Warum wir uns mit dem Nein sagen schwertun

Warum fällt das Neinsagen schwer? Einstellungen die das Neinsagen erschweren. 4 hilfreiche Tipps die das Nein sagen erleichtern.

Warum wir uns mit dem Nein sagen schwertun

Wie oft sagen Sie spontan Ja, wenn jemand Sie um einen Gefallen bittet? Ziemlich oft?

Wie oft ärgern Sie sich hinterher, spontan Ja gesagt zu haben und bereuen es, Ja gesagt zu haben? Auch ziemlich oft?

Dann sind Sie hier richtig.

Die ersten Neins hören wir von unseren Eltern. Diese sagten Nein, wenn wir etwas taten, was Sie für gefährlich oder unanständig hielten, wenn wir uns daneben benahmen, wenn wir Ihnen mit unserem Geschrei auf die Nerven gingen, usw.

Später - in unserer Trotzphase - erprobten wir selbst die Wirkung des Wortes Nein.

Wir sammelten dabei erste Erfahrungen, wie die Umwelt auf ein Nein reagiert.

Häufig waren die Reaktionen der Eltern auf unser Nein Unverständnis, Ablehnung, Kritik, Tadel, Zurückweisung, Gekränktsein, ja vielleicht sogar Schläge.

Wir lernten: Nein sagen bringt Stress, Disharmonien, Streit, Nachteile, ja sogar Strafen.

Es war bequemer, ein liebes und gehorsames Kind zu sein oder wenigstens so zu tun.

Vielleicht lebten uns unsere Eltern auch vor, dass man vor anderen gut dastehen muss und deshalb nicht Nein sagen oder negativ auffallen darf.

Dann ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass wir uns ihr angepasstes Verhalten "abgeschaut" haben.

Welche Einstellungen hindern am Neinsagen?

Aufgrund der Erfahrungen in der Kindheit haben wir uns blockierende Gedanken angeeignet, die uns das Neinsagen erschweren. Diese sehen so aus:

Wenn ich Nein sage,

  • wird mich der andere ablehnen.
  • bin ich schuld, wenn andere enttäuscht, gekränkt, verärgert oder verletzt sind.
  • bin ich herzlos und egoistisch.
  • werde ich abgelehnt.
  • werde ich eines Tages einsam und verlassen dastehen.

Solch negative Gedanken machen uns Angst, Nein zu sagen. Deshalb sagen wir lieber Ja aus Angst vor negativen Konsequenzen.

Wenn wir häufig Ja sagen, obwohl wir lieber Nein gesagt hätten, dann ärgern uns meist über uns.

Dadurch leidet unser Selbstwertgefühl, weil wir uns für einen Schlappschwanz und Feigling halten.

Wir fühlen uns ausgenutzt und abhängig von anderen. Wir fühlen uns als Opfer.

Hat es Vorteile, Ja statt Nein zu sagen?

Oh Ja. Wenn wir nicht Nein sagen, dann

  • werden wir eher gemocht.
  • sehen andere uns als selbstlose, zurückhaltende Menschen an.
  • können wir uns selbst für einen guten, selbstlosen Menschen halten.
  • gehen wir Konflikten, Streitereien und Diskussionen aus dem Weg.
  • vermeiden wir Schuldgefühle, die wir bekämen, wenn wir uns durchsetzen würden.

Wenn Sie in Zukunft häufiger Nein sagen, dann müssen Sie wahrscheinlich auf einige dieser Vorteile verzichten, die das Ja-Sagen hat.

Sind Sie bereit, dieses Opfer zu bringen? Vielleicht, wenn Sie erfahren, was Sie durch ein Nein gewinnen können.

Was Sie gewinnen, wenn Sie häufiger Nein sagen

Neinsagen können hat unbestreitbare Vorteile. Ja, ich würde sogar behaupten: Neinsagen können hat mehr Vorteile, als Nachteile.

