In dieser Podcastfolge "Wecke deine Lebensfreude" zeigen Maja Günther und Claudia Morgenstern, wie dir eine neue Perspektive zu einer neuen Haltung im Umgang mit Schuld und Scham hilft.
In dieser Podcastfolge schauen sich die Psychologin Claudia Morgenstern und die Coach Maja Günther den Zusammenhang von Schuld- und Schamgefühlen etwas genauer an. Sie klären aus psychologisch-wissenschaftlicher Sicht, wie das eine mit dem anderen zusammenhängt, wann diese starken und oftmals negativen Emotionen in uns entstehen bzw. durch was sie ausgelöst werden. Und sie geben dir unterschiedliche Strategien an die Hand, wie du eine neue Perspektive auf Schuld und Scham entwickeln kannst, um einen leichteren Umgang damit zu finden.
Schuldgefühle entstehen zumeist in zwischenmenschlichen Beziehungen. Wir fühlen uns anderen gegenüber schuldig: den Eltern, den Arbeitskolleginnen und -kollegen, Freundinnen und Freunden oder der Partnerin oder dem Partner. Wie sich das Schuldgefühl äußert und durch was es ausgelöst wird, dafür gibt es viele unterschiedliche Beispiele, etwa dass wir verinnerlichte Regeln brechen oder dass wir nach einer traumatischen Erfahrung uns selbst eine Mitschuld daran geben. In dem Zusammenhang geben sich manche für etwas die Schuld an einem negativen Ereignis – einfach, um sich nicht hilflos fühlen zu müssen.
Hinter unsere Schuldgefühlen stehen meistens bestimmte Verhaltensmuster. Um zu verstehen, wie sie zu Schuldgefühlen führen hilft das folgende Modell aus der Psychotherapie.
Grundsätzlich streben wir Menschen auf zwischenmeschlicher Ebene nach Liebe. Konkret bedeutet das aber: Wir wollen nicht nur lieben, sondern dafür auch von anderen geliebt werden. Die Balance zwischen emotionalem Geben und Nehmen beeinflusst ganz entscheidend unsere Verhaltensmuster und unsere Überzeugungen.
Machen wir dagegen (wiederholt) die Erfahrung, nicht genug oder nur unter bestimmten Bedingungen Liebe entgegengebracht zu bekommen, abgelehnt, gekränkt oder betrogen zu werden, oder wird unsere Zuneigung gar von jemandem ausgenutzt, dann können sich negative Glaubenssätze und Verhaltensmuster in uns entwickeln.
In diesem therapeutischen Modell werden unsere verschiedenen Überzeugungen und unser Verhaltensmuster für unterschiedliche Situationen wie Felder in einem Raster dargestellt. Ist die Balance gestört, setzen sich negative Verhaltensmuster und Glaubenssätze auf die Rasterfelder, die eigentlich mit liebevollen Gedanken, Überzeugungen und Verhaltensweisen gefüllt sind.
Diese können sich auf unser Selbstbild auswirken und sie führen zu negativen Gefühlen von Wut oder Scham und Schuld. Gleichzeitig können problematischen Glaubenssätze durch unser Schamempfinden, durch unser Schuldgefühl und durch Wut verstärkt werden.
Während Schuldgefühle erst in der Lebensphase entstehen, in der wir über unser moralisches Handeln reflektieren (und nicht nur, ob wir etwas richtig oder falsch gemacht haben), haben wir schon als Kleinkinder ein Schamgefühl. Denn sich für etwas zu schämen, ist einerseits auch ein Schutz bzw. ein Bewahren von Geheimnissen gegenüber anderen, auf der anderen Seite ein Vergleichen in der Gruppe, besonders in Bezug auf eigene Fehler und Schwächen.
Das bedeutet, dass die Scham viel mehr in der emotionalen Ebene unserer Psyche verhaftet ist als Schuldgefühle und sich kognitiv nicht so leicht überwinden lässt. Hier hilft Selbstakzeptanz und Selbstliebe. Wenn wir uns selbst eine gute Freundin bzw. ein guter Freund sind und anerkennen, dass wir gut so sind, wie wir sind, können wir ein übertriebenes Maß an Scham in den Griff bekommen.
Das Problem am Umgang mit der Schuld ist, dass sie erst im Nachhinein empfunden wird, wenn das Ereignis selbst nicht mehr beeinflusst werden kann. Dann ist das Missgeschick eben schon passiert, der unglückliche Satz schon ausgesprochen etc. Andererseits gibt dir das auch Abstand zur Situation und Gelegenheit, das Ganze etwas analytischer zu betrachten und zu bewerten.
Ein Gesetz? Hier ist deine Schuld schon allein rechtlich klar definiert.
Eine soziale Regel in der Familie oder Gruppe? Diese ist oft weniger klar erkennbar und verändert sich. Hier ist es umso sinnvoller, nach den Anteilen von dir und den anderen zu suchen.
Deine eigene Regel? Die hast du in der Hand und du kannst dir auch selbst verzeihen und dich vom negativen Gefühl befreien. Hier spielt erneut das Schamgefühl eine große Rolle, vermische es nicht mit dem Schuldgefühl.
Blame-Shifting bedeutet wörtlich übersetzt Schuldumkehr bzw. Schuldverschiebung. Damit gemeint ist das manipulative Verhalten von Menschen anderen gegenüber, bei dem sie die eigene Schuld bzw. die Scham über ihr Verhalten nicht anerkennen, sondern ihrem Gegenüber aufbürden oder einreden. Meist geschieht das so lange, bis es die Schuld anerkennt, denn dann sind die Blame-Shifter selbst von der Schuld befreit.
Dieses Verhalten legen besonders, aber nicht nur Menschen mit narzisstischer Persönlichkeitsstörung an den Tag. Das Blame-Shifting tritt in allen Beziehungsformen auf, in Gruppen ebenso wie in Partnerschaften oder in der Familie. Besonders perfide ist es, wenn Täterinnen und Täter ihre eigene Schuld an der Tat auf Opfer verschieben. Das geschieht oft in politischen oder kriegerischen Auseinandersetzungen zwischen Parteien, Personen-, religiösen oder Volksgruppen oder auch zwischen Ländern und Nationen.
Im Umgang und der Bewertung der eigenen Schuldanteile ist es wichtig für dich zu wissen, dass Blame-Shifting existiert und wie du damit umgehen kannst. Um dich davor zu schützen, hilft es, wie schon erwähnt, immer abzuwägen, ob die eigene Schuld wirklich der Situation angemessen ist und wer welche Anteile an der Schuld trägt. Übe hier deine Wahrnehmung.
Statt nach deiner Schuld zu fragen (und schon gar nicht danach, wofür du dich schämen musst), überlege dir das nächste Mal, wenn etwas Ungutes geschieht, an dem du deinen Anteil hast:
Wo liegt hier meine Verantwortung? Und wofür trägt die andere Person Verantwortung?
Über Verantwortung zu sprechen, hebt das Thema nicht nur auf eine neutrale Ebene, es geht dann auch um etwas Größeres: die Frage, was du in Zukunft besser machen kannst. Das hilft oft mehr, als sich zu entschuldigen, es lässt dich an deinen Fehlern wachsen und schenkt dir innere Zufriedenheit.
Du findest alle Folgen des Podcasts hier zum Nachhören. Mehr zum Podcast selbst und über Maja und Claudia erfährst du hier.
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