6 Tipps, wie du dich aus der Opferrolle befreist

In Krisen fühlen sich viele Menschen hilflos und als Opfer anderer oder des Schicksals. Dieser Beitrag gibt 6 Tipps, wie du dich aus der Opferrolle befreien kannst.

6 Tipps, wie du dich aus der Opferrolle befreist
© Foto von Matthew Lancaster auf unsplash.com

Im Laufe des Lebens widerfahren uns auch viele belastende Erlebnisse und Ereignisse. Wir verlieren Menschen durch Trennung und Tod, wir erkranken schwer, geraten unverschuldet in einen Unfall, von dem wir körperliche Schäden davontragen können, wir werden durch betriebliche Veränderungen arbeitslos, wir werden zum Opfer eines Stalkers oder zum Opfer eines Mobbers usw.

In solchen Momenten fühlen wir uns leicht ohnmächtig und als Opfer. Wir bemitleiden uns, ärgern uns maßlos über das zu erleidende Unrecht, hadern mit dem Schicksal, sind deprimiert und glauben, die Welt und das Schicksal seien gegen uns. Wir sind ratlos und fühlen uns ausgeliefert und hilflos. Wie stark wir unter den Widrigkeiten und Ereignissen leiden und wie schnell wir uns aus der Opferrolle befreien können, hängt jedoch nicht so sehr von den äußeren Umständen, sondern mehr von uns selbst und unseren Einstellungen dazu ab.

Verhaltensweisen, die dich in die Opferrolle bringen

Dass wir zum Opfer von Angriffen, Verletzungen, Enttäuschungen und Schmerzen werden, können wir nicht verhindern. Sehr wohl aber haben wir einen Einfluss darauf, wie wir auf die Angriffe, Verletzungen, Enttäuschungen und Schmerzen reagieren und wie sehr wir unter diesen leiden, denn wie lautet die alte Weisheit? Schmerz ist unvermeidlich, Leiden ist freiwillig.

Vielleicht klingt es zynisch für dich, dass dein Leiden freiwillig sein soll. Du würdest lieber heute als morgen aufhören, zu leiden. Gleichzeitig bist du davon überzeugt, dass das unmöglich ist, allein weil du den seelische oder körperliche Schmerz, den du ertragen hast, nicht vergessen kannst. Vor allem aber leidest du, weil du denkst, die anderen oder das Schicksal seien schuld an deinem Leid und Ihren Problemen und nur sie könnten dich davon befreien. Doch der Mechanismus ist ein anderer:

Wenn wir anderen jedoch die Schuld geben, dann geben wir ihnen Macht über uns und unser Leben. Wir entmachten uns dadurch – und machen uns so zum Opfer.

Frage dich stattdessen:

  • Muss ich mich (oft tagelang) ärgern, wenn Dinge schief laufen oder kaputtgehen?
  • Muss ich mich (oft über lange Zeit) verletzt und gekränkt fühlen, wenn meine Partnerin oder mein Partner mich seelisch angegriffen und verletzt hat?
  • Muss ich mich dann auch noch über mich selbst ärgern, dass ich die Angeriffe von anderen zugelassen habe? Warum muss ich deprimiert und verzweifelt sein, wenn mir jemand übel mitspielt?
  • Muss ich mir gleich meinen ganzen Tag vermiesen lassen, nur weil jemand eine dumme Bemerkung zu mir gemacht hat?
  • Muss ich mein ganzes Leben lang unter der Erziehung meiner Eltern leiden?

Wenn du dir diese oder ähnliche Fragen ernsthaft stellst, dann wirst du nur eine Antwort finden: Du musst es nicht. Wenn du leidest, dann einzig und allein, weil du anderen und dem Schicksal Macht über dich gibst oder gegeben hast. Das mag vielleicht hart und wenig mitfühlend klingen. Aber psychologische Studien und die therapeutische Erfahrung zeigen, dass diejenigen, die sich selbst als Opfer sehen, das keine Wahl hat, über sein Leben und seine Gefühle zu bestimmen, sich selbst am meisten Leid zufügen. 

Niemand kann dir schlechte Gefühle machen, wenn du das nicht zulässt.

Gibt es ein Leben ohne Leid?

