Ärger - wie damit umgehen?


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Ärgerlich am Ärger ist,
dass man sich selbst schadet,
ohne etwas an dem zu ändern,
worüber man sich ärgert.


Wenn es Ihnen wie den meisten Menschen geht, dann vergeht kein Tag, ohne dass Sie sich über Ihre Mitmenschen oder sich selbst geärgert haben. Halten Sie das jedoch für ein ernsthaftes Problem, gegen das Sie etwas unternehmen müssen?
Wahrscheinlich nicht. Wie die meisten Menschen halten Sie es sicherlich für ganz normal, sich zu ärgern. Ärger ist eines jener Gefühle, bei dem man den Eindruck hat, man erlebe es völlig zu Recht. Denn schließlich kann man sich doch nicht alles gefallen oder sich zum Narren machen lassen, oder? Man muss den anderen doch zeigen, dass diese nicht so mit einem umspringen können, richtig?

Wie reagiert unser Körper auf Ärger und Wut?

Wenn wir uns ärgern, dann können wir keinen klaren Gedanken fassen. Wir verlieren den Überblick und denken daran, uns zu rächen. Unser Körper befindet sich in Aufruhr. Wenn wir aus Angst vor der negativen Reaktion anderer unseren Ärger unterdrücken und ihn in uns hineinfressen, dann reagiert unser Körper vielleicht mit Herzstechen, Magenbeschwerden und Kopfschmerzen. Die Wartezimmer der Ärzte und Psychotherapeuten sind voller Menschen, die unter chronischen Kopf- und Rückenschmerzen oder zu hohem Blutdruck leiden.
Nun sagen einige Verfechter von Ärger, man dürfe ihn nicht in sich hineinfressen. Man müsse ihn vielmehr zeigen. Aber das ist noch viel gesundheitsschädlicher, als den Ärger in sich hineinzufressen, sagt der amerikanische Herzspezialist W. Redford. Er fand nämlich heraus, dass Menschen, die ihrem Ärger Luft machen, eine geringere Lebenserwartung haben, als die, die ihn für sich behalten. Wer seiner Wut Luft mache, erledige sie nicht. Sie koche vielmehr innerlich weiter und das mehr, als bei dem, der sie hinunterschluckt.

Auch ohne Ärger muss man kein Ja-Sager sein

Gewiss, Ärger kann ein starker Motor für unser Handeln sein, aber gibt es nicht einen besseren Motor als ein negatives Gefühl, das uns und unserem Körper schadet? Wir meinen ja. Wir tun beispielsweise vieles, weil wir uns dabei vorstellen, wie schön es ist und wieviel leichter unser Leben sein wird. Wir tun manches, weil wir der Überzeugung sind, dass es vorteilhaft und nützlich ist. Wir motivieren uns positiv, indem wir uns die Vorteile von etwas vorstellen, und das gibt uns die Kraft und die Energie, das zu ändern, was uns nicht gefällt. Wenn wir uns über Ungerechtigkeiten ärgern, dann ändern wir an diesen nichts. Wir schaden uns nur. Erst unser Handeln ändert etwas. Deshalb:

Ärgere dich nur über das,
was du ändern kannst.


Die Ursachen von Ärger und Wut

Denken Sie an das letzte Mal zurück, als Sie sich geärgert haben. Was für eine Situation war das, und was hat sich da eigentlich abgespielt? Wenn Sie bei sich ganz genau nachschauen, werden Sie feststellen, dass Sie sich durch die Worte oder das Verhalten des anderen verletzt und angegriffen fühlten. Sie fühlten sich entweder nicht ernst genommen oder glaubten, der andere wolle Sie als dumm oder unfähig hinstellen. Es gingen Ihnen Gedanken durch den Kopf wie: "Der denkt wohl, ich bin zu blöd dazu", "Für wie dumm hält der mich eigentlich", "Ich lass mich doch nicht zum Hampelmann machen", usw. Ihr Selbstwertgefühl war also verletzt. Und warum war es angekratzt? Wir haben bei uns und unseren vielen Patienten die Erfahrung gemacht, dass man nur dann in seinem Selbstwertgefühl verletzt werden kann, wenn man nicht viel von sich selbst hält. Wie gehen Sie mit sich um, wenn Sie etwas falsch gemacht haben? Haben Sie mit sich Nachsicht und verzeihen sich diesen Fehler? Oder machen Sie sich Vorwürfe und lassen kein gutes Haar an sich? Sehr wahrscheinlich nehmen Sie sich einen Fehler sehr übel. Ihre Fehler und Schwächen wollen Sie sich nicht zugestehen und ärgern sich deshalb häufig über sich selbst, dass Sie nicht so sind, wie Sie glauben, sein zu müssen.

