Schuld sind die anderen

Warum tun sich Menschen schwer sich Fehler einzugestehen? Wie mit Menschen umgehen die immer anderen die Schuld geben? Tipps von Dr. Doris Wolf.

Schuld sind die anderen
© Johannes W., unsplash.com

Manche Menschen tun sich schwer, Verantwortung für ihr Handeln zu übernehmen. Sie wälzen die Verantwortung lieber auf die anderen ab und geben diesen die Schuld für ihre Fehler.

Kennen Sie Menschen, die immer anderen die Schuld für etwas geben? Menschen, die vor anderen nie einen Fehler eingestehen können, Menschen, denen niemals das Wörtchen „Entschuldigung“ oder der Satz „Das war mein Fehler“ über die Lippen kommt?

Warum manche Menschen ihre Fehler nicht eingestehen

Hinter dem Verhalten, Fehler nicht eingestehen zu können, stehen zwei Grundeinstellungen.

1. Betroffene fordern von sich, alles richtig machen zu müssen.

Fehler sind für ihr Selbstwertgefühl bedrohlich. Deshalb tun sie alles, ihre Fehler zu leugnen. Sie rechtfertigen sich vor sich selbst. „Ich war es nicht. Wenn die Umstände nicht ..., dann hätte ich nicht ...“. Die Angst vor Fehlern kann auch zum Gegenangriff führen: „Ich bin nicht schuld, wenn du ... nicht, dann wäre das nicht passiert.“ Sie machen anderen Vorwürfe und geben diesen die Schuld. Hierdurch entstehen Konflikte mit der Umwelt, die Beziehungen leiden. Damit nehmen sie sich auch die Chance, neues Verhalten zu lernen und Fehler zu korrigieren.

2. Sie sind der Überzeugung, die Anerkennung anderer zu benötigen.

Deshalb müssen sie anderen gegenüber ihre Fehler verbergen und leugnen. Außerdem müssen sie ständig auf der Hut sein, dass niemand sie auf ihre Fehler anspricht. Auch hierbei können die Fehler nicht korrigiert werden.

Jeder Fehler, aus dem wir lernen, ist ein Erfolg.
Malcolm Forbes

Menschen, die Angst haben, zu ihren Fehlern zu stehen, haben ein geringes Selbstvertrauen. Sie sehen sich als minderwertig und fehlerhaft an, fordern von sich, zumindest nach außen hin perfekt sein zu müssen. Für sie sind Menschen, die einen Fehler machen, generell unfähig und ablehnenswert. Sie projezieren ihre Selbstablehnung in ihre Umwelt hinein. Einen Fehler einzugestehen, birgt für sie das Risiko, abgelehnt und als Versager gesehen zu werden. Die Leugnung ihrer Fehler ist ein Selbstschutz.

Wie mit Menschen umgehen, die keine Fehler zugeben?

Menschen, die keine Fehler zugeben können, sind eine Herausforderung für ihr Umfeld. Es wird Sie viel Kraft und bewusste Anstrengung kosten, mit ihnen umzugehen.

1. Seien Sie Vorbild!

Stehen Sie zu Ihren Fehlern und machen Sie deutlich, dass ein Fehler niemals die Erfolge und positiven Verhaltensweisen der Vergangenheit in Frage stellen kann.

2. Suchen Sie gemeinsam nach den Ursachen.

Wenn im Arbeitsbereich oder zuhause etwas schief läuft, versuchen Sie mit Ihrem Partner oder Ihrem Kollegen herauszufinden, wie es dazu kam. Sprechen Sie mit Ihrem Gegenüber. Die Fragen sollten lauten: Wie kam es zu diesem Problem? Was habe ich, was hast du dazu beigetragen? Wie können wir dies in Zukunft vermeiden?

3. Begegnen Sie Ihrem Partner oder Kollegen mit Achtung.

Entwickeln Sie innerlich die Einstellung, dass jeder Mensch Fehler macht und kein Mensch absichtlich Fehler macht. Ihr Gegenüber hat Angst, abgelehnt, kritisiert oder „kleingemacht“ zu werden, deshalb fällt es ihm schwer, Fehler einzugestehen.

4. Verzeihen Sie Fehler und nutzen Sie die Schwächen nicht aus.

Möglicherweise hat Ihr Partner oder Ihr Kollege schlechte Erfahrungen damit gemacht, zu seinen Fehlern zu stehen. Auslachen, ständiges Darauf-Herum-Hacken, bei anderen über den Betroffenen herziehen, zukünftiges Vertrauen in die Fähigkeiten reduzieren - sind menschliche, aber keine hilfreichen Reaktionen.

5. Teilen Sie Ihre Enttäuschung mit.

Sagen Sie Ihrem Gegenüber, dass er die Situation falsch darstellt: „Aus meiner Sicht ... Ich habe das ... so ... erlebt.“

Wichtig zu wissen: Vermeiden Sie Vorwürfe, Wutausbrüche und Abwertungen wie etwa

  • „Wie konntest du nur ...
  • Das ist die Höhe, dich so aus der Situation zu ziehen.
  • Immer tust du ...
  • Nie gibt du zu, dass ...
  • Immer den Unschuldsengel markieren ...“
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Nono schreibt am 06.06.2021

Och bin seit über 30 Jahren mit einem Mann verheiratet, der noch nie einen Fehler bei sich sah. Immer war irgendwie ich oder andere Dinge schuld. Auch der kleine Satz ''ich liebe dich '' kam ihm nie über die Lippen. Doch versucht er, mir oft was zu basteln oder mit dem Menü zu punkten. Bin ich mit einem Psychopathen oder so verheiratet? Ich weiß auch nicht weiter.