Nein. Jeder Mensch erlebt auch schwere Zeiten, muss Schicksalsschläge ertragen und ist Angriffen ausgesetzt. Das beginnt in der frühsten Kindheit und dauert bis ins hohe Alter. 

Nicht ein gänzlich unbeschwertes Leben macht uns glücklich. Viel wichtiger ist, zu lernen, mit unerfreulichen Ereignissen und Problemen so umzugehen, dass wir daran wachsen.

Wenn Menschen Unerfreuliches erleben, dann entscheidet ihre Einstellung dazu, ob und wie stark sie darunter leiden. Zufrieden ist daher, wer glaubt, sein Schicksal selbst in die Hand nehmen zu können und trotz widriger Umstände seines Glückes Schmied zu sein. Glücklich und zufrieden sein, bedeutet nicht, niemals unerfreulichen und schmerzvollen Erfahrungen zu machen! Sich trotz widriger Umstände gut zu fühlen heißt vielmehr, überzeugt zu sein, über die Kraft zu verfügen, das ändern und beeinflussen zu können, was einem widerfährt, sein Leben in die Hand zu nehmen, das Beste aus dem zu machen, was einem widerfährt.

Ohne deine Erlaubnis geht gar nichts

Mach dir bewusst:

  • Ohne deine Erlaubnis kann dir niemand das Gefühl geben, minderwertig zu sein!
  • Ohne deine Erlaubnis kann dich niemand verletzen oder demütigen.
  • Ohne deine Erlaubnis kann niemand dich traurig oder deprimiert machen.

Du und nur du hast die Macht, schlechte Gefühle abzuwehren oder zu überwinden und zwar, indem du die Verantwortung für dich, dein Leben und deine Gefühle übernimmst. Es ist mittlerweile wissenschaftlich erwiesen:

  • Wenn du dich für schwach hältst, dann machst du dich zu jemand, der sich nicht wehren kann und lädst andere ein, auf dir herumzutrampeln.
  • Wenn du dich für hilflos hältst, dann bist du es und machst dich zum Spielball. Wenn du dich aufgibst, bist du verloren.
  • Wenn du dich für minderwertig hältst, dann bist du empfindlich wie eine Mimose und fühlst dich leicht und schnell verletzt.
  • Wenn du dich für nicht liebenswert hältst, dann fühlst du dich ungeliebt.
  • Wenn du dich bemitleidest und bedauerst, dann machst du dich zum Opfer, indem du dem Schicksal oder anderen die Schuld für deine Lage gibst.
  • Wenn du deinen Selbstwert von der Zustimmung der anderen abhängig machst, bist du immer von der Anerkennung der anderen abhängig.
  • Wenn du glaubst, von anderen abhängig zu sein, dann bist du anfällig für Manipulationen durch Ihre Mitmenschen.

Passiv bleiben, sich als Opfer ansehen, bedeutet sich zum Opfer und zum Spielball anderer Menschen zu machen.

Solange wir uns als Opfer sehen und uns ungerecht behandelt und benachteiligt fühlen, solange sind wir ungerecht zu anderen, um die vermeintlich offene Rechnung auszugleichen.

Hat es Vorteile, sich als Opfer zu fühlen?

Ja, sich als Opfer zu fühlen, kann vordergründig Vorteile haben.

  • Wir können die Hände in den Schoß legen und anderen – den vermeintlichen Täterinnen und Tätern – die Schuld für unser Unglücklichsein und unser Leid geben.
  • Wir bekommen vielleicht auch Zuwendung in Form von Mitleid und Trost.
  • Wir können uns selbst bemitleiden und unsere Wunden lecken, was uns zeitweise gute Gefühle macht. Wir können uns als gute und moralische Menschen ansehen – im Gegensatz zu den Bösen, die uns all das Leid zufügen.
  • Und als Opfer haben wir schließlich auch einen Anspruch auf Entschädigung für das erlittene Unrecht. Die anderen (Menschen, das Schicksal, die Eltern, Gott) schulden uns etwas. Wir müssen nichts tun und können uns trotzdem im Recht fühlen.

Das Problem daran ist: Diese Vorteile sind bestenfalls nur Trostpreise, die unser seelisches Leid vielleicht etwas lindern, aber nicht beseitigen können. Besser ist es daher, uns selbst aus der Opferrolle zu befreien. Nur so können wir uns auch gegen zukünftige Angriffe und Verletzungen immun machen, uns weiteres Leid ersparen und unser Leben so positiv und zufriedenstellend gestalten, wie wir es uns wünschen.

