Folge 22: Liebe ist, dem anderen sein Anderssein zu gestatten.

Folge 22 des inspirierenden Life-Coaching-Podcasts von und mit Maja Günther

Folge 22: Liebe ist, dem anderen sein Anderssein zu gestatten.
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Folge 22: Liebe ist, dem anderen sein Anderssein zu gestatten

Den anderen als gleichwertig ansehen

In diesem Beitrag geht es um Liebe und Akzeptanz. Wie kann es uns gelingen den anderen so anzunehmen, wie er ist, mit all seinen Fehlern und Schwächen? Dazu ist es wichtig, unsere eigenen Grenzen zu kennen und zu schauen, welches Verhalten wir akzeptieren können und mit welchen Verhaltensweisen des Anderen wir nicht zurechtkommen. 

Wenn wir in Beziehung leben, gibt es zwischen uns Partnern oft ganz unterschiedliche Sichtweisen und Meinungen zu einer bestimmten Situation oder wir gehen dieselben Dinge auf eine völlig unterschiedliche Art und Weise an. Es beginnt mit unserer Wahrnehmung, denn zwei Menschen können in ein und derselben Situation ganz Unterschiedliches beachten. Sie verhalten sich anders und finden unterschiedliche Lösungen für dasselbe Problem. Betrachten wir beide Sichtweisen als gleichwertig, so stehen beide auf einer Ebene nebeneinander. 

Doch das ist im Alltag nicht so einfach. Hier entsteht nicht selten ein Konflikt, weil wir unsere eigene Meinung oder Verhaltensweise richtiger oder besser finden als die des anderen.

Kennst du solche Situationen aus deiner Beziehung? Jeder vertritt einen Standpunkt und beide haben gute Gründe für ihren Standpunkt. Wenn wir jetzt nicht werten, sondern neutral auf die Situation schauen, dann werden wir sofort feststellen, dass uns ein Beharren auf dem eigenen Standpunkt nicht weiterbringt. Dennoch sind wir immer erstmal versucht, den anderen überzeugen zu wollen. Das ist ganz erklärbar. Wir machen das, weil wir einfach an unserer Meinung näher dran sind. Wir haben ein Gefühl dazu – und das verhindert Neutralität. 

Egal, ob es um einen Standpunkt, um Verhaltensweisen oder um Lösungsansätze geht, das Thema bleibt das Gleiche. Wir werten das Unsere auf und stellen das des anderen darunter. 

Um aus diesem Mechanismus heraus zu kommen, ist es hilfreich, sich vor Augen zu führen, dass der andere ebenso ein Gefühl zu seinem Thema hat und es bewertet. Gehe so mit deinem Partner in Austausch. 

Da es so viele verschiedene Themen gibt und manche leicht und andere sehr schwer zu lösen sind, möchte ich im Folgenden ein paar Beispiele geben. 

Nehmen wir an, du bist nicht einverstanden, wie dein Partner die Wäsche wäscht, wie er die Spülmaschine ein- oder ausräumt oder du störst dich an seinem Ordnungssystem. Mache dir bewusst, dass deine Art es zu erledigen nicht besser oder richtiger ist. Du hast ein Gefühl zu deiner Tätigkeit. Genauso hat der andere ein Gefühl, wenn er seins erledigt. Hast du diese Haltung eingenommen, dann versuche innerlich einen Schritt zurückzutreten und es auszuhalten, dass er es anders erledigt. Wenn das Ergebnis das Gewünschte ist, spielt es keine Rolle, wie etwas erledigt wurde, sondern nur, dass es gemacht wurde. Wenn einer von beiden mit dem Ergebnis nicht zufrieden ist, sprecht darüber, welches Ergebnis ihr euch wünscht, nicht darüber, welcher Weg dorthin der bessere gewesen wäre.

In Beziehungen sind es oft Themen wie Pünktlichkeit, oder wie oft man sich verabredet und zusammen ist und wie viel Zeit jeder für sich alleine braucht. Oder auch: Wie geht man mit unvorhersehbaren Ereignissen um, die eine kurzfristige Planänderung erfordern? Mache dir in all den Situationen bewusst, dass beide Verhaltensweisen gleichwertig sind. Sprich mit dem anderen darüber, was dir wichtig ist und was ihm wichtig ist. Und überlege dir dabei, wo deine persönliche Grenze ist. Vielleicht brauchst du mehr Zeit für dich alleine und der andere möchte öfter Freunde treffen oder mit dir zusammen sein. Sprich über dein Bedürfnis und höre das Bedürfnis deines Partners. 

Für alle Themen gilt: Wenn du in der Auseinandersetzung mit dem anderen die Wertung weglässt und akzeptierst, dass Ihr beide Eure Sicht habt, dann kannst du im nächsten Schritt auch versuchen, die Emotionen rauszunehmen, die mit der eigenen Sichtweise verbunden sind. So bekommst du mehr Abstand und eine neutralere Sicht. Die ermöglicht Euch ein objektiveres Gespräch und das wiederum ist wichtig, um einen guten Kompromiss finden zu können.

Du kannst das wie ein Mantra üben. Wenn du von der Art und Weise des anderen genervt bist, schließe deine Augen und stelle dich und den anderen in Gedanken gleichwertig nebeneinander. Ihr seid gleich groß, gleich liebenswert und gleich bemüht um eine gute Beziehung. Sage dir: „Ich bin ich und du bist du.“ Vielleicht sagst du noch dazu: „…Und du bist anders als ich!“ „Wir sind beide gut so wie wir sind.“

Es gibt aber auch Extremsituationen, für die wir keine Kompromisse und keine Lösungen finden können. Wenn zum Beispiel einer der Partner innerhalb einer Beziehung Fremdgehen befürwortet und der andere lehnt es ab. Auch wenn wir die Standpunkte nicht werten und beide als gleichwertig betrachten, müssen sich dennoch beide fragen, ob sie mit der Sicht des anderen leben können oder nicht. Am Ende ist jeder für sich selbst verantwortlich. Da in so einem Fall die Emotionalität vermutlich wesentlich größer ist, als in der Frage wie wir eine Spülmaschine einräumen, bleibt nur das Ausloten der eigenen Grenzen. Anstatt den anderen erziehen zu wollen, sollten wir uns selbst fragen, ob wir damit leben können oder nicht. Die Konsequenz kann sein, aus der Beziehung rauszugehen, wenn wir mit dem anderen so gegen unsere Überzeugungen leben müssten, dass wir mehr leiden würden, als dass es uns guttut.

Ich glaube, dass wir in Beziehungen eine zweifache Liebesfähigkeit brauchen. Die Liebe zu uns selbst. Sie hilft uns, unsere Grenzen zu wahren und stabil in uns selbst zu sein. Und die Liebe zu anderen. Sie gestattet dem anderen sein anderssein. Für mich geht das eine nicht ohne das andere.

In jedem Fall wünsche ich dir viel von beiden Liebesfähigkeiten!

Deine Maja Günther

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