns bestätigt, dazulernen zu können.
  • Wir können mitreden und Diskussionen nachvollziehen.
  • Wir trainieren unsere Lern- und Konzentrationsfähigkeit.
  • Wir werden möglicherweise von unserem Umfeld, den Kindern oder Enkeln bestätigt.
  • Wir trainieren unsere Fähigkeit, uns auf neue Situationen einzustellen, bleiben flexibel.
  • Wir trainieren unseren Körper (wenn wir uns sportlich an ein neues Hobby wagen).
  • Wir verspüren Energie, weil wir ein Ziel vor Augen haben.
  • Wir erleben Fortschritte.
  • Wir lernen, mit Unsicherheit umzugehen.
  • Wir schieben unsere Grenzen der Leistungsfähigkeit hinaus.
  • Wir können stolz auf uns sein, uns zugetraut zu haben, das Neue auszuprobieren bzw. zu beherrschen.

Natürlich bedeutet dies nicht, dass wir uns überfordern sollten. Ein gewisses Maß an kritischen Gedanken "Tut dir das körperlich und seelisch gut? Könnte dir dabei etwas passieren?" sind durchaus sinnvoll.

7 Tipps, wie Sie Ihre Neugier wecken

TIPP 1:Suchen Sie jeden Tag nach einer neuen Erfahrung. Essen Sie mal eine tropische Frucht, die Sie noch nicht kennen. Gehen Sie in ein indisches oder indonesisches Lokal.

Kaufen Sie sich eine Zeitung aus einem Bereich, der Ihnen vollkommen fremd ist.

Gehen Sie in ein Konzert, das Sie aufgrund der Musikrichtung nie besuchen würden. Probieren Sie eine neue Sportart aus. Nehmen Sie zur Arbeit einen anderen Weg.

TIPP 2:Holen Sie sich Informationen zu einer technischen Errungenschaft (Computer, Telefon, neu entwickeltes Küchengerät) oder lassen sich beraten.

Fragen Sie Ihre Kinder oder Enkelkinder über Nintendo, Tamagotchi-Spiele etc. aus oder, noch besser, probieren Sie diese selbst aus.

TIPP 3:Lesen Sie die neuen Romane und Krimis der Bestsellerliste. Sie können diese aus der Bibliothek ausleihen oder auch kaufen.

TIPP 4:Pflegen Sie den Kontakt zu jüngeren Menschen. Lernen Sie deren Vokabular und informieren Sie sich über deren Musikvorlieben - auch wenn diese Ihrem Geschmack nicht entsprechen.

TIPP 5:Hüten Sie sich vor Sätzen wie "Ich bin zu alt dazu". "Das versteh ich ohnehin nicht mehr", "Das ist nichts mehr für mich".

Fügen Sie zumindest noch eine kritische Frage an: Woher weiß ich das? Habe ich es schon ausprobiert?

Geben Sie nicht freiwillig Revier auf, indem Sie sich vorverurteilen und frank und frei behaupten, es nicht zu verstehen. Es mag sein, dass Sie länger benötigen, weil Sie nicht damit aufgewachsen sind, aber das heißt nicht, dass Sie es nicht begreifen können.

Zu vielen Tätigkeiten gehören nur Training und Geduld!

TIPP 6:Lernen Sie wieder, wie kleine Kinder vorzugehen, die neugierig sind und die Einstellung besitzen: Ich möchte alles wissen und ausprobieren.

TIPP 7:Hören Sie nicht auf die warnende oder kritische Stimme in Ihrem Kopf, die Ihnen sagt, etwas sei zu riskant oder bringe doch nichts.

Die Angst vor etwas Neuem und Fremdem können Sie nur verlieren, wenn Sie mit der Angst das Neue wagen und erleben, dass Ihre Angst unbegründet war!

Fragen Sie sich: Was wäre das Schlimmste, was passieren könnte, wenn ich das wage? Wie wahrscheinlich ist es, dass das eintritt, was ich befürchte? Und wenn das Befürchtete eintreten sollte, könnte ich damit leben und umgehen?

Risikobereitschaft und Neugier werden nicht immer belohnt. Sie sind jedoch die Voraussetzung, um neue und befriedigende Erfahrungen zu machen, um unser Leben farbiger, interessanter und abwechslungsreicher zu gestalten. Also: Raus aus dem Alltagstrott - rein in die bunte Vielfalt des Lebens.

Neugier bereichert unser Leben.

Leben heißt Neues lernen und in Bewegung zu bleiben. Hört das Lernen auf, hört das Leben auf.

Ich wünsche Ihnen den Mut und die Lebendigkeit, immer einmal wieder Dinge auszuprobieren, die aus Ihrem gewohnten Rahmen fallen.

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