6 Tipps, wie du dich aus der Opferrolle befreien kannst

TIPP 1:Überlege dir, ob du dich selbst als Opfer siehst

Dass du dich selbst zum Opfer gemacht hast, ist dir oftmals gar nicht so richtig klar. Deshalb ist der erste Schritt zur Loslösung dieser Verhaltensweise, dass du dir dessen bewusst wirst und es dir eingestehst.

TIPP 2:Mach dir bewusst, dass du nie hilflos bist, sondern immer die Möglichkeit hast, zu entscheiden

Du kannst deine Lebensqualität nur verbessern, wenn du die Verantwortung für sich, Ihre Gefühle und Ihr Leben übernimmst. Solange du glaubst, keine Einflussmöglichkeiten zu haben, wenn du dich als hilflos ansiehst, dann sitzt du in der Opferfalle. Denn dann glaubst du, hilflos zu sein und dich nie mehr aus der Opferrolle befreien zu können. Doch entspricht das der Wahrheit? Nein. Du empfindest vielleicht so, tatsächlich aber hast du immer Einflussmöglichkeiten auf deine Sotuation. Um diese erkennen und nutzen zu können, sage dir: "Ich bestimme, wie ich mich fühle und verhalte." Mit diesem Satz übernimmst du die Verantwortung für deine Gefühle und hast damit bereits einen wichtigen Schritt getan, dich aus der Opferrolle zu befreien.

TIPP 3: Lerne, deine Gefühle mit deinen Gedanken zu beeinflussen

Warum das möglich ist und wie es dir gelingt, dich von belastenden Gefühlen zu befreien, erfährst du in den folgenden Selbsthilfe-Informationen.

TIPP 4:Ergründe, warum sich andere Menschen dir gegenüber so verletzend verhalten haben

Indem du mit einer möglichst neutralen Einstellung nach den persönlichen Motiven anderer suchst, weshalb sie dich schlecht behandelt oder übervorteilt haben, lernst du ihr Verhalten besser zu verstehen und machst dich so unabhängiger von ihrer Meinung.

TIPP 5:Stärke dein Selbstwertgefühl

Seelisches Leid, etwa Verletzungen und Kränkungen, Eifersuchtsgefühle und Verbitterung fügen wir uns in hohem Maße selbst zu, weil wir gering von uns denken und uns selbst ablehnen. In dem Maße, in dem du dein Selbstwertgefühl stärkst und dich anzunehmen lernst, in dem Maße bist du weniger anfällig, in die Opferrolle zu geraten.

TIPP 6:Mach dir bewusst, dass dich keine Schuld an dem trifft, was geschehen ist

Schlimme Ereignisse, sowohl Schicksalsschläge, als auch Angriffe verbaler und körperlicher Art, passieren einfach, weil die Umstände sie begünstigen. Die Welt und das Leben sind in ihren komplexen Zusammenhängen weder gerecht noch erklärbar. Indem du negative Erlebnisse nicht als Bestrafung oder nur dich als einzigen Menschen betreffend sehen, kannst du dich von der Vorstellung befreien, du hättest Schuld daran. Das hilft dir, dein Leid zu überwinden.

Mutmachende Beispiele wie das von Viktor Frankl

Vielleicht helfen Ihnen die Worte vom Verleger und Intellektuellen Viktor Frankl, der im 2. Weltkrieg im Konzentrationslager Ausschwitz gefangen war und diese Zeit überlebt hat. Rückblickend sagte er:

Wir, die wir im Konzentrationslager lebten, erinnern uns an Menschen, die anderen geholfen haben, die ihr letztes Stück Brot mit anderen teilten. Wenn es auch nicht viele waren, so sind diese wenigen Menschen doch der Beweis dafür, dass man einem Menschen alles nehmen kann, bis auf eines, nämlich die letzte aller menschlichen Freiheiten, die Freiheit, in jeder Situation seine Einstellung zu wählen.

Schau dir auch die mutmachenden Geschichten behinderter Menschen an, die allen Grund hätten, sich als Opfer des Schicksals zu fühlen und verzweifelt zu sein. Stattdessen nutzen sie ihre verbleibenden Möglichkeiten zu hundert Prozent aus und erreichen so mehr als die meisten nichtbehinderten Menschen.