Monika schreibt am 14.03.2021

Hallo zusammen,
ja mich belastet so ein Verhalten auch sehr. Ich hab in der Vergangenheit Erfahrungen im direkten Umfeld gemacht, in dem sich Leute an Beziehungen festhielten, die ihnen nicht gut taten, dann aber nutzten, um sich in einem besseren/überhöhten Licht darzustellen. Für mich war klar, da ich leider zu nah mit ihnen zu tun hatte, dass nur ehrliches und offenes Verhalten Lockerungen bringt. Sie sahen ihre eigenen Fehler nicht und ich kam mir vor wie jemand, der ihre Bürden mittragen soll, sich aber ständig dagegen wehrt. Weil es einfach weh tut und einschnürt. Die Erfahrung in der Vergangenheit endete mit einem Hagel aus Vorwürfen gegen mich, ich sollt aus der Umgebung herausgedrängt werden. Das Gute, das bleibt, ist dass ich noch meinen eigenen Zeitpunkt gefunden habe, um zu gehen, also nicht im wirklichen Sinn rausgedrängt wurde. Aber trotzdem nagt das noch heute an mir.
Gegenwärtig befinde ich mich wieder in so einer Situation, fehlende offene Kommunikation über ein halbes Jahr, mein Beitrag dazu dass ich versucht habe einen besseren Weg durchzubringen, einfach damit man richtig redet, sich kein Frust aufstaut, nicht so viel gekeift wird. Das ist schlimm, für mich find ich meinen Weg, aber mein Umfeld tendiert wie in der Vorerfahrung immer stärker dazu, dicht zu machen, auf die Richtigkeit des eigenen Verhaltens zu bestehen. Das hat jetzt seinen traurigen Höhepunkt gefunden.
Ich finde es sehr kindisch, sicher auch von mir dass ich wieder versucht habe, etwas zu bessern, damit das gemeinsame Dasein im Hier und Jetzt angenehmer ist. Aber Menschen lassen sich ungern ändern und wenn doch, dann erst im Nachhinein, nach der gemeinsamen Phase.
Das ist so anstrengend.
Für mich seh ich nur die Lösung, so schnell wie möglich weiterzuziehen, das alles loszulassen. Vielleicht bewirkt das im Nachhinein was Gutes, für diese Leute, aber so wie sich mein gegenwärtiges Umfeld verhält, hinterlässt es bei mir leider nur wieder Wunden.
Es wäre schöner, ein Umfeld zu haben, das nicht so nagend ist, stresst, sondern offen genug ist, um zu geben. Es ist wie ein überflüssiger Konkurrenzkampf, um den Gegenüber vorzuführen, in diesem Fall mich vorzuführen... ehrlicherweise konnt ich ihr Verhalten auch bei anderen sehen, sie sind also nicht nur bei mir so. Schade um die Lebenszeit.
LG Monika

mark schreibt am 08.12.2020

habe auch so einen Fall in der Familie glaube ich. Es kommen zwar keine Gegenvorwürfe. Aber sich einmal zu erklären oder sich zu entschuldigen für wirklich mieses und vor allem nicht nachvollziehbares Verhalten passiert nicht. Alle Gesprächsversuche dazu werden abgeblockt. Stattdessen wird versucht die Ursache im System der Gruppe zu suchen. Dadurch werden noch andere mit in den Konflikt hineingezogen und fühlen sich nun auch noch schuldig, obwohl sie gar nichts damit zu tun hatten. Das macht mich echt wütend.
Habe nach langer Zeit, in der mich dieses Verhalten jedes Mal ganz irre gemacht hat, den Kontakt erstmal abgebrochen. Mir geht es damit besser. Vom Verstand her habe ich es aber nicht verarbeitet. Ich verstehe einfach nicht, warum man sich nicht entschuldigen oder sich wenigstens erklären kann. Und ich hatte immer wieder zwischendurch auch das dumpfe Gefühl, dass das nicht Reden wollen darüber mit Macht zu tun hat.
@ Hansjörg und Bernd: ich vermute, dass ihr viell. um eine Trennung nicht durmherum kommt. Es muss nicht zwangsläufig schlechter sein für die Kinder. Denn die zwischenmenschlichen Spannungen wenn man sich nicht trennt und nicht darüber reden kann sind vermutlich auch eine starke Belastung für die Kinder, wenn sie sensibel sind. Davor könnte man es noch mit gewaltfreier Kommunikation versuchen (nach M. Rosenberg). Vielleicht kann man darüber wieder zueinander finden.

Ingrid schreibt am 26.11.2020

"Stehen Sie zu Ihren Fehlern und machen Sie deutlich, dass ein Fehler niemals die Erfolge und positiven Verhaltensweisen der Vergangenheit in Frage stellen kann." Bei Menschen, die Fehler nicht eingestehen, führt ein solches Verhalten zu nichts, sie ordnen dies als Schwäche ein mit der Folge der Verstärkung ihrer Machtansprüche.

hansjörg schreibt am 11.11.2020

erlebe es ähnlich wie Bernd. Unser oder mein Problem ist Vorallem die Tatsache, dass keine Spur Einsicht vorhanden ist. Unmöglich dass Sie zu ihrem Tun stehen würde. Alles was ich erlebt habe habe ich schlicht und einfach erlogen. Die schlimmsten Ausbrüche, die primitivsten Beleidungen, alles von mir geträumt und der einzige der streitet bin ich. Obwohl ich dann nur noch ruhig bin und gar nichts mehr sage. Bin doch nicht so blöd und giesse Benzin ins Feuer. Ausserdem sind ja noch Kinder im Haushalt. Ausser vielleicht, entschuldige aber ich werde auf keinen Fall mitstreiten und bin desshalb jetzt ruhig.
bin ratlos und schon bald wohl auch entmutigt. Weiss jemand Rat? Danke.

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