Vorteile, wenn wir Nein sagen

  • Unsere Bedürfnisse werden befriedigt.
  • Wir sind zufriedener, da wir in Einklang mit unseren Bedürfnissen leben.
  • Wir verschaffen uns Respekt. (Ja-Sager genießen kein hohes Ansehen)
  • Unsere Selbstachtung steigt. Wir können in den Spiegel schauen ohne darin einen Feigling zu sehen, der Angst hat, Nein zu sagen.
  • Wir lassen uns nicht ausnutzen.

Was meinen Sie? Wiegen diese Vorteile die möglichen Nachteile auf? Entscheiden Sie selbst.

Ach ja. Noch eines: Wenn Ihre größte Befürchtung beim Neinsagen ist, dass der Bittsteller Ihnen Ihr Nein übel nimmt und sich von Ihnen abwendet, was haben Sie verloren?

Einen Freund? Einen wichtigen Menschen? Wohl kaum. Wenn Sie die Sympathie nur bekommen, wenn Sie Ja sagen, dann kann dem anderen nicht viel an Ihrer Person liegen, oder?

Sie sind dann für ihn nur interessant für das, was Sie ihm geben. Er mag Sie nicht um Ihretwillen, nur wegen Ihrer Ja-Geschenke.

Auf so jemanden können Sie verzichten, oder?

Wie lernen, Nein zu sagen?

Neinsagen lernen braucht Geduld, Übung und etwas Mut. Jawohl Mut. Warum?

Weil wir etwas tun, vor dem wir anfänglich Angst haben und weil manche der befürchteten Reaktionen tatsächlich eintreten werden.

Andere werden anfänglich über Ihr Nein nicht erbaut sein - insbesondere, wenn sie es gewohnt sind, dass Sie immer Ja sagen.

Im Gegenteil: die anderen werden manchmal enttäuscht sein.

Man wird Ihnen vorwerfen, herzlos zu sein. Man wird Sie vielleicht als Egoist beschimpfen.

Mit solchen Reaktionen gilt es, leben zu lernen!

Ich will ehrlich sein: Neinsagen kann am Anfang verdammt schwerfallen und weh tun. Aber die Wunden werden heilen, ohne dass Narben zurückbleiben.

Und schließlich hat es erhebliche Vorteile, häufiger Nein zu sagen.

Vielleicht sollten Sie damit starten, den Test Angst vorm Neinsagen zu machen und sich Klarheit verschaffen, wie es um Ihre Angst steht.

TIPP 1:Lernen Sie, Ihre Selbstachtung zu stärken

Warum ist eine gesunde Selbstachtung wichtig? Lehnen wir uns ab und glauben, wir seien nicht in Ordnung, dann haben wir ständig Angst, andere könnten negativ von uns denken.

Je mehr wir überzeugt sind, liebenswert und in Ordnung zu sein, umso weniger Angst haben wir vor Ablehnung und Zurückweisung.

Deshalb ist es wichtig, seine Selbstachtung zu stärken!

In den folgenden Beiträgen finden Sie hilfreiche Informationen zum Thema Selbstachtung und Selbstwertgefühl.

Machen Sie sich an die Arbeit. Es lohnt. Versprochen!

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Woher eine geringe Selbstachtung kommt

Wie seine Selbstachtung stärken und aufbauen?

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TIPP 2:Nehmen Sie die Körperhaltung eines selbstbewussten Nein-Sagers ein

Wenn Ihre Körpersprache Unsicherheit und Unterwürfigkeit signalisiert, können Sie ein Nein nicht überzeugend rüberbringen.

Üben Sie also eine selbstbewusste Körperprache einzunehmen, wenn Sie Nein sagen.

Unterstreichen Sie deshalb Ihr Nein mit einer eindeutigen Körpersprache:

  • Arme vor Brust verschränken,
  • mit Hand eine abwehrende Bewegung machen,
  • Kopf schütteln,
  • das Nein mit fester Stimme aussprechen,
  • dem anderen in die Augen schauen.

Eine selbstbewusste Körpersprache verleiht Ihren Worten Gewicht.

Achten Sie auf Ihre Körpersprache, wenn Sie überzeugend Nein sagen wollen.

Auch der Beitrag Notlügen könnte interessant sein.