Wenn wir der einzige Mensch sind, bei dem wir uns beschweren können, wenn wir keine Ausreden mehr gebrauchen und keine Schuldigen suchen, dann leben wir selbstverantwortlich und sind in der Lage, das Beste aus uns und unserem Leben zu machen.

Dinge ändern sich nur, wenn du den ersten Schritt tust

Ich konnte meinen Beruf nicht mehr ausüben. Meine Existenz stand auf dem Spiel. Ich war wie gelähmt, fühlte mich total gescheitert. Wenn du ganz unten bist, musst du entscheiden: Mach ich weiter wie bisher? Oder stehe ich auf und versuche die Dinge zum Positiven zu wenden. Für mich kam immer nur Letzeres infrage. Die Dinge ändern sich nur, wenn du den ersten Schritt tust.

Das sagte Judith Williams in einem Interview mit dem Nachrichtenmagazin Focus. Heute verdient sie mit Beauty-Produkten Millionen und ist ein gefeierter TV-Star.

Jede Ausrede ist eine Chance weniger

Martina Navratilova, eine der erfolgreichsten Tennisspielerinnen des 20. Jahrhunderts und neunfache Wimbledon-Siegerin, erkrankte noch während ihrer aktiven Zeit an Krebs und machte dennoch weiter. Dazu sagte sie in einem Interview:

Mir war immer klar, dass ich die Dinge, die falsch laufen, egal ob auf dem Platz oder im richtigen Leben, selbst anpacken muss. Ich glaube nicht an das Schicksal oder Verschwörung. Wenn es ein Problem gibt, dann löse ich es. Ich mache keinen Unterschied zwischen meiner Karriere und dem Krebs. Ich will siegen.

Martina Navratilova sah sich nicht als Opfer. Sie war überzeugt davon, dass sie die Verantwortung für sich und ihr Leben übernehmen muss, wenn sie persönlich und beruflich erfolgreich sein will. Überlege dir Folgendes:

Durch Ausreden, Ausflüchte und Schuldzuweisungen begibst du dich sich in die Opferrolle und hast so kaum eine Chance, Krisen und Hindernisse erfolgreich zu meistern.

Wichtig zu wissen

Die oben aufgeführten Tipps richten sich an Erwachsene. Wenn du als Kind schlimme, traumatische Erfahrungen gemacht hast, dann fehlte dir damals höchstwahrscheinlich die Fähigkeiten, das Erlebte zu reflektieren. Kinder können noch nicht gezielt ihre Einstellung verändern. Oft kann ein schlimmes Erlebnis so tiefsitzende und lang anhaltende Traumata verursachen, an denen viele Betroffene bis ins Erwachsenenalter leiden.

Erst dann haben sie jedoch die Möglichkeit, das Erlebte allein oder mithilfe von Therapeut:innen und Coaches besser zu verarbeiten und ihren Blick in die Zukunft zu richten. Als Erwachsene können sie entscheiden, das Vergangene zu akzeptieren – auch wenn es sehr schlimm war und Ihnen schweres Unrecht getan wurde. Es ist vorbei und existiert nur noch in der Erinnerung.

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no schreibt am 13.08.2023

Wie kann man sich innerhalb von wenigen Sätzen immer wieder widersprechen? Man ist nicht schuld daran, dass man leid erfährt, aber dumm, dass man sich über die Ungerechtigkeiten ärgert? Und dann lädt man andere auch noch dazu ein, auf einem rumzutrampeln? Man macht sich selbst zum Opfer, auch wenn man korrekt identifiziert, dass man zum Opfer gemacht wurde? Entscheiden Sie sich endlich mal...


Christel Hinkler schreibt am 19.05.2023

Es gibt zu wenig durchgreifende Hilfen für Opfer von Gewalt durch Nachbarn. Wie soll ich als alleinstehende an Beweise kommen?


