Mitleid zeigt, dass wir am Leid anderer teilnehmen und ihre Gefühle uns berühren. Unser Mitleid kann jedoch auch ausgenutzt werden, weil wir die Betroffenen aus ihrem befreien wollen. Dieser Beitrag zeigt Wege zum Mitgefühl.
Wenn wir Mitleid haben, dann berührt uns die aus unserer Sicht bedauernswerte Lage von anderen so sehr, dass wir ihren Schmerz emotional empfinden. Wir nehmen an ihrem Schicksal teil und verbinden uns mit ihnen. Insofern ist es Zeichen von Empathie. Aber wir leiden mit den anderen, ohne selbst vom Leid betroffen zu sein.
Mitleid können wir sowohl mit anderen haben, als auch von anderen erhalten. Wir können wir mit allen Lebewesen Mitleid haben, also mit Menschen und mit Tieren. Und wir können sogar Selbstmitleid entwickeln. Im folgenden geht es um das Mitleid anderen gegenüber.
Wir unterscheiden uns darin, wie stark wir uns „berühren lassen“ und wie stark unser Mitleid und unsere Betroffenheit ist.
Ob und wie wir Mitleid empfinden, ist stark von Kultur, Gesellschaft und Religion geprägt, in der wir aufwachsen. Im Christentum und im Buddhismus werden Mitleid und die daraus resultierende Hilfstätigkeit und Barmherzigkeit als Tugenden angesehen.
Um Mitleid empfinden zu können,
Im Wort Mitleid steckt nicht umsonst das Wort "Leid". Wenn wir Mitleid empfinden, dann fühlen wir uns unwohl und unangenehm berührt. Es kann dabei unser Schmerzzentrum aktiviert werden. Das kann dazu führen, dass wir von unseren Gefühlen übermannt werden und Entscheidungen treffen, die wir normalerweise nicht treffen würden.
Unsere Empfänglichkeit für Mitleid kann dazu führen, dass wir von anderen emotional manipuliert werden. So erzeugen Fotos von hungerleidenden Menschen bei vielen Menschen ein schlechtes Gewissen und veranlassen sie dazu, für sie zu spenden – ohne die Seriösität der Organisation zu prüfen. Ein weiteres Beispiel dafür, wie unser Mitleid erregt werden kann ist der wortwörtlich gemeinte Hundeblick. Hunde versuchen ganz gezielt durch ihren bemitleidenswerten Gesichtsausdruck unser Herz zu berühren und dazu zu bringen, ihnen etwas zu Fressen zu geben. So kann unser Mitleid also dazu führen, dass wir aktiv werden. Wir helfen dem Bemitleideten direkt, indem wir ihn trösten, oder indirekt, indem wir Geld oder Sachgegenstände spenden. Indem wir Hilfe leisten, können wir unser Selbstwertgefühl stärken und uns als moralische, gute Menschen ansehen.
Zu starkes Mitleid kann aber auch dazu führen, dass wir nicht imstande sind, angemessen zu helfen, weil wir selbst zu sehr leiden und Hilfe benötigen. Dann lähmen wir uns durch unser starkes Mitleid. In seltenen Fällen kann sich bei uns so eine Art Erschöpfungszustand, ein Gefühl von Ausgebrannt-sein oder sogar psychische Erkrankungen entwickeln.
Übrigens: Appellieren andere sehr häufig und stark an unser Mitleid, dann führt das dazu, dass wir abstumpfen.
Mitleid kann von einem Empfinden der Hilflosigkeit oder der eigenen Unzulänglichkeit immer weiter verstärkt werden. Dieses übersteigerte und falsch verstande MItleid kann anderen sogar schaden, wenn wir ihnen beispielsweise immer wieder unter die Arme greifen und sie so für ihre Lage keine Verantwortung übernehmen müssen oder dürfen. Dann halten wir die bemitleideten Personen unselbstständig und sie sind immer weiter auf Hilfe von außen – unsere Hilfe – angewiesen.
Nicht selten sehen wir jemand als bemitleidenswert an, der sich selbst nicht für bemitleidenswert betrachtet. Wir wollen jemandem helfen, obwohl er selbst in der Lage ist, sich zu helfen. Der an Parkinson erkrankte Schauspieler Michael Fox bezeichnet Mitleid als eine "Form von Misshandlung". Fox mag es nicht, wenn man ihn wegen seiner Parkinson-Krankheit bemitleidet.
Viele Menschen wollen für gewöhnlich selbst kein Mitleid erregen. Auch das hat mit unserer gesellschaftlichen Prägung zu tun und betrifft vor allem die älteren Generationen. Sie sehen im Mitleid von anderen das Signal, dass sie sich in einem bedauernswerten und beklagenswerten Zustand befinden und diese in einer Position der Stärke und Überlegenheit.
Doch dieses Gefühl ist nicht falsch. Auch wenn es heilsam ist, die eigenen Schwächen anzuerkennen und Hilfe zuzulassen, ist Mitleid nicht der richtige Anlass. Anders ausgedrückt: Mitleid von anderen hilft uns nicht. Denn unser Leid wird nicht weniger, nur weil andere sich wegen unserer bedauernswerten Lage ebenfalls schlecht fühlen und mitleiden.
Hilfe ist nur dann hilfreich, wenn sie die Situation der Hilfsbedürftigen verbessern kann.
Es genügt daher, wenn andere mit uns mitfühlen, wenn sie uns trösten und zuhören, wenn sie uns Raum geben, ihnen von unserem Leid zu erzählen, oder wenn sie einfach nur für uns da sind und bleiben. Und dann überlegen, wie sie uns unterstützen können. Wenn du erlebst, dass andere mit dir mitleiden und dir das unangenehm ist, dann sage ihnen konkret, welche Hilfe du dir konkret von ihnen wünschst. Wichtig ist auch: Entwickle Selbstmitgefühl. Das beginnt damit Verständnis aufzubringen für deine Fehler und Schwächen.
Wir können unser Mitleid durch Mitgefühl ersetzen. Mitgefühl ist im Gegensatz zum Mitleid durch folgende Merkmale gekennzeichnet:
Wenn es dir gelingt, Mitgefühl statt Mitleid aufzubauen, dann entwickelst du ein Verständnis für das Leid der anderen Person, ohne dich darin einbinden zu lassen. Im Gegensatz zum lähmenden Gefühl von Mitleid, das eine gleichberechtigte Beziehung verhindert und Hilflosigkeit erzeugt, schafft echtes Mitgefühl eine Begegnung auf Augenhöhe. Dadurch wird echte Hilfe möglich, die Veränderung bringt und beiden Lebensfreude schenkt.
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