TIPP 3:Geben Sie sich die Erlaubnis, ein Egoist zu sein

Ja, Sie haben richtig gelesen. Tatsache ist: jeder Mensch ist ein Egoist!

Jeder hat für das, was er tut, egoistische Gründe. Total altruistische Menschen gibt es bestenfalls in buddhistischen Klöstern.

Wenn wir anderen helfen, gewinnen wir immer auch etwas: innere Zufriedenheit, das Gefühl, ein guter Mensch zu sein, einen Sinn im Leben, ...

Kein Grund also, sich dafür zu schämen, dass wir egoistisch sind.

Wenn Sie jemand als Egoisten bezeichnet können Sie sicher sein, dass dieser Jemand selbst einer ist.

Sein Ego(ismus) wird nicht befriedigt (er bekommt nicht, was er will) und versucht Sie mit dem Vorwurf, ein Egoist zu sein, emotional zu manipulieren.

Machen Sie den Egoismus Test, um zu sehen, ob Sie zu egoistisch sind.

Und werfen Sie einen Blick in meine Videoberatung Angst egoistisch zu sein und den Beitrag Sich selbst verwirklichen heißt egoistisch zu sein.

Wenn du Ja zu anderen sagst, pass auf, dass du nicht Nein zu dir sagst.

Paulo Coelho

TIPP 4:Reden Sie Klartext

Gebrauchen Sie keine Entschuldigungen, Ausflüchte oder Notlügen, wenn Sie Nein sagen.

Üben Sie, klar und deutlich zu sagen:

  • Das möchte ich nicht.
  • Dazu habe ich keine Lust.
  • Ich kann nicht.
  • Da geht nicht.

Sie können eine Begründung für Ihr Nein anfügen, müssen aber nicht.

Wenn Sie Ihre Ablehnung begründen, achten Sie darauf, dass Sie sich nicht für Ihr Nein entschuldigen nach dem Motto: Verzeih mir. Bitte hab Verständnis für meine Absage.

Sie haben das Recht, Nein zu sagen, wenn es Ihnen in den Kram passt.

Sie dürfen egoistisch sein, auch wenn es sich vielleicht so anfühlt, dass es schlecht ist, egoistisch zu sein.

Denken Sie daran: Jeder Mensch ist egoistisch.

Üben Sie Ihr Nein erst mal vor einem Spiegel. Stellen Sie sich eine Person vor, die Sie häufiger um einen Gefallen bittet und der Sie oft allzu bereitwillig zusagen.

Nehmen Sie eine selbstbewusste Körperhaltung ein und sagen klar und deutlich: NEIN.

Wie fühlt sich das an? Komisch? Vermutlich. Sie sind es ja nicht gewohnt. Deshalb: so lange üben, bis Sie Ihr Nein mit einem guten Gefühl aussprechen können.

Mehr dazu, Wie Sie ein Nein formulieren können.

Übung macht den Meister

Nur durch Übung wird es Ihnen leichter fallen, Nein zu sagen, wenn es für Sie und Ihr Wohlbefinden wichtig ist.

Bleiben Sie also am Ball und haben Geduld. Alles Gute und viel Erfolg.

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Kimba schreibt am 02.09.2020

Ich (50, w) finde es unglaublich schwierig, den für mich neuen Weg des Nein-Sagens zu gehen. Das schwierigste: Es muss mir egal sein, wie es dem anderen damit geht. Mir wurde aber von klein auf eingeimpft, dass ich dafür verantwortlich bin, dass es anderen gut geht. Davon wegzukommen ist anstrengend und belastend. Und obwohl mein Nein von gestern richtig war, habe ich Bauchschmerzen und Herzrasen und Angst davor, wie es jetzt weitergeht. Dabei kann mir auch das egal sein, die Person ist überhaupt nicht wichtig für mich, auch wenn sie direkt nebenan wohnt. Wie finde ich diese "Scheißegal-Haltung"?

Kola schreibt am 26.08.2020

super

Astrid Zinnow schreibt am 16.08.2020

Super gut geschrieben Vielen Danke da für

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