Ka. schreibt am 06.09.2022

Bei mir ist es eher so, dass ich rückblickend eigentlich die war, die Lebensfreude und Genuss lebt und andere daran teilhaben lassen wollte. Seinen Reichtum teilen. soll man doch. Die aber ständig mit ihren negativen Gerede und ihren Problemen ja auch zu mir kommen, Ich tue alles, ich erzähle aus meinen Erfahrungen usw...am Ende merke ich, dass die zu feige sind, mal was anzupacken und zu ändern, die jammern nur. Ich sehe das Positive auch was wir als Frauen in Dtl. alles haben, die sollen mal nach Indien oder Afrika gehen. Wir haben hier unser eigenes Geld und im Büro einen sicheren Arbeitsplatz, wir dürfen frei über unsere Zeit und Geld verfügen...die meisten haben noch Familie, ich lebe alleine...was mich dann so runterzieht, ist diese Vergeblichkeit, mit der ich mich da einbringe. Über mich wird dann noch gelästert oder man kommt zum Zimmer rein und macht sich lustig über mich: "Achtung, ich bins - mit meiner negativen Energie!" und lacht...weil ich mal gesagt habe, die sollen nicht immer ihre negative Energie verbreiten...zu Hause bin ich dann niedergeschlagen, warum ich es nicht schaffe, diesen Leuten Paroli zu bieten. Ich habe die ganze Woche diese Leute auf Arbeit um mich herum, im privaten meide ich dann Menschen, weil ich keine Lust mehr drauf habe...ich habe keine Energie mehr, weiss nicht mehr was mir eigentlich mal Spaß gemacht hat. Ich helfe auf Arbeit anderen die liegengebliebenen Aufgaben zu erledigen, dann werden mir noch die Fehler vorgehalten...sie hätten es besser gemacht, bis ich gesagt hab, warum liegt das dann 3 Monate...da hättest du es doch tun können in der Zeit...usw...es ist wie ein ständiger Kampf gegen diese "dämlichen" Kommentare und eigentlich fehlt der Respekt mir gegenüber..ich weiss aber auch nicht mehr weiter. Ich hab mich dem jetzt entzogen, bin krank geschrieben mit mittelschwerer Depression...ich habe diesen Leuten zuviel Bedeutung gegeben, ich hatte Gefühle für die, weil die immer so wehleidig waren...das hat mir weh getan, sie so zu sehen...am Ende war das alles nur gespielt. Woher weiss man das??? Man ärgert sich dann nicht über diese Leute sondern über sich selbst, weil man so dumm war, das alles mitgemacht zu haben. Ich schreie dann zu Hause in Selbst"gesprächen" meinen Frust raus aber es bringt mir nichts...den betreffenden Leuten habe ich auch SMS gesendet, was ich von denen halte...mein ganzer Ärger ist aus mir rausgebrochen.
Mir wird jetzt gesagt, mit mir stimme was nicht, ich sei krank...aha, weil ich mal unschön meine Meinung geäußert habe???
Auch Männer verhalten sich so, wenn ich sie abgelehnt habe, der eine kam ohne Zähne zum Date...ich muss mich nicht unter Wert verkaufen, sorry...er meinte ich hätte wohl ein Problem mit Männern, ich solle zum Arzt. Sind das dann die einzigsten Schlussfolgerungen solcher Leute??? Mich macht das traurig und ich möchte mit Menschen eigentlich nichts mehr zu tun haben.


Schönthal Edith schreibt am 21.12.2020

Ihre Anregungen und Ermutigungen waren für mich sehr hilfreich und ermutigend.
Es gibt Hoffnung in jeder Situation und erst recht dazu, wenn man den Erlöser und Heiler Jesus Christus kennt🙋😍
Vielen Dank für die wertvollen Anstösse!


