Von der Schublade ins offene Regal – Podcast #187

In dieser Folge des Podcasts "Wecke deine Lebensfreude" geht es um vorschnelle und allzu feste Urteile über uns und andere und wie wir sie überwinden können.

Von der Schublade ins offene Regal – Podcast #187
© PAL Verlag, unter Verwendung eines Fotomotivs von unsplash.com

In dieser Podcastfolge sprechen die Psychologin Claudia Morgenstern und die Coach Maja Günther über das "Schubladendenken". Wann neigen wir im Alltag dazu? Welche Nachteile können uns daraus entstehen? Wie können wir dieses Mindset aktiv überwinden und uns auch aus der Vorverurteilung anderer lösen? Diese Fragen klären die beiden anhand von Fallbeispielen aus ihrer Praxisarbeit und geben dir am Ende eine konkrete Imaginationsübung mit auf den Weg.

Wann neigen wir im Alltag zum Schubladendenken?

Grundsätzlich geschehen die meisten Bewertungen anderer oder auch von Situationen unbewusst. Denn dieses Denken steckt seit Urzeiten in unserer Psyche. Bei unseren Vorfahren waren schnelle Einschätzungen der jeweiligen Situation und von Freund und Feind überlebenswichtig. Im heutigen Alltag hat sich das natürlich geändert. Umso wichtiger ist es deshalb, sich selbst dabei zu beobachten und herauszufinden, wann und wie oft wir zu Schubladendenken neigen. 

Psychologisch geschieht beim Schubladendenken eine Komplexitätsreduktion in unserem Kopf, um schneller Entscheidungen treffen zu können. Dann gibt es kein "Bunt" mehr, sondern nur noch Schwarz und Weiß, Gut und Böse, Richtig und Falsch. Das spart uns (Gedanken-)Energie und vereinfacht die Welt bzw. unsere Sicht auf die Welt.

Welche Nachteile können aus dem Schubladendenken für uns und andere entstehen?

  • Wir vereinfachen zu sehr und kategorisieren zu schnell. 
  • Wir ordnen andere bestimmten Stereotypen zu. So können Feindbilder entstehen oder auch Spott.
  • Wir bilden Vorurteile oder lassen uns beeinflussen, sie zu bilden. Etwa, wenn wir jemand neuen von vornherein kritisch sehen, schon bevor wir sie oder ihn kennen.
  • Wir achten nur auf Äußerlichkeiten wie sprachlichen Eigenheiten, besonderen Verhaltensweisen, Modevorlieben.
  • Wir suchen uns Informationen, die unser Vorurteil bestätigen (psychologisch Confirmation Bias genannt).

Wie kannst du vermeiden, jemanden vorschnell in eine Schublade zu stecken?

  • Bleibe offen, wenn du jemandem begegnest und behalte dir die Lust, sie oder ihn wirklich kennenzulernen. So sammelst du die Information über die andere Person selbst und bildest dir selbst eine Meinung über sie.
  • Tritt aktiv in Kontakt mit anderen, sprich mit Gruppen, um kollektive Vorurteile zu entgehen wie "Alle jungen Menschen sind faul!"
  • Lass Ausnahmen zu nach dem Motto: "Es gibt immer jemanden, der anders ist, als erwartet."
  • Reflektiere dein eigenes Verhalten anderen gegenüber. Hinterfrage dich selbst kritisch, wenn du merkst, dass du andere pauschal kategorisierst.
  • Gönne dir einen Blick "wie beim ersten Mal", auch wenn du jemanden regelmäßig begegnest. Frage dich: Was wäre, wenn sie oder er für mich ein unbeschriebenes Blatt wäre? Wie würde sie oder er in diesem Moment auf mich wirken?

Was kannst du tun, um dich selbst aus der Schublade zu befreien, in die dich andere gesteckt haben?

  • Sprich diese Situation offen an: "Ich habe den Eindruck, ihr steckt mich da in eine Schublade …"
  • Bleib authentisch und zeig dich, wie du bist.
  • Trau dich, andere mit deinem Verhalten zu überraschen. Und halte das durch.
  • Gehe selbstbewusst deinen Weg – denn nur du kannst ihn gehen.
  • Befreie dich davon, dass alle dich mögen und du allen gefallen musst, um glücklich zu sein.
  • Suche dir ein Umfeld, dass dich so sein lässt und annimmt, wie du bist.

Übung: Was ist in meiner eigenen Schublade?

Stell dir vor, du würdest dich selbst in eine Schublade stecken. Was würdest du finden, wenn du sie öffnest? Was würdest du gerne neu anordnen wollen? Und dann mach die Schublade auf, in die andere dich gesteckt haben. Was würdest du von dort gerne ins offene Regel legen? Was besser verräumen und was entsorgen? Gehe auf Entdeckung und schreib deine Gedanken auf.

Wecke deine Lebensfreude – der psychologische Podcast für mehr Zufriedenheit und innere Stabilität

Du findest alle Folgen des Podcasts hier zum Nachhören. Mehr zum Podcast selbst und über Maja und Claudia erfährst du hier.

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Inhalt des Beitrags 
 Wann neigen wir im Alltag zum Schubladendenken?  
 Welche Nachteile können aus dem Schubladendenken für uns und andere entstehen?  
 Wie kannst du vermeiden, jemanden vorschnell in eine Schublade zu stecken?  
 Was kannst du tun, um dich selbst aus der Schublade zu befreien, in die dich andere gesteckt haben?  
 Übung: Was ist in meiner eigenen Schublade?  
 Wecke deine Lebensfreude – der psychologische Podcast für mehr Zufriedenheit und innere Stabilität  
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