Unsere Erfahrung mit unserem eigenen Ärger und dem unserer Patienten ist die:
Je mehr wir lernen, uns selbst anzunehmen, und je weniger wir uns selbst der größte Feind sind, um so weniger ärgern wir uns, und um so mehr können wir über den Dingen stehen und gelassen bleiben.

Wie mit Ärger und Wut umgehen?

  • Wenn Sie wütend sind, suchen Sie zunächst Ihre negativen Gedanken, die Sie wütend machen, wie beispielsweise: "Sie hat kein Recht, so etwas zu tun/sagen." "Er sollte nicht so ... sein." "So etwas macht man/mache ich nie, also sollte der andere es auch nicht tun." "Das ist gefährlich, ungerecht, verboten, unanständig, und deshalb sollte er nicht ... tun."
    Dann korrigieren Sie Ihren Gedankengang: "Der andere verhält sich so, wie er es tut, weil er der Meinung ist, dies sei in Ordnung". Es gibt verschiedene Gründe für sein Verhalten: weil er es nicht besser weiß, weil er es nicht besser kann, weil er Angst hat, sein Gesicht zu verlieren, weil er von Ihnen beachtet werden will, etc. Er hat das Recht, sich so zu verhalten - auch wenn es Ihnen nicht gefällt oder sie nie so etwas tun würden. Sie haben das Recht, ihm Ihre Meinung zu sagen und sein Verhalten abzulehnen. Sie haben keinen Anspruch darauf, dass die Welt fair und gerecht ist.
  • Erinnern Sie sich daran, dass Ihre Wut die Welt nicht ändern kann. Der Autofahrer vor Ihnen fährt nicht schneller. Ihre Kinder werden nicht ordentlicher. Die Kollegin arbeitet nicht mehr, nur weil Sie sich ärgern. Der Partner kommt nicht pünktlicher nach Hause, nur weil Sie wütend sind und das Essen kalt wird.
  • Wenn Sie sich schon einmal wütend gemacht haben, dann ist es besser Ihre Wut auszudrücken, als sie hinunterzuschlucken. Wut zu verspüren ist das eine. Das andere ist zu entscheiden, wie Sie diese ausdrücken.

- bei starker Wut
Vermeiden Sie es, die Menschen, über die Sie sich ärgern, unmittelbar anzusprechen und ein Donnerwetter loszulassen. Wut zu zeigen, beweist nicht, dass man mit Ihnen nicht alles machen kann. Im Gegenteil, Wut ist ein Ausdruck davon, dass Sie stark getroffen und verletzt sind. Anders ausgedrückt, wenn Sie kein Donnerwetter loslassen, heißt das noch lange nicht, dass Sie sich alles gefallen lassen.
Nehmen Sie sich ein Blatt Papier und schreiben Sie Ihre Beschwerden auf. Verwenden Sie Schimpfwörter, wenn Ihnen danach ist. Das Papier ist nur für Sie bestimmt, um Ihre Wut auszudrücken.
Eine andere Möglichkeit ist, kurz aus der Situation zu gehen und dort vor sich hinzuschimpfen. Lassen Sie Ihrem Ärger freien Lauf, jedoch nicht der betroffenen Person gegenüber.

- bei leichter Wut
Sprechen Sie die betreffende Person an. Äußern Sie in der Ich-Form: "Mir gefällt nicht ... Ich habe mir ... vorgestellt. Ich habe erwartet, dass ...". Vermeiden Sie es, in der Du-Form zu reden wie beispielsweise: "Wie konnten Sie nur ... Das war das Letzte, was Sie ... Immer machst Du .... Nie klappt, dass Du ...". Wenn Sie den anderen beschuldigen, abwerten oder schlecht machen, wird er zum Gegenangriff übergehen.
Dann fragen Sie sich, wie sich in Zukunft eine solche Situation vermeiden läßt.

Weitere Strategien für den Umgang mit Ärger

An seinem Ärger festzuhalten ist genauso wie eine glühende Kohle in die Hand zu nehmen,
um sie nach jemandem zu werfen; du bist derjenige, der sich verbrennt.

- Buddha -

© 2001-2007 Dr. Rolf Merkle - Hilfe bei Ärger und Wut
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