Florian Schroepf schreibt am 19.10.2020

Sehr geehrte Frau Wolf,
ich stehe voll und ganz hinter Ihrem Artikel und weiß auch, dass sehr viele Menschen leiden und grausames erleben mußten bzw. müssen. Aber dennoch scheint es Grenzen zu geben, wo die Opferrolle nicht mehr nur eine Einstellungssache ist.
Ich wurde missbraucht, hatte nie die "Bilderbuchfamile", wurde von meinem Vater verlassen, mußte als Kind / Jugendlicher oft umziehen, wurde in der Schule gemobbt, hatte oft mit Depressionen zu kämpfen und habe mich die meiste Zeit einsam und verstoßen gefühlt. In meinem Leben habe ich mehrere verschiedene Therapien gemacht und konnte mich erst Mitte meiner 20er lieben und wertschätzen lernen. Daraufhin hatte ich meine erste wirkliche und wertige Beziehung von 5,5 Jahren. Als diese zerbrach habe ich zunächst mit Zuversicht und Selbstvertrauen mein Leben weiter gelebt, war sozial aktiv und beliebt in meinem Umfeld. Dennoch hatte keine Frau Interesse an mir, für die ich mich auch interressiert habe. Das hat dann wieder Tür und Tore für Depressionen und sogar Panikattacken geöffnet. Einige Zeit nach einer weiteren Therapie konnte ich meinen immensen Wunsch nach einer liebenden Partnerin los lassen. Wenige Tage später, Mitte letzten Jahres, habe ich dann ein Mädel kennen gelernt, mit der sich eine Beziehung entwickelt hat. Als sie wenige Wochen darauf ungeplant schwanger wurde, ist sie in noch tiefere Depressionen verfallen. Ich habe alles versucht ihr da raus zu helfen, sie zu unterstützen und habe ihr gesagt, dass wir das schon schaffen werden, wenn wir zusammen halten. Als es ihr dann besser ging hat sie mit mir Schluss gemacht. Das war vor einem Jahr und dieses letzte Jahr war emotional die absolute Hölle. Jetzt habe ich eine wunderschöne Tochter, die ich auch liebe aber keine "eigene" Familie. Für eine Famile bzw. liebende Partnerin habe ich all die traumatischen Erlebnisse aus Kindheit und Jugend überwunden, habe Thrapien und Sport gemacht, habe hart an mir gearbeitet und bin immer wieder aus der Scheiße aufgestanden. Und wofür? Nur damit mir wieder das entrissen wird, wofür ich so hart gekämpft habe? Ich versuche trotzdem weiter zu machen aber ich weiß nicht, wie ich aus einer Oferrolle heraus kommen soll, wenn das Leben / Gott / Schicksal mich immer wieder so hart straft. mir kommt es vor als wäre (u.a.) ich Gottes Experiment, wie viel man einem Menschen zumuten kann, ohne dass sich dieser das Leben nimmt. Immer wieder gibt es Momente, in denen ich am liebsten sterben würde aber Selbstmord ist leider keine Option, da meine Tochter darunter leiden müßte und ich sie noch krasser im Stich lassen würde, als mein Vater es getan hat. Wie soll man da Vertrauen ins Leben und seine eigene Handlungsfähigkeit haben?

Eduard Schnitzler schreibt am 18.05.2021

Schön und einfühlsam geschrieben, Frau Wolf:
Ich frage mich immer bei so verheißungsvollen WohlfühlTipps, wo die andere Seite der Medaille bleibt, Frau Wolf. Ist es nicht gerade die Reflexion und die Selbstkritik , die uns besser werden lässt und reifen lässt.
Nehmen wir eine Musterperson, die sich so verhält, wie sie ihr es empfehlen.
Sie hört auf, sich zu ärgern , sie denkt nicht mehr an Niederlagen, sie gibt Gelegenheiten keine Macht mehr über Sie.
Diese Person kommt uns auch leicht als kritikresistent , unnahbar und kalt vor.
Das typische Dilemma zwischen Übertriebener Abschottung und Ich zentrierung (auch Egoismus genannt) und der gesunden Konzentration auf sich selbst , das Abstand gewinnen von negativen Energien.
Ich persönlich versuche schon lange den gesunden Mittelpunkt dazwischen zu finden, scheiter aber immer wieder.
Ich finde, Es gibt keine eindeutige und einseitige Glücksversprechende Handlungsweise, solange wir uns in Interaktion mit Anderen in der Gesellschaft befinden.

Brigitta schreibt am 31.08.2021

"aber ich weiß nicht, wie ich aus einer Oferrolle heraus kommen soll, wenn das Leben / Gott / Schicksal mich immer wieder so hart straft."

Wer davon ausgeht, dass alles was passiert, eine Strafe ist, ist meilenweit entfernt von der Abkehr aus der Opferrolle. Man sollte sich selbst nicht so wichtig nehmen, um zu glauben, dass alles, was einem widerfährt, eine Strafe anderer Menschen oder Gottes ist. Glaubst du wirklich, dass die Welt sich nur um dich dreht?


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